Mehr Performance mit kombinierten Wertsicherungsstrategien

Für das aktuelle und prognostizierte Kapitalmarktumfeld, das insbesondere von einem höheren Inflationsniveau, steigenden Zinsen und nachlassender wirtschaftlicher Dynamik gekennzeichnet ist, stellt der Asset Manager Bantleon im Rahmen einer Beitragsreihe alternative Aktienstrategien und Wertsicherungsstrategien für institutionelle Anleger vor. Wie funktionieren die Strategien, wie haben sie sich in einem vergleichbaren Umfeld geschlagen, warum sind sie gerade jetzt zu empfehlen? Der abschließende Teil 4 der Reihe beschäftigt sich mit der Kombination verschiedener Wertsicherungsstrategien.

Die Volatilität an den Aktienmärkten dürfte in den nächsten Jahren hoch bleiben. Dafür sprechen unter anderem die hohe Inflation, übergeordnet steigende Zinsen und geopolitische Spannungen. Auch wer langfristig in Aktien investiert, dürfte bei extremen Schwankungen vor die Entscheidung gestellt werden, ob er sein Engagement beibehält oder auflöst. Hier können sowohl das vorhandene Risikokapital als auch Behavioral-Finance-Aspekte eine Rolle spielen. Deshalb ist es erforderlich, sein Aktienengagement sowohl technisch als auch emotional an das jeweilige Risiko-Ertrags-Profil anzupassen. Dies geht entweder über die absolute Höhe des Engagements oder über Wertsicherungsstrategien, welche die erwarteten höheren Schwankungen glätten können. Die verschiedenen Wertsicherungsstrategien eignen sich wegen ihrer unterschiedlichen Eigenschaften jedoch einzeln verwendet nicht für jedes Finanzmarktumfeld. Oft hilft eine Kombination dieser Strategien dabei, einen Mehrwert gegenüber einem nicht wertgesicherten Benchmark-Portfolio zu erzielen.

Taktische Allokation, dynamische Wertsicherung und Optionsstrategien
Wenn das Timing stimmt, ist die taktische Allokation die günstigste Wertsicherung: Man verkauft, bevor die Kurse fallen und kauft, bevor sie steigen. Stimmt das Timing hingegen nicht, kann es schnell kostspielig werden. Verluste werden realisiert und an den folgenden Kursanstiegen partizipiert man nicht. Ähnlich verhält es sich mit der dynamischen Wertsicherung: Bewegen sich die Kurse mit wenig Volatilität in eine Richtung und Wendepunkte vollziehen sich nicht abrupt, sind die Absicherungskosten relativ gering. Korrekturen wie im März 2020 während der Corona-Krise können hingegen teuer werden. Während der weltweite Aktienmarkt das Gesamtjahr noch mit einem positiven Ergebnis abschloss, erzielten die meisten dynamischen Wertsicherungsstrategien negative Ergebnisse. Die Kosten der taktischen Allokation und der dynamischen Wertsicherung werden häufig nicht als solche wahrgenommen, da sie sich erst im Nachhinein in Form von Opportunitätskosten zeigen: als die Differenz zwischen Benchmark- und Portfolio-Performance.

Im Gegensatz hierzu stehen Optionsstrategien, die klare Auszahlungsprofile zu vorher bekannten Kosten bieten. Eine Verkaufsoption zahlt die Differenz zwischen Absicherungs- und aktuellem Kursniveau aus – unabhängig vom Weg der Kurse im Absicherungszeitraum. Genauso verhält es sich mit Kaufoptionen. Ihr Nachteil besteht in den vorab zu zahlenden Prämien, die von den künftig erwarteten Schwankungen des Zielmarktes abhängen. In Krisenzeiten sind sie hoch und in ruhigen Phasen niedrig. Hier gilt es, vorausschauend zu handeln oder die Versicherung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. So lassen sich die Kosten erheblich reduzieren.

Durch die Kombination von taktischer Allokation, Optionsstrategien und dynamischer Wertsicherung konnte im Jahr 2020 eine Cash-Lock-Situation verhindert werden.

Diversifikation über verschiedene Wertsicherungsstrategien
Der Schlüssel zur Optimierung der Kosten einer Wertsicherung und zur Vermeidung nachteiliger Performanceentwicklungen liegt in der Kombination verschiedener Wertsicherungsstrategien. Das wird am Beispiel der im Idealfall günstigsten Strategie, der taktischen Allokation, deutlich. Die zwei bei ihr nachteiligen Szenarien – man verkauft und die Kurse steigen weiter oder man bleibt investiert und die Kurse sinken – lassen sich umgehen: Beide Szenarien können sowohl von einer Optionsstrategie als auch von einer dynamischen Wertsicherung ausgeglichen werden.
Setzt man sich beispielsweise eine Wertuntergrenze von 20 Prozent für das Kalenderjahr, könnte es sinnvoll sein, das Risikobudget auf diese beiden Strategien aufzuteilen. Die Optionsstrategie ermöglicht, dass ein Teil des Portfolios immer im Aktienmarkt investiert bleiben kann, da das Verlustrisiko durch eine Verkaufsoption begrenzt wird. Das restliche Risikobudget wird für eine dynamische Wertsicherung verwendet. Sie greift, wenn die taktische Allokation zur Investition im Aktienmarkt tendiert, dieser aber fällt. Der Vorteil besteht darin, dass die dynamische Wertsicherung nicht eingreift, solange die taktische Allokation richtig liegt. Somit entstehen keine Kosten und das Risikobudget wird nicht angerührt.
Sollte der Aktienmarkt jedoch wie im Frühjahr 2020 sehr schnell fallen und im Anschluss sofort wieder steigen, verhindert die Optionsstrategie eine Cash-Lock-Situation, bei der kein Risikokapital mehr für den Wiedereinstieg zur Verfügung steht. Unterjährig griff damals die Wertsicherung unterhalb des Absicherungsniveaus, aber oberhalb des Absicherungsniveaus blieb man investiert. Zum Jahresende konnte man somit von den gestiegenen Kursen – abzüglich der Optionsprämie – profitieren. Je nach Ausgestaltung und Gewichtung der einzelnen Wertsicherungsstrategien war es somit möglich, auch im schwierigen Finanzmarktjahr 2020 einen leicht positiven Ertrag zu erzielen.

Dass eine solche Kombination von Wertsicherungsstrategien auch langfristig funktionieren kann, zeigt sich am Beispiel eines globalen wertgesicherten Aktienportfolios: Seit April 2008 bis Juli 2022 lieferte es die Erträge des weltweiten Aktienmarktes mit nur zwei Dritteln dessen Volatilität und einer Reduzierung des größten Kursrückgangs um 66 Prozent. Den maximalen Verlust begrenzte die Strategie dabei auf knapp 15 Prozent, während der weltweite Aktienmarkt in dem Zeitraum um bis zu 45 Prozent nachgab. Auch das Jahr 2020 überstand diese Strategie erfolgreich und übertraf den positiven globalen Aktienmarkt am Jahresende sogar leicht.

Hans Jörg Niederreuther ist Senior Portfolio Manager bei Bantleon. Der institutionelle Asset Manager mit Standorten in Deutschland und der Schweiz verwaltet mit 46 Mitarbeitern ein Vermögen von mehr als fünf Milliarden Euro. Zu den Investoren der Publikums- und Spezialfonds zählen vor allem Banken, Versicherungen, Industrieunternehmen und Unternehmen der Altersvorsorge sowie auch sicherheitsbewusste Privatanleger. www.bantleon.com

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