Institutionelle Investoren und Impact Investing Teil 4 – Family Offices

Family Offices sind eine verschwiegene und heterogene Investorengruppe. Schätzungen gehen davon aus, dass es um die 500 relevante Single Family Offices und etwa 125 Multi Family Offices in Deutschland gibt, Um die 650 Milliarden Euro werden von ihnen verwaltet. Aufgrund der Verschwiegenheit gibt es nur wenige Informationen, wie sie zu nachhaltigem Investieren oder gar Impact Investing stehen. Allerdings darf unterstellt werden, dass Impact Investing für Family Offices sinnvoll und attraktiv ist. Eine Einordnung von Dr. Lukas Adams, Leiter Vermögensmanagement der GLS Bank eG.

Rechtsstellung
Die meisten Family Offices sind nicht oder kaum reguliert und tauchen in unterschiedlichen Strukturen auf. Viele besitzen die Lizenz zur Portfolioverwaltung, welche mit organisatorischen Pflichten, aber keiner Begrenzung der Asset Allokation einhergeht. Dieser Umstand erlaubt ihnen eine hohe Freiheit in ihrem Investitionsverhalten. In der Asset Allokation spielen zudem steuerrechtliche Themen eine bedeutende Rolle.

Motivation/Potenzial für Impact Investing
Bei neun von zehn Family Offices ist Werterhalt gemäß der Studie „Family Offices und Private Equity & Venture Capital“ eines der wichtigsten Auswahlkriterien bei der Kapitalanlage. Laufende Exit-Möglichkeiten sind dagegen weniger im Fokus. Darüber hinaus zeichnen sich viele Familien durch ein ethisches Werteverständnis aus, das mit dem traditionellen Impact Investing-Gedanken kompatibel ist. Vor allem die jüngere Generation stellt sich vermehrt die Sinn-Frage. Hinzu kommt, dass für Family Offices kein Druck besteht, häufig risikoreicheren Positionen mit Eigenkapital zu unterlegen. Sie können somit unternehmerischer entscheiden. Aufgrund dieses Umstandes sowie ihrer meist langen Anlagehorizonte sind Impact-Investing-Möglichkeiten wie Private Equity oder Immobilienallokationen, die vor allem im alternativen Investment-Bereich beheimatet sind, für Family Offices prädestiniert.

Relevanz/Marktdurchdringung Impact Investing
Es gibt wenige belastbare Daten über die Relevanz von Impact Investing bei Family Offices. In der Marktstudie 2020 des Global Impact Investing Network (GIIN) lag der Anteil von FOs bei lediglich vier Prozent. Der Global Family Office Report von UBS berichtet, dass etwas mehr als die Hälfte der FOs nachhaltige Investmentansätze aufweisen, wobei Ausschlusskriterien unverändert der dominierende Ansatz sind. Hürden sind fehlende Standardisierung sowie Fragen zur Performancemessung. Es ist aber zu vermuten, dass viele FOs Impact Investments im Portfolio haben, ohne sie selbst so zu deklarieren.
In nachhaltigen beziehungsweise Impact-Verbänden in Deutschland, zum Beispiel dem Forum Nachhaltige Geldanlagen oder der Bundesinitiative Impact Investing, spielen FOs als Investorengruppe nur eine Nebenrolle. International hat sich dagegen mit TONIIC ein spannendes Netzwerk gebildet. 500 High-Net-Worth Individuals, Family Offices und Stiftungen engagieren sich, um Impact Investing voranzutreiben. In informellen Runden tauschen sie sich zu aktuellen Impact-Themen aus.

Asset Allokation
Die Asset Allokation hat ihren Ursprung häufig im persönlichen Hintergrund der Familie: Haben Familien beispielsweise ihr Vermögen mit Immobilien gemacht, finden sich diese auch prominent im Portfolio wieder. Diese Assetklasse symbolisiert am stärksten den Gedanken des Werterhalts, zudem sind Immobilien steuerlich attraktiv. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent des Portfolios darin investiert ist. Demgegenüber haben Unternehmerfamilien aufgrund ihrer Herkunft eine Affinität zu unternehmerischen Beteiligungen wie Private Equity. Dieser Anteil nimmt nicht selten einen zweistelligen Anteil im Portfolio ein. Natürlich dürfen auch Aktien und Anleihen nicht fehlen, die aufgrund ihrer Verfügbarkeit und der Ausschüttungen interessant sind. Manche FOs investieren zudem vereinzelt in exotische Anlageformen wie Kunst oder Luxus-Liegenschaften.

Ökonomische sowie regulatorische Potenziale und Grenzen
Aufgrund der geringen regulatorischen Vorgaben können Family Offices in alle Formen des Impact Investing investieren und das ökonomische sowie Impact-Potenzial ausschöpfen. Dabei unterliegen sie den normalen ökonomischen Grenzen der jeweiligen Assetklasse. Aufsichtsrechtliche Vorgaben, wie sie Banken oder Versicherungen kennen, gibt es nicht, beziehungsweise nur in geringem Umfang.

Fazit
Family Offices sind für Impact Investments im klassischen Sinne prädestiniert. Aufgrund ihrer hohen Freiheit können sie unternehmerisch die ökonomischen wie sozial-ökologischen Chancen ergreifen. Wer mehr erfahren will, kann sich an den Arbeitskreis Impact-Investing bei der Bundesinitiative Impact Investing oder das TONIIC-Netzwerk wenden. Unabhängige Studien über das Impact Investing von Family Offices sind für den deutschsprachigen Raum bisher nicht verfügbar.

Dr. Lukas Adams ist Leiter Vermögensmanagement der GLS Bank eG und berät in dieser Funktion institutionelle Kunden im Bereich sozial-ökologischer Kapitalanlagen.
Zuvor leitete er die Abteilung Business Development und Marketing bei der Asset-Management-Tochter einer Düsseldorfer Privatbank und betreute für einen führenden Schweizer Private Equity und Real Estate Private Equity Placement Agent Investoren in Norwegen, Schweden, Portugal, Spanien und Deutschland.
Adams hat an der Universität Würzburg sowie am Davidson College in North Carolina Politische Wissenschaften, Wirtschaftsgeographie und Soziologie studiert und wurde an der ETH Zürich promoviert.
www.gls.de

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