Messung von Impact Investments Teil 1: Investmentkategorien

Die Autoren zum Beitrag Impact Investments Teil 1

In einer Beitragsreihe soll eine Diskussionsgrundlage für den Einsatz von Impact Investments entworfen werden. Der Begriff Gemeinwohl wird hierbei in das Zentrum verantwortlichen Investierens gerückt. In diesem ersten Beitrag identifizieren Dr. Ulrich Schürenkrämer, Managing Director von Machlaan und Mitglied des Advisory Boards von SIMA, und Co-Herausgeber Hans-Jürgen Dannheisig zunächst die verschiedenen Kategorien, die unterschiedliche Verantwortung von Kapital charakterisieren. In den Folgebeiträgen werden sie diesen Diskussionsansatz fortsetzen und fordern die Leser ausdrücklich zur Diskussion und zu eigenen Beiträgen auf.

Mittlerweile hat sich in der Gesellschaft die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine alleinige Ausrichtung am Profitgedanken und eine Maximierung des Shareholder Values nicht geeignet ist, die Ziele um eine gerechtere Welt mit der Vermeidung von Ungleichgewichten, Verteilung von Ressourcen und Klimaschutz zu realisieren. Die Zeit ist reif. „Schließlich orientieren sich neben Staaten und überstaatlichen Institutionen auch immer mehr Privatanleger (Anmerkung der Autoren: und institutionelle Anleger) am Begriff des Impact-Investing, sie wollen neben einer Rendite auch positive Auswirkungen auf Umwelt und/oder Gesellschaft erzielen.“ (siehe Achleitner und Rocholl: Wie privates Kapital staatliche Macht stärkt, in Handelsblatt vom 18.11.2020).

Was sind Impact Investments und wie lassen sich diese von anderen Investmentkategorien unterscheiden?

Ausgehend von einer ursprünglich binären Unterscheidung in kapitalistische und philanthropische Investments haben sich mittlerweile durch die zunehmende Berücksichtigung von ESG-Faktoren (environmental, social and governance), Aspekten der Nachhaltigkeit und einer Fokussierung auf sozio-ökonomische Zielvorstellungen zahlreiche Mischformen ergeben. Sie lassen sich auch hinsichtlich ihres Zwecks danach differenzieren, ob sie sich stärker oder ausschließlich am Eigennutz des Investors oder ebenso am Gemeinwohl orientieren. Der Begriff Gemeinwohl umfasst hierbei nach unserer Auffassung untrennbar alle Arten von sozialen und ökologischen Aspekten. Diejenigen Investmentkategorien, die substanziell oder mehrheitlich nach dem Gemeinwohl streben und damit vornehmlich den social impact verfolgen, werden als Impact Investments bezeichnet.

Es lassen sich acht Investmentkategorien unterscheiden, deren Merkmale im Folgenden skizziert werden:

a) Kapitalistische Investments

Kapitalistische Investments haben die Maximierung der finanziellen Rendite für den Investor zum Ziel. Sie sind durch das Ausnutzen von allen denkbaren legalen Anlagemöglichkeiten im Kapitalmarkt geprägt und schließen Arbitragegeschäfte und vorteilhafte steuerliche Kon-struktionen ein. Andererseits haben sie keinerlei Berücksichtigung von ESG-Faktoren und orientieren sich nicht am Gemeinwohl oder an moralischen Standards.

b) Traditionelle Investments

Traditionelle Investments verfolgen die Optimierung der finanziellen Rendite für den Investor. Mit dem Ziel eines konkurrenzfähigen, marktüblichen Return on Investment werden zwar die ESG-Faktoren nicht berücksichtigt, aber zur Vermeidung von Reputationsrisiken oder operationellen Risiken werden bestimmte Geschäftsmöglichkeiten, beispielsweise über Steueroasen, ausgeschlossen und damit Standards eingehalten, die dem Gemeinwohl dienen. Insofern entsprechen diese Investments dem rheinischen Kapitalismus beziehungsweise dem rheinischen „Wohlstandsgesetz“: Mer muss och jönne könne. Oder eben einfach auch der Erkenntnis, dass das Gemeinwohl auch die Lebens- und Existenzgrundlage des Investors darstellt.

c) Verantwortungsvolle Investments

Bei verantwortungsvollen Investments kommt der Fokus auf ESG-Risiken zum Zuge, indem durch Negativ-Selektion schädliche Anlageprodukte oder -bereiche ausgeschlossen werden und in großem Maße ESG-Faktoren in den Investmententscheidungen berücksichtigt beziehungsweise integriert werden. Beispielsweise werden unter ESG- Gesichtspunkten keine Investments in Unternehmen getätigt, die beispielsweise durch Produktion von Waffen, Luft- oder Wasserverschmutzung, Kinderarbeit, Tierversuche etc. auffällig sind. Auch nach derartigem Filtern der Investments kann der Investor eine konkurrenzfähige, marktübliche finanzielle Rendite erwarten.

