Investitionen in Schwellenländern

Bild von Sammy Suzuki, Autor des Beitrags.

Viele Gründe sprechen für Investitionen in Schwellenländern. Für Anleger ist es heute wichtiger denn je, auch die Schwellenländer im Blick zu behalten, politischer Krisen und globaler Risiken zum Trotz, meint Sammy Suzuki, Head of Emerging Markets Equity bei AllianceBernstein (AB). Welche Regionen für ihn besonders reizvoll sind und was bei einem Investment entscheidend ist, lesen Sie im folgenden Marktausblick.

Nach einem Jahrzehnt der Underperformance gegenüber den entwickelten Märkten, ist ein Blick auf die Schwellenländer schon aus Allokations-Sicht ein Muss. Immerhin machen Schwellenländer mittlerweile mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung sowie 40 Prozent des derzeitigen Welt-BIP aus und stehen für mehr als 60 Prozent des künftigen globalen Wachstums. In China zum Beispiel ist weiterhin eine zwar langsame, aber stetige Erholung der Wirtschaft zu beobachten. Trotz der aktuell mäßigen Stimmung gibt es für aktive Manager, die die Erfolge der staatlichen Stimulierung identifizieren und nutzen, attraktive Investitionschancen.
Die taiwanesischen Aktienmärkte konnten bereits in diesem Jahr kräftig vom Hype um Künstliche Intelligenz profitieren. Darüber hinaus sind zyklische Erholungen etwa bei PCs, Smartphones und Speichermedien zu beobachten – und für südkoreanische und taiwanesische Technologieunternehmen besteht die Möglichkeit, von der aktuellen Geopolitik zu profitieren. So dürfte das verschärfte US-Exportverbot für Technologie die Halbleiterentwicklung in China kurzfristig deutlich ausbremsen. Die Möglichkeit, dass China die Technologieführerschaft in einzelnen Segmenten der Chipherstellung übernimmt, dürfte damit erstmal vom Tisch sein. Ein weiteres Risiko für China ist die zunehmende Diversifizierung der Lieferketten. Das würde taiwanesischen und südkoreanischen Anbietern, die ihre Kapazitäten im Inland und in den ASEAN-Ländern sukzessive ausgebaut haben, zugutekommen.

Verlagerung von Lieferketten schafft regionale Chancen

Die ASEAN-Länder sind nach wie vor ein Lichtblick innerhalb der Schwellenländer, gerade wenn es um Wachstumsaussichten geht – auch wenn einige Märkte mit potenziell makroökonomischen Gefahren wie beispielsweise Währungsrisiken zu kämpfen haben. Zusammen mit Indien und Mexiko sind diese Volkswirtschaften die wahrscheinlichsten Nutznießer der Verlagerung von Lieferketten.
Die positiven Folgen werden die lokalen Volkswirtschaften beflügeln, das Einkommensniveau anheben und das strukturelle Wachstum fördern, das Anleger bei Schwellenländerinvestitionen suchen. Auch Brasilien, als größter lateinamerikanischer Markt, bietet lukrative ChancenMexiko steht unterdessen am Rande eines potenziellen Investitionszyklus, da der Nearshoring-Trend die Investitionen im Land beschleunigen wird.

Geringeres Wirtschaftswachstumsgefälle zu den Industrieländern

Das zeigt sich auch am Portfolio von AllianceBernstein: Aus Länderperspektive ist das Portfolio in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in den in Industrieländern ansässigen Unternehmen mit starker Präsenz in den Schwellenländern übergewichtet, primär weil dort Unternehmen zu finden sind, die sowohl reich an immateriellen Werten sind als auch einen nachhaltigen Cashflow aufweisen können. Die größten Untergewichtungen bestehen in Indien, Saudi-Arabien und Südafrika..
Bei der Risikobetrachtung sind zwar auch länderspezifische Themen wichtig, die größten Risiken werden jedoch von der US-Notenbank und den US-Präsidentschaftswahlen ausgehen. Niedrigere US-Zinsen dürften zu einem weniger starken US-Dollar führen, was für die Schwellenländer oft positiv ist. Zwar haben wir dafür bestimmte Beteiligungen angepasst, die breitere Sektorpositionierung bleibt jedoch ähnlich: Mit einer Übergewichtung defensiverer Sektoren wie Kommunikationsdienste und Versorger sowie attraktiver, aber zyklischer Bereiche wie Technologie und Immobilien.

Unternehmen mit hoher Krisenresilienz führen die Liste an

In den kommenden Monaten sollte der Fokus auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Qualität, Stabilität und angemessenen Bewertungen im Portfolio liegen. Da sich die Weltwirtschaft weiter in Richtung einer wissensbasierten Wirtschaft entwickelt, werden Unternehmen mit sowie einem starken Markenkern weiterhin eine gute Performance aufweisen können. Es lohnt sich, bei Investitionsentscheidungen den Schwerpunkt auf Unternehmen zu setzen, die gegenüber Konjunkturschwankungen widerstandsfähig sind und gleichzeitig über robuste Geschäftsmodelle verfügen, die ihnen tragfähige Gewinnspannen ermöglichen.
Damit lässt sich nicht nur sicherstellen, dass Unternehmen, in die Anleger investieren, auf lange Sicht erfolgreich sind, sondern sie können so auch ein makroresistentes Portfolio aufbauen – unabhängig davon, wie sich eine Pandemie entwickelt oder welche geopolitischen oder makroökonomischen Risiken auftauchen.

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