Beiträge zu institutionellem Asset Management

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Kita Fonds

In die nächste Generation investieren, eine Portfoliodiversifikation mit Kita Fonds. Viele Kommunen leiden unter erheblichem Mangel an Kindertagesstätten (Kitas). Durch

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Social Investment

Die Herausforderungen für Stiftungen als institutionelle Anleger sind vielfältig. Zunehmende gesetzliche Regularien, Reportingpflichten und dazu noch die eigenen Werte, nach

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Bild eines Dougnuts in hellblau, darunter die Überschrift "Dougnut Economics"

Doughnut Economics und WeAll

Wie aus einer ökonomischen Idee mit Corona eine weltweite Bewegung wurde – Doughnut Economics und WeAll . Die Stadt Amsterdam und die Regierung von Costa Rica haben auf die Corona-Krise mit der Realisierung des „Doughnut“ der ehemalige Oxfam-Ökonomin Kate Raworth und des weltweiten Netzwerks „Wellbeing Economy Alliance“, kurz WeAll, reagiert. Sie veränderten damit in kürzester Zeit ihre politischen Realitäten. Doch was ist dieser Doughnut überhaupt? In seinem Gastbeitrag führt Dr. Thomas Dürmeier von Goliathwatch e.V. in die Theorie des Doughnuts ein. Der Mainstream der Wirtschaftswissenschaften propagiert Konkurrenz und Wettbewerb mit dem Ziel, Wohlstand zu schaffen. Doch überall entstand statt Wohlstand Armut und Versagen von Märkten. Der französische Starökonom Thomas Piketty hat dies in seinem Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ akribisch nachgewiesen.Gegen das neoklassische Modell von Angebot und Nachfrage setzt die englischen Ökonomin Kate Raworth die beiden Kreise des Doughnuts. Die planetaren Grenzen der Umweltwissenschaften und die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDG) bilden die Innen- und Außengrenzen des Doughnut (vgl. Abb. 1: Der Doughnut der Welt). Im Gegensatz zum Konzept der SDG stehen Wirtschaft, Natur und Gesellschaft nicht gleichberechtigt zueinander. Das Wirtschaftssystem muss unterhalb der planetaren Obergrenzen und oberhalb der sozialen Untergrenzen bleiben. Wirtschaftswachstum ist nicht mehr der zentrale Lösungsweg. Wirtschaft innerhalb sozialer und ökologischer Grenzen Wirtschaft kann nur innerhalb von sozialen und ökologischen Grenzen stattfinden. Forscher der Universität Leeds haben für alle Länder der Welt die 21 Doughnut-Indikatoren berechnet. Während die Industrienationen zum Beispiel eher soziale Menschenrechte erfüllen, geht dies aber auf Kosten der Naturzerstörung. Raworth hat nicht nur einen besseren Maßstab für unser Wirtschaften entwickelt, sondern auch sechs weitere Grundpfeiler einer Wirtschaftslehre für das gute Leben ausformuliert. Den Theorien von Markteffizienz, Politikversagen und dem Bild des von Eigennutz motiviertem Menschen setzt sie entgegen, dass Menschen auch sozial und kooperativ handeln. Das Wirtschaftsleben ist eingebettet in Kultur und gesellschaftliche Konventionen. Märkte sind komplexer als Angebot und Nachfrage, und das Wirtschaftssystem braucht einen politischen Rahmen, damit Ungleichheit und Naturzerstörung nicht weiterwachsen. Eine