Quellen: Bridges Ventures, DWS and GIIN (Global Impact Investing Network), eigene 2021

d) Nachhaltige Investments

Nachhaltige Investments legen ihren Fokus auf die positive Auswahl von umweltschonenden und sozialen Ergebnissen, die sich durch den Prozess der Investment-Selektion, das Portfolio Management und das Investment Committee Engagement hindurch ziehen. Hierbei greift ebenfalls ein professionelles ESG-Risikomanagement. Neben der Erwartung einer marktgängigen finanziellen Rendite wird die Nachhaltigkeit der Investments transparent verfolgt und mit entsprechenden Berichten dokumentiert.

e) Sozio-ökonomische Investments

Sozio-ökonomische Investments fokussieren sich auf einen oder mehrere Bereiche, in denen umweltschonende und soziale Bedürfnisse eine kommerzielle Wachstumschance für marktübliche oder sogar überdurchschnittliche finanzielle Renditen offerieren. Typischerweise sind sie in dem weiten Feld der regenerativen Energien, wie Wind- und Solarparks, Wasserkraftwerke und so weiter zu verzeichnen. Neben dem professionellen ESG-Risikomanagement und der Transparenz der Nachhaltigkeit wird damit das Gemeinwohl in hohem Masse berücksichtigt.

f) Tiefgründige Investments

Bei tiefgründigen oder auch sogenannten „deep Impact Investments“ handelt es sich um Investitionen, die bestehende Konzepte systemisch in Frage stellen und Business-Modelle neu denken. Im Rahmen unserer Beitragsreihe werden wir aufzeigen, welche Investments Deep Impact umfassen können, wie sie sich unterscheiden und wo wir diesbezüglich derzeit stehen. Der Fokus als Impact-Investment-Investor liegt auf dem tiefen Ende der Wertschöpfung durch soziale und ökologische Auswirkungen durch Direktinvestitionen in regenerative Kernunternehmen, wobei die Schaffung positiver Auswirkungen ein zentraler Bestandteil des Produkts oder der Dienstleistung des Unternehmens ist. Hier steht die Überzeugung an die Notwendigkeit einer Systemtransformation hin zu einer regenerativen Wirtschaft und einer bewussteren Form des Investierens im Vordergrund. Dennoch oder gerade deshalb wird durch Diversifizierung an der Erzielung marktüblicher Returns gearbeitet. (vergleiche dazu auch den Beitrag von Dr. Christin ter Braak-Forstinger)

g) Gemeinwohlfokussierte Investments

Gemeinwohlfokussierte Investments setzen ihren Schwerpunkt ebenfalls auf einen oder mehrere Bereiche in Umwelt oder Gesellschaft. Allerdings bedingen die Umstände einen Trade-off zur finanziellen Rendite. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „impact first investments“. Als Beispiel kann ein Solar Off-Grid and Financial Access Debt Fund dienen, der letztlich die Versorgung von armen Haushalten mit kleinen Solargeräten und die Refinanzierung von Microfinance-Institutionen in Afrika und Asien gewährleistet. Derartige Investments lassen sich nicht mit den marktüblichen Renditevorstellungen verwirklichen. So müssen im BOP-Marktumfeld (the world‘s bottom of economic pyramid) die Ergebnisziele reduziert werden, weil in diesem Niedrig-Einkommens-Kontext nur mit niedrigeren Margen gerechnet werden kann oder sich die üblichen Skaleneffekte in der Administration nicht verwirklichen lassen oder die BOP-Projekte mehr Zeit und längere Rückzahlungsfristen benötigen. Mit professionellem ESG-Risikomanagement und Transparenz der Nachhaltigkeit werden hierbei mehrheitlich die Interessen des Gemeinwohls verfolgt.

h) Philanthropische Investments

Philanthropische Investments äußern sich materiell in der Förderung von Unterstützungsbedürftigen, die nicht zum Kreis der Verwandten oder Freunde des Investors zählen, oder von Einrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen. Üblicherweise erfolgen diese Investments in Form von Zuwendungen und Schenkungen zumeist durch Stiftungen, die mit keinerlei finanzieller Rendite oder zumindest mit Renditeverzicht verbunden sind. Eine zielgerechte Verwendung der finanziellen Mittel wird in der Regel mit ESG-Risikomanagement überwacht und entsprechenden Nachhaltigkeitsberichten sowie Impact-Messungen dokumentiert.

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Dr. Ulrich Schürenkrämer/ Michael S. Duesberg

Dr. Ulrich Schürenkrämer ist Managing Director der Münchener Impact-Investment- Gesellschaft Machlaan GmbH und Mitglied des Advisory Boards von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York).

Michael S. Duesberg ist Partner der Münchener Sozietät für temporäres Management taskforce Management on Demand GmbH und Mitglied des Advisory Boards von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York).

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