Fragen an Vertriebe, Pools und Haftungsdächer – Teil 2

EXXECNEWS befragt die Vertriebe nach ihrem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und den Plänen für das kommende Jahr.

3 Welche Erwartungen haben Sie an 2024? Welche Anlagen-Präferenzen/Trends erkennen Sie?

Hörtkorn: Wir rechnen mit einem umsatzstarken Jahr: Wegen einiger Marktverwerfungen werden sich voraussichtlich viele Gelegenheiten mit günstigen Einstiegsmöglichkeiten sowie Zugang zu besonderen Opportunitäten ergeben. Auch den Trend zu mehr Platzierungen im Bereich Private Equity sehen wir weiterhin im Aufwind.

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Plansecur: Wir erwarten eine Platzierungsdynamik, die an 2023 anknüpft. Die Nachfrage nach Investments in Erneuerbare Energien wird sich unserer Meinung ungebrochen fortsetzen. Wir beobachten bei jüngeren Produkten auch teilweise wieder steigende Renditen mit Tendenz in Richtung eines IRR in Höhe von durchschnittlich fünf Prozent, in Abhängigkeit des Zins- und Inflationsniveaus könnte sich dieser Trend gegebenenfalls im Jahr 2024 fortsetzen.

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Stern: Im Bereich der alternativen Investmentfonds dürfte sich keine nennenswerte Veränderung ergeben. Veränderungen im positiven Sinn sind dann möglich, wenn der ELTIF im Jahr 2024 am Markt Fuß fassen kann.

4 ELTIF (European Long Term Investment Funds) hatten bislang eine eher untergeordnete Bedeutung am Kapitalmarkt. Mit ihrer jetzt in Kraft getretenen Neuregulierung („ELTIF 2.0“) sind sie für international tätige Anbieter attraktiv geworden und werden in diesem Jahr auch verstärkt privaten Anlegern angeboten werden. Durch die Reform entfallen einerseits die bisher hohen Mindestanlagensummen und die geforderten Kapitalnachweise – der potenzielle Anlegerkreis wird größer. Andererseits ist die Beratung vor Abschluss von ELTIF zwingend erforderlich – ein neues Beratungspotenzial? Wie schätzen Sie die Marktchancen dieses neuen Anlagetools ein? Welche Bedeutung werden ELTIF für Ihr Haus bekommen?

Hörtkorn: Dieses Investmentvehikel spielt bisher bei uns keine Rolle, da es für unsere Kernkundschaft weniger interessant ist. Es handelt sich bei ELTIF ja um Portfolio-Fonds, während unser Spezialgebiet bei AIF und Spezial-AIF mit Investitionen in konkrete Objekte liegt.

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Plansecur: Definitiv ein neues Beratungspotenzial, da unserer Meinung nach die Vorteile von offenen und Geschlossenen Fonds miteinander verbunden werden können. Das Potenzial muss aber erst noch gehoben werden. Sicherlich lassen sich neue Kundengruppen erschließen, die bisher nur bereit waren, in offene Investmentfonds, nicht aber in geschlossene AIF zu investieren. Wir werden Anfang 2024 die Abwicklungsmöglichkeiten unserer bestehenden Partner überprüfen und diese neue Produktkategorie gegebenenfalls implementieren.  

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Stern: Der ELTIF ist ein dringend notwendiges Anlageangebot und eine Hoffnung im Bereich der Sachwertanlagen. Sachwertanlagen können unter dem ELTIF nennenswert an Bedeutung gewinnen. Sachwertanlagen im Bereich der bisherigen AIF und Vermögensanlagen waren Nischenprodukte und haben im Bereich des gesamten Investmentangebots so gut wie keine Rolle gespielt. Dies könnte sich aufgrund der Größe der Marktteilnehmer im Bereich der ELTIFs ändern. Es zeichnet sich auch ab, dass der ELTIF, wegen des unterlegten politischen Willens, von vornherein eine bessere Position in der öffentlichen Wahrnehmung einnehmen wird. Obwohl in Sachwerte investiert wird, die in der Regel mit jenen im Mantel des AIF vergleichbar sind, dürfte die Einstufung in Risikoklassen eine deutlich bessere sein. Dies allein bietet am Markt einen entscheidenden Vorteil. Allerdings fehlt grundsätzlich das Verständnis dafür, dass eine Sachwertanlage als ELTIF und eine identische im AIF unterschiedlichen Risikoklassen zuzuordnen sind. Dies sei jedoch zunächst einmal dahingestellt.

Am Ende der Zeit wird es meines Erachtens so sein, dass der ELTIF die Rettung für die Sachwertbranche sein wird.

5 Experten haben in der letzten Zeit immer wieder den Vorschlag publiziert, dass zur Finanzierung von Zukunfts-Investitionen das private Publikum herangezogen werden könnte. Beispielsweise durch steuerbegünstigte Beteiligungen (wie in den 80er Jahren erprobt). Sehen Sie dieses Instrument als sinnvoll und empfehlenswert für die Beraterbranche? Würden Sie diese Idee begrüßen?

Hörtkorn: Aus Vertriebssicht könnte das sicherlich grundsätzlich interessant sein, weil solche Projekte mit großen Umsätzen einhergehen. Wie die Vergangenheit zeigt, wurden dabei allerdings oftmals nicht besonders gute Ergebnisse erzielt. Eine intelligente Konzeption insbesondere der steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten wäre hier notwendig. Als Premium-Anbieter für „funktionierende“ (= tatsächlich rentable) Investments ist dieses Segment für uns eher uninteressant.

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Plansecur: Solange die Steuerbegünstigungen verlässlich sind und eine ausreichende Rechtssicherheit gegeben ist, kann dies ein Finanzierungsinstrument für Zukunftsinvestitionen darstellen. Es können aber auch die bestehenden Anlageformen genutzt werden, sofern sich beispielsweise wieder mehr öffentlich-rechtliche Mieter für Immobilien geschlossener Fondsvehikel finden lassen.

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Stern: Das Publikum in die Finanzierung von Zukunftsinvestitionen einzubinden ist sehr sinnvoll. Eine steuerliche Vergünstigung, wie sie in der Frage formuliert wird, ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings bedarf es keiner neuen Produkte. In Frankreich und Italien werden Produkte als ELTIF seit Jahren steuerlich begünstigt.

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