neue Bewegung für ein besseres Wirtschaftssystem Amsterdam hat im ersten Corona-Lockdown den Doughnut als Antwort formuliert. Nun wird durch eine breite Bürgerbeteiligung und auf Basis wissenschaftlicher Beratung heraus eine Kreislaufwirtschaft eingeführt, die bis 2030 die Ressourcenströme halbieren wird. Die Regierung in Neuseeland hat ihren Staatshaushalt nach den sozialen und ökologischen Zielen umgebaut. Die schottische Regierungschefin hält international Reden und will ihre Kollegen überzeugen. Das globale Städtebündnis C40 will das Pariser 1,5-Gradziel erreichen und kooperiert auf vielen Ebenen mit WeAll. WeAll ist ein breites Bündnis mit vielen unterschiedlichen Positionen, aber es wird nicht als Weltformel für die bessere Welt ausdiskutiert, sondern die Ideen wie Doughnut und wie ein sozial-ökologisches Update für unser Wirtschaften gelingen kann, werden angepackt und umgesetzt. Wissenschaftler schreiben Policy-Papiere wie den Leitfaden für sozial-ökologische Unternehmenspraxis. Regionale Bündnis führen die Doughnut Ökonomie in Städten wie Amsterdam, Cambridge oder Berlin ein. Themenspezifische Akteure wie VolleHalle teilen ihre Erfahrungen zum Beispiel aus dem politischen Klimatheater in monatlichen Online-Plena und vernetzen sich themenübergreifend. Einzelpersonen diskutieren weltweit über das „CitizenWeb“, einer eigenen Social-Media-Plattform. Regierungen wie Island oder Schottland teilen ihre Erfahrungen bei WeGov. Ausblick: Den Reichtum der Welt für ein gutes Leben für alle einrichten Der Ausbruch aus den sozialen Verarmungsmechanismen und den ökologischen Vernichtungszwängen ist möglich. Wie damals zur Zeit der Industrialisierung in Europa müssen wir nun eine weltweite Antwort auf die soziale und ökologische Doppelfrage finden. Der Konkurrenzzwang zur Profitmaximierung muss durch eine Doughnut-Ökonomie abgelöst werden, wo Marktkonkurrenz nur innerhalb sozialer und ökologischer Wettbewerbsgrenzen stattfinden darf. Mit Bewegungen wie der Wellbeing Economy Alliance ist der notwendige System Change, die Grundpfeiler des Wirtschaftssystems zu ändern, wieder machbar. Die Realisierung der Wellbeing-Ökonomik wäre eine Gesellschaft, die mehr den skandinavischen Ländern gleicht und in der die Klimakatastrophe verhindert wurde. Bis dorthin ist aber noch ein weiter Weg. Der Doughnut kommt zur rechten Zeit als neues Bild, dass viele Menschen überzeugt und motiviert. Eine andere Welt ist machbar. Der Doughnut ist eine gute Alternative. Dr. Thomas Dürmeier ist geschäftsführender Vorstand bei der konzernkritischen Nichtregierungsorganisation Goliathwatch e.V. (www.goliathwatch.de) aus Hamburg, plural-kritischer Volkswirt und freiberuflicher Bildungsarbeiter. „Wellbeing Economy Alliance“, kurz WeAll: Aus der wissenschaftlichen „Revolte“ entstand 2018 eine Allianz für ein neues Wirtschaftssystem. Das Bündnis für eine Wirtschaft für das gute Leben verbindet zahlreiche Bewegungen und Wissenschaftler. Die Wellbeing Economy Alliance, kurz „WeAll“, hat Konsensräume geschaffen, wo sich innerhalb von zwei Jahren über 100 Wissenschaftler, über 150 Organisationen, sechs Regierungen und unzählige Städte zusammenfanden.

