Impact Investing erobert die Finanzwelt

Viele gute Ideen fangen klein an und erobern langsam, dann aber immer schneller ihre Welt, bis sie etwas Selbstverständliches werden. Die Idee des Impact Investing entwickelt sich in genau diese Richtung, gemäß der Weisheit, dass nichts so stark ist wie ein Gedanke, dessen Zeit gekommen ist. Die Stärke und Dynamik des Impact Investing liegt in der Einfachheit des Ansatzes: nicht nur Schäden für die Welt, in der wir leben, zu vermeiden, sondern so zu investieren, dass positive Impulse davon ausgehen.

Dieser Ansatz wurde 2007 auf einer Veranstaltung der Rockefeller Foundation geprägt und von Politikern, bekannten Persönlichkeiten und Stiftungen aufgegriffen. Die Resonanz rührte aus der allmählichen, dann aber immer deutlicher werdenden Erkenntnis, dass ein Beitrag zur Schaffung einer besseren Welt nicht nur ein edles Ziel, sondern eine wichtige Notwendigkeit ist.

Ein Resultat dieser Erkenntnis ist das Volumen, das als Impact Investment verwaltet wird:

2020 waren es über 500 Millarden US-Dollar, doppelt so viel wie im Jahr zuvor! Die Dynamik wird sichtbar! Doch trotz des beeindruckenden Volumens steht Impact Investing noch ganz am Anfang einer Entwicklung: Die große Zahl von 500 Millarden US-Dollar des weltweit verwalteten Vermögens beläuft sich auf rund ein Prozent der angelegten Gelder. Doch der Gedanke ist in der Welt und nichts deutet darauf hin, dass er schwächer wird. Im Gegenteil: Der wachsende gesellschaftliche Druck, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen und aktiv für eine bessere Umwelt, bessere Lebensbedingungen und bessere ethische Standards einzutreten, ist ein starker Antrieb für dieses Investment-Konzept.

Die Umsetzung des Konzepts erfolgt in drei Schritten:

Es muss die Zielsetzung definiert, also eine Absicht formuliert, dann der konkrete Beitrag zu Erreichung dieses Ziels erfasst und schließlich die Messbarkeit der Zielerreichung gesichert werden. Auf diese Weise sollen „positive soziale und/oder ökologische Wirkungen möglichst direkt, intendiert und nachweisbar sein.“

Die Zielsetzung und ihre Messbarkeit sind wichtig, damit Investoren klare Vorgaben formulieren können, um als Grundlage der Investitionsentscheidung zu dienen. Die Bandbreite der Investitionsmöglichkeiten ist groß, da grundsätzlich alle Formen der Kapitalmärkte in Frage kommen: liquide wie illiquide, Public wie auch Private Markets. Entscheidend ist, ob das oder die Impact-Ziele mit dem Investment realisiert werden können. Zudem muss die Abwägung zwischen den finanziellen und Impact-Zielen getroffen werden: Von den Impact Investoren achten rund 75 Prozent auf die Rendite, 25 Prozent sind bereit auf einen Teil der Rendite zu verzichten, wenn dafür die Impact-Ziele besser erreicht werden.

Ungeachtet dieser Aufgaben wächst der Markt für Impact Investing und der europäische Markt hat die Vorreiterrolle übernommen: Der gesellschaftliche Druck (Friday for Future) wie auch die politischen Rahmenbedingungen (EU: Taxonomie, Offenlegungs-Verordnung; BaFin: Merkblatt) zwingen niemanden, schärfen aber erfolgreich das Bewusstsein für die Verantwortung, die Investoren tragen.

Dabei gilt die primäre Verantwortung nach wie vor der Rendite: In einer Umfrage des Jahres 2020 gaben 67 Prozent der Investoren an, zunächst auf die Rendite zu achten, 15 Prozent gaben sich mit unterdurchschnittlichen Renditen zufrieden, um dafür Impact-Ziele zu erreichen.  Zu diesen Investoren zählten vor allem Family Offices und Stiftungen.

Doch die institutionellen Investoren entdecken das Impact Investing ebenfalls für sich:

zunehmend erwarten die Versicherten und Beitragszahler von ihren Pensionskassen und Versorgungswerken die Beachtung sozialer und ökologischer Ziele und auch die Unternehmen, in die von Institutionellen investiert wird, wenden sich Impact-Zielen zu. Laut Deutschem Start-up Monitor 2020 sehen sich insgesamt über 80 Prozent der jungen Unternehmen als Teil der „Green Economy“ oder in einer besonderen Verantwortung als „Social Entrepreneur“.

