„KISS – Keep It Sustainable, Stupid…”
Mittelstand und Mittelschicht brauchen nachhaltige Politik!

…wenn jemand in 20 Jahren fragt, warum wir damals unseren Wohlstand verspielt haben? Wir immer noch Kohle verfeuert haben? Wir zugesehen haben, wie unsere europäische Währung und unsere deutsche Wirtschaft immer mehr an Bedeutung verloren haben? Dann müssen wir zugeben, wir waren damit beschäftigt Winnetou, Dreadlocks und Ballermann-Hits zu verbieten, tanzende Präsidentinnen zu verurteilen und Gender-Sternchen einzuführen…

Zunächst erstmal zwei gute Botschaften: Die Welt wird nicht untergehen und die Menschheit wird auch nicht untergehen!!!
Klimaschutz hat die höchste globale Aufmerksamkeit, insbesondere bei der jüngeren Generation. Klimaschutz ist vielen sogar wichtiger als die Familie. Dennoch kann sich eine Gesellschaft nur nachhaltig entwickeln ohne zu entfremden, wenn die Geburtenrate über zwei Kindern liegt. Insofern verdient die Familie volle Aufmerksamkeit (und nicht nur wegen der Erfahrung der Autoren mit insgesamt neun Kindern).
Zurück zum Klimaschutz: Die 17 UN Sustainable Development Goals (SDGs) verlangen eine Beachtung bei allem politischen Handeln. Ganz besonders das 13. Ziel: Die Maßnahmen zum Klimaschutz. Die CO2-freie Energie muss gefördert werden. Dazu gehören Sonnen- und Windenergie (5,5 Prozent im deutschen Primär-Energiemix), Energie aus Biomasse (7,2 Prozent), aber auch Energie aus Atomkraft (5,9 Prozent). Der jüngste Beschluss aus Brüssel ermöglicht ein Überdenken unserer deutschen Atomkraft-Politik. Die Strompreise in Deutschland sind mit über 32 Cent pro Kilowattstunde die höchsten in Europa und in der Welt. Warum kostet der Strom in anderen europäischen Ländern teilweise nur die Hälfte oder noch viel weniger? Die Einführung der E-Mobilität auf den Straßen und das vermehrte Heizen mit Wärmepumpen in unseren Häusern wird den Strombedarf nochmal massiv ansteigen lassen
Wenn wir von einer Zeitenwende sprechen, müssen wir umdenken. Momentan sind 437 Atomkraftwerke (AKWs) weltweit in Betrieb, weitere 55 werden gebaut und 445 AKWs sind weltweit in der Planung. Deutschland ist das einzige Land, das komplett aus der Atomkraft aussteigt. Liegen alle anderen Länder in ihrer Energiepolitik falsch oder sind wir Deutschen die „Geisterfahrer“? Zumindest ist es nicht nachhaltig, wenn wir statt auf AKWs bei Stromengpässen auf die verstärkte Nutzung von Kohlekraftwerken setzen. Waren die nicht mit ihrer CO2-Emission besonders klimaschädlich? Nachhaltig ist anders.


Es gibt viele neue Entwicklungen in der Reaktortechnologie der vierten Generation. Wir als Land der Erfinder und Ingenieure sollten nachhaltig unseren Beitrag für die Welt leisten und dazu gehört nachhaltige Förderung von Wissenschaft und Wirtschaft: Wie können wir die Forschung zum Dual-Fluid-Reaktor, zum Laufwellen-Reaktor (TWR) oder kleinen modularen Reaktoren (SMR) ausbauen? Aber auch die Kernfusion-Technologie bietet neue hoffnungsvolle Ansätze, die wir weiter erforschen sollten. Schließlich müssen wir auch unsere Forschung in negative Emissionen (Greenhouse Gas Removal) beziehungsweise unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage) intensivieren sowie die Entwicklung von kostengünstigen, energiesparenden und effizienten Verfahren der Meerwasserentsalzung vorantreiben.
Nachhaltig muss unsere Politik nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Bildung werden. Die deutschen Bildungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen weiterhin unter dem OECD-Durchschnitt. Für ein so großes Industrieland wie Deutschland ist das geradezu beschämend. Bildungsausgaben sind nachhaltige Investitionen in die Zukunft eines ressourcen-armen Landes.
Statt ideologische Entscheidungen müssen wir wieder mehr Vernunftentscheidungen treffen und das betrifft insbesondere das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Momentan stehen wir am Abgrund einer De-Industrialisierung. Die tragende Säule der deutschen Wirtschaft, „Der deutsche Mittelstand“, wird gezwungen Standortentscheidungen weg von Deutschland zu treffen. Die Auswirkungen auf unseren deutschen Arbeitsmarkt werden katastrophal sein. Unverständlicherweise wird der Mittelstand im dritten Entlastungspaket nicht berücksichtigt. Tatsächlich trifft ihn die Belastung umso stärker. Insofern sollten den aktuellen Ankündigungen, auch den Mittelstand zu entlasten, eiligst Taten folgen.
Die tragende Säule einer Demokratie, „Die Mittelschicht“, wird mit den immer neuen Belastungen einen Wohlstandsverlust hinnehmen müssen oder auch daraus ihre Konsequenzen ziehen. Die Auswanderung unserer Fachkräfte (Brain Drain) würde dem Industriestandort Deutschland schaden. Von der Abschaffung der kalten Progression wird seit Jahren gesprochen. Pläne dazu werden auch derzeit diskutiert. Es ist endlich an der Zeit zu handeln. Wir müssen alles tun, um den Mittelstand zu fördern und der Mittelschicht eine Perspektive in Deutschland zu geben. Das ist nachhaltig.

Michael S. Duesberg ist Partner der Münchener Sozietät taskforce – Management on Demand GmbH und Mitglied des Advisory Boards von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York)
Dr. Ulrich Schürenkrämer ist Managing Director der Münchener Impact-Investment-Gesellschaft Machlaan GmbH, Mitglied des Advisory Board von SIMA Social Investment Managers & Advisors LLC (New York)

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