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Bild des Autors in Anzug. Benoit Durteste

ICG Charitable Giving Impact Report

Der britische Vermögensverwalter Intermediate Capital Group (ICG)  legt seinen ersten Report zur eigenen soziale Unternehmensverantwortung vor. Der Bericht fasst die Wirkung von ICG im ersten vollständigen Jahr der Bereitstellung des Bildungschancenprogramms und im zweiten Jahr der Finanzierung der „Million Meals“-Initiative zusammen. Ziel dieses Berichts ist es, den strategischen Schwerpunkt des Spendenansatzes für wohltätige Zwecke zu erfassen und die soziale Wirkung hervorzuheben, die das Unternehmen durch seine sozialen Investitionen und durch die Bereitstellung seiner Zeit und seines Fachwissens durch seine Mitarbeiter erzielt hat. Im Mai 2022 kündigte ICG eine Finanzierung in Höhe von 3,75 Millionen Britische Pfund über einen Zeitraum von drei Jahren an, um Partnerschaften mit drei führenden Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen, die sich für die Verbesserung der Bildungschancen und die Förderung der sozialen Mobilität einsetzen. Laut dem Report ermöglichte das Engagement in langfristige strategische Wohltätigkeitspartnerschaften in den Bereichen Bildungschancen und soziale Mobilität das organisatorische Wachstum der empfangenden Organisationen und schuf mehr Wege für Studierende aus schwächeren sozioökonomischen Verhältnissen in die Finanzwelt. Darüber hinaus hat die ICG-Initiative „Million Meals“ über einen Zeitraum von zwei Jahren über eine Million Britische Pfund an Fördermitteln bereitgestellt, und so in zwölf Ländern über 1,1 Millionen gelieferten Mahlzeiten im zweiten Jahr erreicht. „ICG ist bestrebt, wieder in die Gemeinden zu investieren, in denen wir leben, arbeiten und tätig sind“, so Benoît Durteste, Chief Executive Officer und Chief Investment Officer. „Wir setzen uns leidenschaftlich dafür ein, die soziale Mobilität durch den Zugang zu höherer Bildung zu verbessern und gleiche Wettbewerbsbedingungen für den Einstieg in unsere Branche zu schaffen. Wir glauben, dass dies einem wichtigen Zweck für den Einzelnen und die Gesellschaft dient und gleichzeitig eine gerechtere, robustere und repräsentativere Investmentbranche schafft“. Bildungschancen und soziale Mobilität Der Schwerpunkt der Spenden für wohltätige Zwecke liegt auf der Verbesserung von Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion durch die Schaffung von Chancen für benachteiligte Menschen in den Schlüsselmärkten, in denen das Unternehmen selbst tätig ist. Im Besonderen konzentriert sich ICG dabei auf Sekundarschulbildung und Universitätszugang, Erfolg an der Universität, Einstieg ins Berufsleben und darüber hinaus die Erweiterung des Zugangs zur eigenen Branche Der Ansatz bietet dabei mehr als nur finanzielles Kapital. So wird das Fachwissen der Mitarbeitenden genutzt, um stärkere Beziehungen aufzubauen und eine größere Wirkung zu erzielen. Mitarbeiter von ICG engagieren sich ehrenamtlich und ermöglichen Praktika und Einstellungen. Diese Unterstützung fließt in die UN-Nachhaltigkeitsziele Zwei bis Vier und Acht ein (siehe Grafik), mit dem Ziel, hochwertige Bildung und menschenwürdige Arbeit für alle zu bieten. Zusammenfassung der sozialen Auswirkungen Die wichtigsten Partnerschaften bestehen mit SEO London und SEO New York, upReach und The Access Project mit Lieferung vor Ort in ganz Großbritannien, Frankreich und den USA. Alle vier Empänger der ICG-Unterstützung berichten von einem härteren Betriebsumfeld für Schulen, Studenten und in der Finanzbranche. 4.803 junge Menschen wurden in den letzten 18 Monaten direkt unterstützt, mit deutlichen positiven Auswirkungen für mehr Selbstvertrauen, Fähigkeiten und Chancen zur Weiterentwicklung. Die auf drei Jahre ausgelegte Finanzierung von ICG Educational Opportunity hat Organisationswachstum und Kapazitätsaufbau ermöglicht. Die Partner konnten ihre Systeme und Prozesse verbessern und in zukünftige Planungsstrategien investieren. Im vergangenen Jahr konnten neue Mitarbeiter eingestellt sowie Dienstleistungen und Partnerschaften erweitert werden, um eine größere Wirkung zu erzielen. So konnten die geförderten Organisationen eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 2,5 Millionen Britischen Pfund mobilisieren. Durch die Zusammenarbeit mit Wohltätigkeitsorganisationen hochwertiger Lieferpartner ermöglichte das Programm diesen Organisationen die Beschaffung und Lieferung von Lebensmitteln an fast 4.000 Gemeinschaftsorganisationen, die vor Ort arbeiten, um gefährdete Menschen zu unterstützen. Dieses Projekt reagiert direkt auf das UN-Nachhaltigkeitsziel Zwei, das darauf abzielt, Ernährungsunsicherheit und Hunger zu beseitigen. Intermediate Capital Group (ICG) ist ein global agierender Vermögensverwalter für alternative Anlagen mit Sitz in London www.icgam.com