Entsprechend wird die Kenntnis von Nachhaltigkeit und Impact Investing auch zunehmend als Teil der Ausbildung von Finanz-Fachleuten angesehen: Ca. 20 Prozent der Investoren und Intermediäre sehen das als Teil der Ausbildung ihres Personals an.

Impact Investing wird daher ein zunehmend wichtiger Teil des Kapitalmarktes, auch in Deutschland wie die Bundesinitiative Impact Investing in ihrer Marktstudie 2020 herausgefunden hat. Schaut man sich die jüngsten Zahlen vom Forum Nachhaltige Geldanlagen zu grünen Fonds an, so stellt man fest, dass bereits 65 Fonds ein FNG-Siegel mit drei Sternen tragen.

Ein Treiber der Entwicklung ist die Politik: Die EU hat das Ziel gesetzt, bis 2030 die Treibhausemissionen um mindestens 40 Prozent zu senken und über 30 Prozent des Energieverbrauchs zu reduzieren sowie den Anteil der Erneuerbaren Energien auf über 30 Prozent zu steigern.

Die Regulierung zeigt sich hier als ein zusätzlicher Treiber hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und zur Beachtung von Impact-Zielen. Kapital soll nachhaltiger investiert, Nachhaltigkeit im Risikomanagement stärker berücksichtigt werden und die Transparenz und Langfristigkeit von Investments stärker beachtet werden.

Die „Sustainable Finance Disclosure Regulation” (SFDR/OffenlegungsV) schafft den Rahmen, der für jeden Investor verbindlich sein wird:

nach Artikel 8 (Light Green) die Offenlegung von Informationen zur Erfüllung ökologischer und sozialer Merkmale auf den Webseiten einschließlich der Quellen, aus denen Daten bezogen werden. Artikel 9 (Dark Green) ist noch strenger und verlangt genaue Erläuterungen, wie das Nachhaltigkeitsziel erreicht werden soll sowie eine Beschreibung der gesamten nachhaltigen Wirkung des Investments. Es muss nachgewiesen werden, dass ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung mindestens eines Umweltziels geleistet wird und keine anderen Ziele verletzt werden.

Was im ersten Moment aufwändig und schwierig klingt, ist in weiten Bereichen der Finanzindustrie bereits täglich Normalität:

Vor allem die Institutionellen Investoren achten in ihren Due Diligence-Prüfungen auf gesellschaftliche und Umwelt-Wirkungen von Investments. Bei Infrastruktur und Immobilien, Bereiche, die von Institutionellen stark beachtet werden, gehört die Prüfung der Umweltverträglichkeit (Erneuerbare Energien) und der sozialen Wirkung (bezahlbares und/oder altersgerechtes Wohnen etc.) schon zum Standard.

Die Beachtung dieser Aspekte ist auch für das Risikomanagement wichtig: Investments mit einem Impact-Fokus haben ein geringeres Risiko als Investments, die diese Punkte nicht beachten:

Natürlich muss auch bei günstigen Risikoeinschätzungen die Rendite der Impact-Investments stimmen: Fast 80 Prozent der Investoren stellen fest, dass ihre Rendite-Erwartungen aus Impact-Investments erfüllt wurden, davon sagten drei Prozent, sie seien sogar übertroffen worden.

Impact Investing ist offensichtlich dabei, sich aus der Nische zu lösen, in der es sich bisher entwickelt hat. Es kommen zwei starke Treiber zusammen:

  • der gesellschaftliche und politische Wille, mehr für Umwelt, soziale Gerechtigkeit und gute Unternehmensführung zu tun (Ecological, Social and Governance – ESG)
  • die zunehmenden Investitionsmöglichkeiten in neue Technologien, Erneuerbare Energien, sozialverträgliche Projekte und Unternehmen mit hohen sozialen Standards

Die Kombination aus beidem, unterlegt durch aufsichtsrechtliche Anforderungen und Erwartungen der unterschiedlichen Stakeholder, wie Beitragszahler (Pensionskassen, Versorgungswerke), Aktionäre und Bondholder, wird ein weiteres deutliches Wachstum des Impact Investing zur Folge haben.

Es ist daher wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen und zu überprüfen, wie das eigene Impact-Portfolio aussehen könnte!

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Hanna M. Hornburg

Hanna M. Hornberg ist Direktorin Institutionelle Kunden bei der Feri Trust GmbH. Sie ist zuständig für die Erweiterung der Geschäftsbeziehungen mit Corporates und unternehmensbezogenen Pensionskassen im liquiden Multi- Asset- und Risiko-Overlay-Management sowie im Bereich der Alternative Assets.

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