„Noch nie waren wir uns so einig“

Die Welt muss gerettet werden! Gestern war der Klima- und Umweltschutz unser weltumfassendes Thema, heute besteht die Gefahr mit Putins Finger am roten Knopf, dass unser Leben frühzeitig durch Atomwaffen beendet wird und es keine Rettung mehr gibt. Damit wird erst recht deutlich, dass der Mensch im Anthropozän in der Lage ist, sich jeglicher Lebensgrundlage selbst zu berauben.

Der Krieg kostet Menschenleben und nimmt uns die Energie und den Fokus, der anderen Orts dringend nötig ist. Es bleibt zu hoffen, dass dank eines Waffenstillstands und eines Friedens in Europa wir uns wieder auf die langfristigen, menschlichen Herausforderungen in der Welt konzentrieren können, ein nachhaltiges Fundament für eine lebenswerte Zukunft der nachfolgenden Generationen schaffen können und die Menschheit retten.
Wir kehren zurück zu den brennenden Themen von Klima- und Umweltschutz, die auch beim diesjährigen 25. Bank der Zukunft – Treffen des International Bankers Forum die Vertreter des Banken- und Kapitalmarkts in der Diskussion über die Finanzierung von Umwelt- und Klimarisiken stark beschäftigt haben. Insofern scheint sich auch eine Reaktion herauszukristallisieren, die Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ (Nr. 189, 2015) angemahnt hat. ESG-Kriterien und Nachhaltigkeit sind in aller Munde und das magische Dreieck der Geldanlage wird zum Ethisch-nachhaltigen Anlage-Dreieck erweitert (siehe Abbildung).

Erweiterung des „Magischen Dreiecks der Geldanlage“ zum „Ethisch-nachhaltigen Anlage-Dreieck“, Quelle: EKD- Texte 113: Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche, 4., aktualisierte Auflage 2019, S. 9

Wenn wir uns nun im Problembewusstsein einig sind, sind wir dann aber auch bereit zu handeln? Schauen wir uns einige der menschlichen Grundbedürfnisse an: Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Mobilität und die Vorsorge mit Geld. In der Nahrungsmittelkette gehen ein Drittel in der Produktion und ein Drittel in der Verteilung über Groß- und Einzelhandel verloren. Und dann ist da noch unser privater Verbrauch, wo ein weiteres Drittel in Restaurants, im Catering und zuhause verschwendet werden. Gehen wir doch mal an die Fleischtheke. Kaufen wir immer das teure Bio-Fleisch mit Herkunftsnachweis und können wir uns überhaupt auf die verschiedenen „Label“ verlassen? Werden wir alle „Flexitarier“ und essen weniger Fleisch, aber dafür nur qualitativ Hochwertiges oder werden wir alle Vegetarier?


Die Bekleidungsindustrie ist eine der CO2-intensivsten Industriezweige mit einem CO2-Ausstoß größer als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Fast Fashion versus Fair Fashion, die Modebranche hat als Push-Industry per Design Überkapazitäten mit einer wahnsinnig hohen Wegwerfmentalität und das bequeme Online-Shopping mit einer über dreißigprozentigen Retourquote verschärft nur die Verschwendung. Werden wir nur noch Fair Fashion mit heimischer Produktion kaufen? Werden wir alle recyceln und nur noch Second-Hand kaufen?
Das Plusenergiehaus ist keine Fiktion mehr. In der Housing-Industrie können durch Materialien und Technik genügend Energie erzeugt beziehungsweise gedämmt werden. Es wird Zeit brauchen, bis wir alle Bauten entsprechend renoviert haben. Deutschland war mal führend in der Solarindustrie. Was ist aus Solarworld, Conergy und Q-Cell geworden? In München hatten wir mal die weltweit führende Messe Intersolar. Wärmepumpen brauchen Strom, viel Strom! Sind da die teuren Strompreise in Deutschland nicht kontraproduktiv!?


Die viel gepriesene e-Mobilität ist „fast, fashionable, and fun“, aber bringt beim deutschen Energiemix erst ab 100.000 Kilometern einen Klimavorteil gegenüber dem vergleichbaren Verbrennungsmotor. Werden wir alle vom Flugzeug in den Bus oder die Bahn umsteigen? In den Ballungsgebieten wird der Fußgänger und der Radfahrer wieder „King of the Road“ werden, aber auf dem Land wird es mit der e-Mobilität schon schwieriger.


Bei der Geldanlage fließen heute knapp dreißig Prozent in Nachhaltigkeitsfonds und Investments, aber der Nachhaltigkeitsanteil am gesamten Investitionsvolumen ist verschwindend gering. Die EU-Taxonomie schafft ein Regelwerk, auf deren Zertifizierung sich die Wirtschaftsprüfer freuen, aber hat das wirklich eine CO2-reduzierende Wirkung? Auf den „Impact“ kommt es an, sagen die Politiker, möglichst noch auf den „Social Impact“. Aber sind wir als Anleger bereit, dafür finanzielle Nachteile hinzunehmen?


Auf den Konsumenten wird es in der Zukunft ankommen. Der Verbraucher muss einsichtig sein und mitmachen wollen! Die Antwort auf diese Fragen heißt SMART: Smart Food, Smart Clothing, Smart Housing, Smart Mobility und Smart Money. Die Transformation kann nur gelingen, wenn wir jedes Glied der Wertschöpfungskette auf seine Zukunftsfähigkeit prüfen. Der Weg in eine „Circular Economy“ und in eine „Shared Economy“ muss für alle Konsumenten transparent und gewollt sein.


Dazu bedarf es seitens des Staates einer guten, vorbildlichen Führung und klugen Politik, die günstige Rahmenbedingungen schafft und Orientierung gibt, die Menschen mitnimmt, ihnen Freiräume verschafft, sie steuerlich entlastet und ihre Eigenverantwortung stärkt.

Ulrich Schürenkrämer in schwarzem Anzug zum Klima- und Umweltschutz
Dr. Ulrich Schürenkrämer
Michael Duesberg in dunkelgrauem Anzug zum Klima- und Umweltschutz
Michael S. Duesberg

Michael S. Duesberg ist Partner der Münchener Sozietät taskforce – Management on Demand GmbH und Mitglied des Advisory Boards von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York).
Dr. Ulrich Schürenkrämer ist Managing Director der Münchener Impact-Investment-Gesellschaft Machlaan GmbH und Mitglied des Advisory Board von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York).

Weitere interessante Artikel