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Kita Fonds

In die nächste Generation investieren, eine Portfoliodiversifikation mit Kita Fonds. Viele Kommunen leiden unter erheblichem Mangel an Kindertagesstätten (Kitas). Durch Kooperationen mit privaten Investoren können Städte und Gemeinden professionell qualitativ hochwertige Kitaplätze schaffen. Die Investoren erzielen mit Bildungsimmobilien eine stabile Rendite von rund 4,5 Prozent pro Jahr an Ausschüttung und erhalten dafür eine risikoarme und nachhaltige Anlage. Darüber hinaus bieten Kita-Immobilien die Möglichkeit, das Anlageportfolio zu diversifizieren und weisen vergleichsweise geringe Wertschwankungen auf. Eine tragende Säule der Assetklasse Kita ist der hohe, planbare Bedarf an Kita-Plätzen und damit an entsprechenden Immobilien. Das Kinderförderungsgesetz (KiföG) legt den schrittweisen Ausbau eines bedarfsgerechten, qualitativ hochwertigen Angebots für Kinder unter drei Jahren fest. Dieses wird auf Länderebene mittels weiterer Gesetze ausgestaltet. Die Landesgesetze regeln die Bedarfsplanung, die den Kita-Fonds eine risikoarme und planungssichere Umsetzung der Projekte erlaubt. Außerdem wird dort die kommunale Bezuschussung der Kita-Betreiber beziehungsweise Eltern fixiert, so dass die Mietverträge der Fonds indirekt über eine zusätzliche staatliche Absicherung verfügen. Investoren erhalten lang planbare und weitgehend ausfallsichere Erträge, denn Mietverträge mit Kommunen und privaten Kita-Betreibern laufen in der Regel über vergleichsweise lange Zeiträume, häufig über 20 bis 30 Jahre. Und wenn Fondsgesellschaften auch auf qualitäts- und bonitätsstarke Betreiber achten, ergibt sich in Verbindung mit der kommunalen, gesetzlichen Absicherung ein langfristig stabiles, risikoarmes und konjunkturunabhängiges Investment. „Zusätzlich zu den attraktiven langen Mietvertragslaufzeiten wird die Ertragskomponente gestützt durch Mietverträge mit einer teilweise gesetzlich fixierten Mietpreisentwicklung und einer hohen Umlagefähigkeit der Nebenkosten“, erklärt Thomas Christ. Er ist als Senior Fund Manager für den Fonds „HIH Zukunft Invest“ zuständig. Carsten Demmler, Geschäftsführer HIH Invest Real Estate GmbH. https://hih.de/ Der „HIH Zukunft Invest“ befindet sich in der Investitionsphase. Im Fokus stehen Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Hochschulgebäude in den Wachstumsstädten und Metropolregionen Deutschlands. Der Bereich Erziehung und Bildung von Kindern deckt verschiedene Nachhaltigkeitsziele ab, zumal auch beim Objektankauf auf ökologische Nachhaltigkeitsaspekte geachtet wird. Damit werden verschiedene wichtige ESG-Kriterien erfüllt. Entsprechend verfolgt der Fonds eine Strategie gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung. Auf dieser Basis hat der Fonds bereits 20 Objekte erworben – fast ausschließlich Neubauten – und bietet mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro eine hohe Diversifikation, Ertragssicherheit und eine gut prognostizierbare Ausschüttungsrendite von rund 4,5 Prozent pro Jahr. Mit Kita-Fonds wie dem „HIH Zukunft Invest“ erhalten Investoren die Möglichkeit, in die soziale Infrastruktur Deutschlands zu investieren. Die Erziehung und Bildung von Kindern sind eine Grundlage für nachhaltige Immobilieninvestitionen und eine gelungene Portfoliodiversifikation.

