Life Settlements: Liquid Alternatives mit Impact

Der amerikanische Volkswirt Paul A. Samuelson kannte zwar Liquid Alternatives noch nicht, wohl aber deren Prinzip: „Solange es nur eine einzige bergreiche Eisenbahnstrecke gäbe“, so Samuelson, „würde es sich bei einem Zinssatz von null lohnen, sie einzuebnen. Warum? Weil nach einer genügenden Anzahl von Jahren die Brennstoffersparnisse die damit verbundenen Kosten aufgewogen hätten“. Zu Samuelsons Zeiten – die 1950er und 1960er Jahre – war ein Zinssatz von null noch undenkbar. Heute ist er Realität. Und genau dort liegt die Geburtsstunde von Liquid Alternatives.

Unter diesem Begriff können sich vielfältigen Strategien verbergen, darunter regulierte Hedgefonds. Als Renditeobjekte können dabei zunächst die herkömmlichen Anlageformen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, Infrastruktur oder Geldmarktinstrumente erschlossen werden. Mit dem Einsatz von Derivaten und anderen Leverage-Produkten wird deren Flexibilität deutlich gesteigert. Das Problem dabei: Viele der als Liquid Alternatives angebotenen Strategien weisen dennoch eine hohe Korrelation zu klassischen Anlagekategorien, vor allem zu Aktien auf.

Echte (unkorrelierte) Liquid Alternatives

Um dieser Korrelationsfalle zu entkommen, ist es sinnvoll, sich auf jene Liquid Alternatives zu verlegen, die sich nicht an Aktienkursentwicklungen orientieren. Darunter sind jene Assetklassen zu verstehen, die anders als Aktien oder Anleihen nicht an Börsen gehandelt werden und andere Preistreiber als Börsenkurse haben und damit immer auch eine zumindest konzeptionelle Nicht-Korrelation mit diesen Titeln aufweisen.

Dazu gehört der US-Life-Settlement-Markt. Die menschliche Lebenserwartung ist hier der alternative Performancetreiber. Die Rendite ist also kaum abhängig von makroökonomischen Einflüssen. Sie unterliegt keinen komplexen Algorithmen, sondern basiert auf der Sterblichkeit von versicherten Personen. Im Gegensatz zu Private-Equity-Anlagen, welche eine ähnliche Renditeerwartung bei vergleichbarer Investitionsdauer aufweisen, muss die Performance der Investition nicht zwingend durch einen Verkauf der Anlagen erzielt werden. Bei Life Settlements besteht neben dem Verkauf der Policen im Tertiärmarkt immer die Möglichkeit, die Policen bis zum Ableben des Versicherten zu halten und die erwartete Rendite zu realisieren. In dieser Hinsicht handelt es sich um ein „self-liquidating asset“. Das stabile Angebot von Life Settlements im Zweitmarkt führt dazu, dass davon ausgegangen werden kann, dass die erwarteten Renditen auch in Zukunft knapp zweistellig sein werden.

Gerade hier – in der Nichtkorrelation und in der wachsenden Liquidität – liegt der Vorteil von Life Settlements. Die Idee ist konzeptionell einfach; komplexer gestalten sich da schon die Berechnungen der Restlebenserwartung. Auf diesem Gebiet hat sich jedoch gerade in den letzten Jahren viel getan. Viele Ankaufs- und Bewertungsprozesse wurden unter anderem durch Einsatz von Technologie vereinfacht und kommen seitdem besser zur Anwendung. Durch die Digitalisierung hat sich die Transparenz verbessert und die Bedeutung von Intermediären auf dem Zweitmarkt ging zurück, was sich ebenfalls positiv auf der Kostenseite auswirkt.

