Private Markets Nachfrageschub

Bild eines wachsenden Graphen, gezeichnet mit einem Finger.

Stehen Private Markets vor einem neuen Nachfrageschub? Der rasante Aufstieg der Private Markets in den vergangenen zehn Jahren könnte in den kommenden Jahren zu einer nachhaltigen Veränderung in der Vermögensallokation von Anlegern führen.

Nicht-börsennotierte Anlagen sind zwar seit geraumer Zeit Bestandteil institutioneller Anlagestrategien, Portfolios privater Investoren beinhalten Private Markets jedoch nach wie vor nur in einem geringen Umfang, häufig mit einer durchschnittlichen Gewichtung im einstelligen Prozentbereich. Im Zuge der regulatorischen Entwicklung hin zu einem besseren Zugang zu Private Markets könnten wir jedoch vor einem beispiellosen Nachfrageschub stehen. Die Allokation von Privatanlegern in alternative Anlagen könnte von geschätzten vier Billionen US-Dollar im vergangenen Jahr auf 13 Billionen US-Dollar bis Ende 2032 ansteigen.

Parallelen zum Aufstieg der Schwellenländer um die Jahrtausendwende lassen sich leicht ziehen. Nach wie vor sind die meisten Portfolios hauptsächlich in den Industrieländern engagiert, aber heutzutage gilt ein Portfolio kaum noch als wirklich diversifiziert, wenn es nicht auch in Aktien und Anleihen aus Schwellenländern investiert ist. Es ist sehr gut möglich, dass dies in fünf oder zehn Jahren auch für die Privatmarktanlagen gilt.

Bei den Schwellenländern hat es einige Zeit gedauert, bis die Anleger die Feinheiten der aufstrebenden Anlageklassen verinnerlicht haben, insbesondere die geringere Liquidität. Und so gilt es noch einige Hürden zu überwinden, bis der nicht-börsennotierte Bereich als etablierte Anlageklasse für die breite Masse betrachtet wird.

Akzeptanz braucht Zeit

So groß die Erwartungen an die bevorstehende Beschleunigung des Marktes für nicht-börsennotierte Anlagen auch sein mögen, wir erwarten, dass dieser Prozess eher einem Marathon als einem Sprint gleichen wird. Auch wenn Private Markets in naher Zukunft zu einem festen Bestandteil der Portfolios vermögender Kunden werden, sind viele private Anleger einfach nicht an alternative Anlagen außerhalb des Immobiliensektors gewöhnt.

Im Zuge der jüngsten Regulierungsmaßnahmen wurden Instrumente wie der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) und der Long Term Asset Fund (LTAF) entwickelt, um Kleinanlegern einen besseren Zugang zu Private Markets zu ermöglichen. Diese Strategien bieten eine wesentlich höhere Liquidität als das traditionelle Angebot in diesem Segment.

Trotz der Fortschritte, die die Regulierungsbehörden in den vergangenen Jahren erzielt haben, gibt es nach wie vor keine einheitliche Struktur der Finanzinstrumente, wenn es um den Marktzugang für vermögende Kleinanleger geht. Diese Situation wird sich jedoch stückweise verbessern, da immer mehr Vermögensverwalter entsprechende Produkte auf den Markt bringen werden.

Aufklärung wird entscheidend sein

Wie bei allen vorangegangenen Expansionen in bis dato weitgehend unerschlossene Anlagebereiche, sind Aufklärung und Schulungen von entscheidender Bedeutung. Investitionen in Privatmarktanlagen sind ein mehrjähriges Engagement, und jeder potenzielle Anleger muss sich vollkommen darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen das auf sein Portfolio haben kann.

Während beispielsweise die meisten Anleger mit Immobilien als Anlageklasse relativ vertraut sind, unterscheidet sich das Anlageverhalten eines offenen Immobilienfonds oder eines Vehikels, das in börsennotierte REITs investiert, deutlich von einer Immobilienstrategie in den Private Markets. Die investierten Anlagen werden nicht dieselben sein, der Zeithorizont wird sich mit Sicherheit verlängern und die Liquiditätsanforderungen dürften sich von denen unterscheiden, die die Anleger bisher gewohnt waren. Die einzige Ähnlichkeit könnte in der Verwendung des Begriffs „Immobilien“ im Titel bestehen.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Private Debt die Anlageklasse sein wird, die am meisten von der zunehmenden Nutzung alternativer Anlagen profitieren wird. Private Equity ist für viele Investoren der erste Schritt in die Welt der nicht-börsennotierten Anlageoptionen, und Private Credit ist trotz seiner attraktiven Diversifikations- und Renditemerkmale nach wie vor eine weitgehend ungenutzte Anlageklasse in den Portfolios. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Private-Debt-Strategien zunehmen wird.

Keine simple Ergänzung zu traditionellen Anlagen

Obwohl immer mehr Anleger die Attraktivität einer Allokation in Private Markets erkennen – insbesondere die geringe Korrelation zu den globalen Aktien- und Anleihemärkten –, sind sie keine simple Ergänzung zu einer traditionellen Asset Allokation und sollten nicht als solche betrachtet werden.

Auch wenn sich Investoren aus dem Wealth- und Retail-Segment über ihre Pensionstöpfe teilweise auf den Private Markets engagieren, ist noch nicht absehbar, ob sich diese Anlageform in der breiten Öffentlichkeit durchsetzen wird. Für langfristig orientierte Anleger, die mit den damit verbundenen Liquiditätsengpässen umgehen können, ist ein Engagement auf den Private Markets jedoch eine äußerst attraktive Alternative, um die Gesamtvolatilität des Portfolios zu reduzieren und das Risiko-Rendite-Verhältnis sowie die Ertragsströme zu diversifizieren.

In einer Zeit, in der Asset Manager nach Wachstumsfeldern suchen, sind Unternehmen mit einem bewährten Angebot für Private Markets in einer besseren Position, um sich in den kommenden Jahren in einer sich ständig verändernden Investmentlandschaft zu behaupten.

Matt Shafer ist Head of International Distribution bei PGIM Investments. PGIM Investments ist Teil von PGIM, dem globalen Investmentmanager des US-Versicherungskonzerns Prudential Financial, Inc. mit einem Volumen von 1,3 Billionen US-Dollar (Stand: 31. März 2024). PGIM Investments bietet weltweit mehr als 100 Fonds in einem breiten Spektrum von Anlageklassen und Anlagestilen an.

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