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Social Investment

Die Herausforderungen für Stiftungen als institutionelle Anleger sind vielfältig. Zunehmende gesetzliche Regularien, Reportingpflichten und dazu noch die eigenen Werte, nach denen die Stiftung anlegen möchte. Unser leitender Redakteur Achim Griesel sprach mit Achim Lange, Vorstand Finanzen, Verwaltung und Personal bei der Zeit Stiftung Bucerius, über seine Erwartungen an 2024. Nach welchen Kriterien treffen Sie und Ihr Team Anlageentscheidungen? Achim Lange: Wir streben eine möglichst große Streuung an – sowohl bei den Assetklassen als auch bei der regionalen Aufteilung. Unsere Asset Manager erhalten die Aufgabe, in den einzelnen Segmenten die zuvor definierte Benchmark zu schlagen und Alpha zu generieren. Unsere Asset Manager setzen dies in einzelnen Spezialfonds um. Dabei nehmen wir eine CO2-Reduktion im Portfolio durch die Eliminierung der Co2-intensivsten Unternehmen vor. Bei der Zeit Stiftung Bucerius vermeiden wir zusätzlich Investitionen in – nach unseren Grundsätzen – moralisch bedenkliche Staatsanleihen beziehungsweise Staatsnahen Unternehmen, wie aktuell zum Beispiel Polen, Ungarn und Russland. Wie wählen Sie neue, interessante Produktangebote aus? Lange: Für mich gibt es da einen Unterschied zwischen Trend und Opportunität:  Die Asset Manager sind frei in ihren Entscheidungen, aber als Zeit Stiftung Buceriusmüssen wir bei Trends nicht die ersten sein, die einsteigen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für institutionelle Kapitalanleger im Jahr 2024? Lange: Die Frage ist aus meiner Sicht nicht so eindeutig zu beantworten, da ich die langfristige Asset-Allokation im Blick habe. Daher schaue ich langfristiger auf Entwicklungen und nicht so sehr auf kurzfristige Veränderungen innerhalb eines Jahres. So gesehen denke ich, dass der Aktienmarkt zwar volatil, aber stabil bleibt. Beim Immobilieninvestment rechne ich mit einer schwarzen Null: auf der einen Seite steigende Mieten (zum Teil durch indexierte Mieten), dagegen wirken dann leichte Abwertungen im Bestand. Wie sehen Sie die regulatorischen Anforderungen an ESG und Nachhaltigkeit? Lange: Bei zu großer Konzentration ESG-konformer Titel und Produkte kann die Rendite in der Gesamtperformance und Streuung fehlen. Einer der Gründe, warum eine zu hohe Regulierung aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist. Ich hoffe, dass die Regulatorik unser Handeln in Zukunft möglichst wenig beeinflusst, denn die Frage sollte dabei immer sein, wie sich dadurch die Welt verändert. Beispiel RWE/Kohleverstromung: Keine Aktien von RWE im Portfolio zu haben, bedeutet nicht gleich weniger CO2 Ausstoß durch RWE. Hier stellt sich für mich auch die Frage der Effizienz:  Investiere ich mein Geld, um Gutes zu tun, oder lege ich mein Geld an, um mit der Rendite Gutes zu tun. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Zukunft der drei Komplexe E(nviromental), S(ocial) und G(overnance)? Wie geht Ihre Stiftung, die sich aktuell sehr prominent mit dem Manifest „Bildung ist Bürgerrecht“ für die Umsetzung des Grundrechts auf Bildung einsetzt, mit der Gewichtung der Bereiche um? Lange: Aus meiner Sicht wird das „Social“ zunehmend wichtiger – und gute Bildung ist die Grundlage unserer Zukunft, daher liegt uns dieses Thema so am Herzen. Was können die größten Chancen für Investoren im Jahr 2024 sein? Lange: Entweder sind Aktien zu teuer oder die Welt zu unsicher, daher sehe ich auch immer die Langfristigkeit und nicht die Begrenzung auf das Kalenderjahr. Wir haben Aktien in unserem Portfolio mit bis zu 50 Prozent gewichtet. Damit sind Aktien unsere größte Assetklasse und bilden unser langfristiges Fundament im Portfolio. Stiftungen, Vereine, gGmbHs und alle anderen Non-Profit-Organisationen eint bei der Vermögensanlage meist ein Prinzip: Das Geld soll rentierlich und sicher angelegt werden, ohne dass große Kosten entstehen, die die Rendite wieder schmälern. Auf welche Assetklassen greifen Sie bei Ihren Anlageentscheidungen zurück, Herr Lange? Lange: Wir streuen breit über alle Assetklassen, darunter Aktien, Anleihen, Private Equity, Infrastruktur und Immobilien, im Direktbestand oder in Immobilienfonds. Allerdings hat auch die Zeit Stiftung Bucerius, wie andere große Stiftungen, illiquide Blöcke, mit denen am Markt nicht gearbeitet werden kann, die zum Teil nur eine soziale Rendite erzielen. Was ist Ihnen persönlich für den Jahresstart sonst noch wichtig? Lange: Mich bewegen die Landtagswahlen in Ost-Deutschland und die möglichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen daraus. Darüber hinaus schaue ich mit großer Besorgnis auf die Entwicklung des Kriegs in Osteuropa und die Stabilität der Demokratie in den Vereinigten Staat nach der US-Wahl im Herbst 2024. Hier wünsche ich mir wieder mehr Stabilität und Verlässlichkeit, um wieder besser planen zu können. Unser Interviewpartner: Achim Lange ist seit 2021 Vorstand Finanzen, Verwaltung, Personal der Zeit Stiftung Bucerius. Zuvor leitete Lange unter anderem das Portfoliomanagement im Bereich Private Banking der Hamburger Sparkasse (HASPA).