Der Impact liegt in der Stärkung der Altersvorsorge

Der Ursprung des Zweitmarktes für US-Lebensversicherungen basiert auf einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 1911, in dem Lebensversicherungspolicen als Vermögenswerte definiert werden, die nach dem Ermessen der Eigentümer an Dritte verkauft werden können. In den 1990er-Jahren entwickelte sich daraus ein Zweitmarkt. In dieser Zeit wurden auch die ersten Finanzprodukte entwickelt, die diesen Markt für Investoren zugänglich machten. Ein Handel mit Lebensversicherungsverträgen in den USA entsteht, wenn Versicherungsnehmer aufgrund von veränderten Lebensumständen oder Geldbedarf den Versicherungsvertrag vorzeitig beenden möchten. Der größte Teil der in den USA gehandelten Versicherungspolicen sind Risikolebensversicherungen ohne Sparanteil. Bei einer vorzeitigen Rückgabe des Vertrages an die Versicherungsgesellschaft fällt der Rückkaufswert dementsprechend gering aus. Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen bietet Versicherungsnehmern die Möglichkeit, einen ungleich höheren Preis zu erzielen als den, den die Versicherung als Rückkaufswert anbietet.

Die Nachfrage nach nachhaltigem, verantwortungsvollem und wirkungsorientiertem Investieren („SRI“) nimmt weiter zu. Immer mehr Anleger wollen mit ihren Finanzentscheidungen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Die bestehende Investitionslandschaft konzentriert sich dabei in erster Linie auf Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Themen, die ins öffentliche Bewusstsein gerückt sind. Life Settlements können dabei klar in die Kategorie Soziale Investments eingeordnet werden.

Senioren in den USA sind besonders von Altersarmut gefährdet

Senioren in den USA sind mit drei tückischen sozialen Problemen konfrontiert: erstens fehlende Mittel zur Finanzierung des Ruhestandes, zweitens der steigende finanzielle Bedarf an langfristiger Gesundheitsversorgung und drittens der unwissentliche Verfall von Milliarden von US-Dollar an Vermögenswerten in Form von abgelaufenen oder gekündigten Lebensversicherungspolicen. Life Settlements können somit als eine Form von SRI-Investitionen gesehen werden, da die Existenz eines Life-Settlements-Marktes Senioren eine potenzielle Lösung für alle drei dieser Probleme bieten kann. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und dem NORC Center for Public Affairs Research zufolge haben zwei Drittel der Amerikaner Schwierigkeiten, eine unerwartete Ausgabe von 1.000 Dollar (rund 890 Euro) zu meistern. Im Austausch für eine Lebensversicherungspolice, die eine ältere Person vielleicht nicht mehr will oder braucht, kann der sofortige Geldbetrag aus einer Life-Settlement-Transaktion verwendet werden, um einen komfortablen Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten oder laufende medizinische Leistungen zu erhalten. Aus diesem Grund könnten Investitionen in den Markt für Life Settlements einen bedeutenden, positiven Einfluss auf das soziale Wohlergehen der älteren Bevölkerung in den Vereinigten Staaten haben.

Fazit: Ein Life Settlement ermöglicht es Versicherten, den in ihrer Lebensversicherungspolice enthaltenen Wert durch den Verkauf an Investoren auf dem Sekundärmarkt zu erzielen. Die Erlöse aus Life Settlements werden dazu verwendet, um das Leben älterer Menschen zu verbessern. Daher ist eine Investition in Life Settlements eine Investition in das physische und finanzielle Wohlergehen älterer Menschen in den Vereinigten Staaten. Investoren finden in US-Life Settlements eine Anlage, die alle Voraussetzung eines Liquid Alternatives erfüllt, nicht mit Aktienkursen korreliert und einen hohen sozialen Impact erzielt.

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Max Mustermann

Dr. Rainer N. Grünig ist CEO der Plenum Investments AG (Zürich), einem unabhängigen, auf Versicherungsrisiken spezialisierten Investment Manager für institutionelle und professionelle Kunden. Die Kernkompetenz liegt im Management von Naturkatastrophen-, Langlebigkeitsrisiken und regulatorischem Versicherungskapital. Der Anlageschwerpunkt liegt auf transparenten und nachhaltigen Anlagelösungen.

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