Microcaps: Wie und warum sollten Anleger die Spitzenwerte von morgen begleiten?

Microcaps sind kleine, der Öffentlichkeit häufig unbekannte Unternehmen. Sie bilden aber ein sehr attraktives Anlageuniversum. Was macht sie so interessant?

Das Microcap-Universum besteht aus einer Vielzahl von innovativen Nischenakteuren, deren Börsenkapitalisierung bei 50 bis 500 Millionen Euro liegt. In der Regel handelt es sich um Unternehmen mit starken „Ankeraktionären“, häufig die Gründer(familien). Diese Firmen generieren langfristig ein stärkeres Wachstum als Großunternehmen. Das Anlageuniversum besteht weltweit aus mehr als 20.000 Unternehmen in Europa, Asien, Ozeanien und Nordamerika. Unabhängig vom Wirtschaftszyklus sind hier interessante Geschäftsmodelle zu entdecken. Microcaps reagieren zwar sensibler auf die Stressphasen des Marktes, erholen sich aber deutlich besser.

Die Hauptschwierigkeit besteht in ihrer Liquidität, also in ihrem täglichen Handelsvolumen, das schwächer ausfällt als bei Standardwerten. Gegenüber Standardwerten zeigen sich Microcaps weniger volatil, allerdings kann das inhärente Risiko eines einzelnen Unternehmens hoch sein. Will man von der Attraktivität dieses Anlageuniversums profitieren, sollte man die(se) besonderen Risiken in Betracht ziehen und über einen entsprechenden Investmentprozess verfügen, um von der schwächeren Korrelation zu profitieren.

Die Titelauswahl im Rahmen einer Microcap-Strategie

Liquidität ist ein wesentliches Kriterium für die Auswahl der Titel eines Fonds. Es erscheint uns dabei wichtig, mit begrenzter Marktauswirkung kaufen, aber auch verkaufen zu können. Bei Mandarines globaler Strategie finden beispielsweise nur Aktien mit einer Liquidität von mehr als 250.000 Euro täglich Eingang ins Portfolio (europäisch sind mehr als 100.000 Euro erforderlich). Anschließend wird ein intern entwickelter quantitativer Prozess angewandt, um innerhalb eines jeden Sektors und für jedes Land die besten Ideen zu finden, die ein Wachstum zu akzeptablem Preis bieten. Dank der Fundamentalanalyse lässt sich das endgültige Portfolio mit einer guten Diversifizierung und mit schwachen sektoriellen und geografischen Übergewichtungen im Vergleich zu den Marktindizes bilden. Beim „Mandarine Global Microcap“ setzt sich das Portfolio schließlich aus 300 bis 400 Werten zusammen, beim Mandarine Europe Microcap aus 160 bis 200 Werten.

Gründe für das Investieren in eine Microcap-Strategie

Bei Anlagen in einen Microcap-Fonds kann man von einem attraktiven Risiko-Rendite-Profil profitieren, das vom starken Wachstum der Unternehmen und von ihrer schwachen Korrelation getragen wird. Dahinter steht die Idee, es Anlegern zu ermöglichen, dank eines entsprechenden Investmentprozesses bei kontrolliertem Risiko von den Vorteilen zu profitieren. Entscheidend ist, in eine im Hinblick auf Länder, Sektoren und Geschäftsmodelle ausreichend diversifizierte Strategie zu investieren, dabei Übergewichtungen in den Bereichen Growth oder Value zu begrenzen, um sich an die verschiedenen Phasen des Marktes anzupassen. Im Übrigen ermöglicht das Anlegen in Microcaps, innovative Mittelständler zu unterstützen, die lokal neue Arbeitsplätze schaffen und für Wirtschaftswachstum sorgen.

Microcaps im aktuellen Marktkontext Die Abschläge bei Microcaps gegenüber Standardwerten sind aktuell ungewöhnlich hoch. Die schlechte Vorhersehbarkeit bei diesem Zyklus wie auch die Spätfolgen der Corona- Pandemie oder der russische Angriffskrieg in der Ukraine lasten gerade auf Nebenwerten. Dies wirkt sich zugunsten einiger Mega-Caps aus. Selbst zwischen Small Caps und Microcaps ist der Abstand sehr groß. Die Wertentwicklung des „MSCI Small Cap Europe“ lag in den ersten zehn Monaten des Jahres bei minus drei Prozent, während der „MSCI Europe Micro Cap“ minus zwölf Prozent verzeichnete und der „MSCI Europe ex UK Micro Cap“ minus 14 Prozent. Wenn man aber die Entwicklung ihrer medianen Gewinne betrachtet, sorgten Mid-, Small- und Microcap-Unternehmen über lange Zeit gesehen für die höchste Wertschöpfung und erzielten eine Outperformance gegenüber den Standardwerten. Kurzfristig führt das wiederauflebende Interesse an der Anlageklasse noch nicht zu einer Erholung. Sicherlich müssten sich die makroökonomischen Indikatoren verbessern und das Zinsumfeld stabilisieren. In der Zwischenzeit kaufen diese Unternehmen wie das Management vermehrt Aktien zurück. Ebenso kommt es zu zahlreichen Übernahmen. Mandarine profitierte beispielsweise von seit Jahresbeginn bereits neun öffentlichen Übernahmeangeboten im Mandarine Europe Microcap. Dazu gehörte das französische Medtech-Unternehmen Biocorp, bei dem seit Aufnahme ins Portfolio im Mai 2020 eine Kurssteigerung von 150 Prozent erzielt wurde.

Augustin Lecoq ist Lead-Portfoliomanager bei Mandarine für Microcaps Global
und Europa. Mandarine Gestion ist eine französische Kapitalverwaltungsgesell- schaft der LFPI-Gruppe mit einem verwal- teten Vermögen von rund drei Milliarden Euro. Die LFPI-Gruppe ist einer der ersten unabhängigen und multistrategischen Vermögensverwalter Europas mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 28 Milliarden Euro. Mit fast 300 Fachleuten
und acht Niederlassungen in Europa und den Vereinigten Staaten ist die LFPI-Grup- pe heute in den Bereichen Kapitalanlage, Immobilien, Vermögensverwaltung und Family Office vertreten.
www.mandarine-gestion.com

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