Risikosteuerung mit Overlay Management

Overlay Management hat viele Facetten. Es kann etwa zur Sicherung einer Wertuntergrenze eingesetzt werden oder die Nutzung von Renditechancen anstreben. Regelbasiertes und modular aufgebautes Overlay Management lässt sich passgenau auf die Anforderungen eines Investors und seiner Strategischen Asset-Allokation (SAA) ausrichten. Die Stellschrauben dafür sind Modularität, Risikobudget-Sponsoring oder der Einsatz taktischer Asset-Allokations-Signale zur Steuerung des Investitionsgrades.

Mit den sich ändernden Anforderungen entwickelt sich auch das Overlay Management selbst kontinuierlich weiter, um seine zentralen Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Moderne Konzepte erlauben es, positive Marktbewegungen zu nutzen, negative zu begrenzen und damit die Wertuntergrenze zu verteidigen. Die Risikomessung kann auf Einzeltitelebene in Risikomodulen erfolgen und Anlegern damit ermöglichen, schnell auf Marktrisiken zu reagieren und unterschiedliche Risikoarten separat oder gesamtheitlich zu steuern. Schließlich sollen so Opportunitätskosten gesenkt und die Wertuntergrenze eingehalten werden.

Ähnliche Risikoprofile clustern

Ausgangspunkt für jedes Overlay Management ist die Risikoanalyse der vorgegebenen SAA. Generell können die Portfoliorisiken einheitlich über ein einziges Risikobudget oder modular mit mehreren Risikobudgets gesteuert werden. Eine modulare Systematik, also eine Aufteilung des Risikobudgets nach einzelnen Risikoarten und deren separate Steuerung, hat hier Vorteile.

Die Assetklassen der definierten SAA lassen sich den betrachteten Risikoarten zuordnen. Eine hierarchische Cluster-Analyse gibt Aufschluss über die Korrelation zwischen den Assetklassen, um solche mit ähnlichem Risikoprofil in Modulen zu bündeln. Darauf aufbauend können gezielt diejenigen Risikomodule gesichert werden, die sich negativ auf das gesamte Risikobudget auswirken.

Gleichzeitig können Budgets zwischen den Risikomodulen allokiert und Sicherungen entsprechend antizyklisch verringert oder aufgehoben werden. Gerade in Zeiten knapper Risikobudgets ist es wichtig, nicht nur die Asset-Allokation, sondern auch die Allokation von Risikobudgets auf einzelne Risikofaktoren der SAA im Blick zu haben.

Ein Beispiel: Die hohe Korrelation von US-Renten mit US-Corporates und die Bildung eines entsprechenden Clusters sowie die Zusammenfassung der Fixed-Income-Komponenten der Industrieländer zum Stabilitätsmodul sind naheliegend. Die höhere Korrelation der Schwellenländer-Rentenmodule mit der Aktienseite und die entsprechende Integration in das Hauptrisikomodul sind dagegen nicht ganz so offenkundig. In der Grafik kristallisieren sich zwei Module heraus: das Stabilitätsmodul mit fünf Anleihekomponenten und das Hauptrisikomodul mit Aktienkomponenten sowie Schwellenländer-Anleihen. Das Gesamtrisikobudget wird nun auf diese beiden Risikoarten unterteilt und entsprechend gesteuert. Außerdem wird noch ein Budget für schwer abzusichernde Gefahren wie Overnight-Risiken bereitgestellt.

Quelle: Universal-Investment-Luxembourg S.A., Niederlassung Frankfurt am Main

Signalbasiertes Sponsoring

In einer modularen Systematik kann ein sogenanntes Sponsoring Risikobudget von einem sich positiv entwickelnden Risikomodul in ein anderes Modul transferieren, das kein freies Risikobudget mehr aufweist. Ansonsten würden dort möglicherweise Sicherungsmaßnahmen greifen. Taktische Signale sind dabei eine zusätzliche Kontrollinstanz: Ein Risikobudgettransfer erfolgt nur dann, wenn das empfangende Modul mindestens ein neutrales Signal aufweist. Stufenweise kann weiteres Budget transferiert werden, je besser die Signalausprägung ist. Zusätzlich kann eine Maximalgrenze für den Transfer definiert werden.

Entwickeln sich die Märkte positiv, kann die SAA substanziell Performance aufbauen, das freie Risikobudget deutlich steigen und die Risikopräferenz des Overlays sich verändern. Diesem Effekt wirkt eine signalabhängige Beschränkung der maximalen Risikobudgets entgegen. Überschüssiges Risikobudget fließt dann entweder in das Sponsoring anderer Module oder in das sogenannte Modul Wiedereinstieg. Damit bestimmen taktische Signale die Risikotoleranz des Overlays und mögliche Performance-Sicherungsmaßnahmen.

Eine der größeren Herausforderungen stellen Zeitpunkt und Art der Auflösung bestehender Sicherungen dar und somit der Wiedereinstieg in den Markt. Mit Hilfe taktischer Signale kann ein Wiedereinstieg antizyklisch und systematisch erfolgen – sofern noch Risikobudget vorhanden ist. Dabei wird, unter der Voraussetzung, dass mindestens ein Signal neutral ist, in vorher festgelegten Abständen, beispielsweise einmal pro Woche, kontinuierlich signalabhängig Risikobudget freigegeben.

In der Corona-Krise hat modernes Overlay Management einen Härtetest bestanden: Mit Unterstützung taktischer Signale und einer flexiblen Risikobudgetierung war eine differenzierte Overlay-Feinsteuerung möglich, die auch Wiedereinstiegschancen frühzeitig erfolgreich nutzte.

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Peter Flöck

Peter Flöck ist Head of Product Management, Portfolio Management, der Frankfurter Niederlassung von Universal-
Investment-Luxembourg. Die unabhängige Fonds-Service-Plattform bietet Dienstleistungen rund um Fonds- und Wertpapieradministration für instittutionelle Investoren und Fondsinitiatoren an.

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