Fragen an Vertriebe, Pools und Haftungsdächer – Teil 1

EXXECNEWS befragt die Vertriebe nach ihrem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und den Plänen für das kommende Jahr.

1 Wie verliefen die Platzierungsergebnisse AIF/ Vermögensanlagen/ Direkt-Investments 2023? Sind Sie zufrieden?

Axel Hermann, Prokurist von Hörtkorn Finanzen:

Im vergangenen Jahr konnten wir knapp 48 Millionen Euro an Eigenkapital platzieren. Mit diesem Ergebnis sind wir angesichts des deutlich verschlechterten Markt-umfeldes ganz zufrieden. Außer einer Vermögensanlage erfolgten die Platzierungen ausschließlich in Publikums- und Spezial-AIF.

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Felix Knaak, Teamleiter Geldanlage Plansecur:

Wir konnten im Kalenderjahr 2023 bisher etwa 14 Millionen Euro Kommanditkapital in geschlossenen AIF platzieren. Nachdem das erste Halbjahr eher schleppend anlief, konnten wir deutliche Steigerungen in der Platzierungsdynamik im zweiten Halbjahr verzeichnen. Wir sind mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden. Produkte nach Vermögensanlagengesetz befinden sich derzeit nicht in unserer Produktpalette. Umsätze in Direktinvestments in Wohn- und Teileigentum verzeichneten ein Minus von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Bernhard Stern, Geschäftsführer Stern Capital:

Die Platzierungsergebnisse im Bereich der alternativen Investmentfonds, nur diese vermitteln wir, waren im Jahr 2023 nicht zufriedenstellend.

2 Welche Bereiche entwickelten sich positiv, unverändert, negativ?

Hörtkorn: Der von uns vermittelte AIF-Bereich entwickelt sich unverändert stark, während der Bereich der Vermögensanlagen weniger wurde, weil hier BaFin-Genehmigungen auslaufen. Der Bereich Direktinvestment spielt bei uns keine Rolle.

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Plansecur: Besonders positiv entwickelten sich die Umsätze im Bereich Erneuerbarer Energien, Private Equity und bei Immobilien-AIF, insbesondere bei Zweitmarktimmobilien-AIF sowie solchen Produkten, die sich auf konservative Annahmen stützen, langfristig an bonitätsstarke Mieter vermietet sind und ESG-Vorgaben berücksichtigen oder deren Umsetzung beabsichtigen. Zurückhaltung konnten wir bei US-Dollar-Investments feststellen.

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Stern: In allen Bereichen wurden geringere Ergebnisse als im Vorjahr erzielt. Hierfür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Das sind die allgemeine Unsicherheit und die damit einhergehende Scheu der Anleger, sich langfristig zu binden.

Es gibt als Alternative wieder attraktive Angebote im Zinsbereich. Dies gilt für Kurzfristanlagen wie Tages-/Festgeld ebenso wie für mittel- und langfristige Anlagen im Bereich Rentenlaufzeitfonds/-ETF.

Hinzu kamen Störungsmeldungen zu bestehenden AIF. Das waren unter anderem Betreiberinsolvenzen im Pflegeimmobilienfondsbereich mit der Konsequenz ausbleibender Ausschüttungen.

Ebenso und insbesondere die Insolvenzen bei der Project-Gruppe. Es muss bei den Fonds wohl mit erheblichen Verlusten gerechnet werden. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass die viel beschworene Sicherheit durch reine Eigenkapitalinvestments und die Sicherheit aus der Regulierung der AIF doch eher schöne Denkmodelle als Realität sind. Wenn noch Fonds aufgelegt werden dürfen, obwohl die Bilanzen der jetzt insolventen Unternehmen seit Jahren schlecht sind, funktioniert Aufsicht nicht. Wenn sich jetzt herausstellt, dass Gelder für vertragswidrig bezahlte Rechnungen verwendet wurden, so hat das nichts mit qualitativ ausreichender Kontrolle zu tun.

Ein anderer Anbieter kam mit einem neuen AIF als Projektentwicklungsfonds auf den Markt. Noch Ende November 2023 wird die außergewöhnliche Sicherheit und Eigenkapitalausstattung der involvierten Unternehmen beworben. Nur weniger als drei Wochen später werden Zinszahlungen für vorhergehende Emissionen des Anbieters ausgesetzt. Erstaunlicherweise bleibt das neue Angebot am Markt. Im Sinne des Anlegerschutzes?

Schließlich haben wir uns, aufgrund der oben geschilderten Umstände, bewusst in dem Markt der AIF zurückgehalten. Das oft verwendete Argument der Inflationssicherheit der AIF gegenüber den Zinsanlagen greift auch nur, wenn die AIF ihr Zielergebnis erreichen. Wenn sich in einem Sachwertportfolio jedoch nur ein Fonds mit deutlichen Verlusten befindet, greift dieses Argument schon nicht mehr. Dann sorgt das Portfolio bestenfalls für Schadensbegrenzung. Deshalb ist es durchaus sinnvoll in solchen Situationen geeignete, solide Zinsanlagen vorzuziehen.

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