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Moderne Infrastruktur entscheidend für nachhaltige Transformation

Ohne eine funktionierende, stabile Infrastruktur ist wirtschaftlicher Fortschritt kaum möglich. Wichtig dabei ist, die sozialen und ökologischen Komponenten nicht aus dem Blick zu verlieren, ob im Beteiligungsgeschäft oder bei Börseninvestments. Infrastruktur umfasst bekanntlich eine breite Palette an physischen und organisatorischen Strukturen, Dienstleistungen und Einrichtungen, die für das Funktionieren einer Gesellschaft oder Wirtschaft unerlässlich sind. Dazu zählen Verkehrsnetze wie Straßen, Brücken und Flughäfen, Energieversorgungseinrichtungen wie Kraftwerke und Stromnetze, Wasser- und Abwassersysteme, Telekommunikationsnetze sowie soziale Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen. Infrastrukturinvestitionen leisten wertvolle Diversifikation Warum sind Infrastrukturinvestitionen also attraktiv? Infrastrukturinvestitionen bieten häufig stetige und vorhersehbare Cashflows, die besonders für langfristig orientierte Anleger attraktiv sind. Diese Eigenschaft macht sie zu einer stabilen Anlageoption in unsicheren Wirtschaftszeiten. Viele Infrastrukturprojekte bieten einen natürlichen Schutz gegen Inflation, da die Einnahmen oft an Preissteigerungen angepasst werden können. Dies macht sie zu einer attraktiven Anlage für den langfristigen Vermögenserhalt. Und da die Leistung von direkten Infrastrukturinvestitionen oft weniger stark mit traditionellen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen korreliert, bieten sie auch eine wertvolle Diversifikation für das Portfolio eines Anlegers. Projekte können ökologische und soziale Standards vorantreiben Auch aus Nachhaltigkeitssicht sind Infrastrukturinvestitionen interessant für langfristig orientierte Anleger. Investitionen in Infrastruktur tragen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung bei, indem sie die Grundlagen für Wachstum und Fortschritt legen. „Dies kann für Anleger, die Wert auf sozial verantwortliche Investitionen legen, besonders attraktiv sein: Mit dem zunehmenden Fokus auf nachhaltige Entwicklung bieten sich für Anleger Chancen, in Projekte zu investieren, die ökologische und soziale Standards erfüllen oder sogar vorantreiben“, sagt Dr. Johannes Knorz, Geschäftsführer des ausschließlich auf Impact Investing konzentrierten Single Family Office 4L Vision GmbH aus Karlsruhe. Der Fokus des Unternehmens liegt im Beteiligungsmanagement, während sein Tochterunternehmen 4L Capital AG auf nachhaltige und werteorientierte Vermögensverwaltung spezialisiert ist. Nachhaltige Infrastruktur wichtig für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung Er sieht die Bedeutung nachhaltiger Infrastruktur vor allem im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen. Nachhaltige Infrastruktur, die umweltfreundlich, ressourcenschonend und effizient ist, spielt laut dem Impact Investing-Experten eine entscheidende Rolle für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung. Dies steht im Einklang mit SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) und SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur). Durch den Aufbau solcher Infrastrukturen werden Arbeitsplätze geschaffen, was wiederum die Wirtschaft ankurbelt und zur Armutsbekämpfung beiträgt (SDG 1). Bekämpfung sozialer Ungleichheiten Ebenso stellt Dr. Johannes Knorz einen engen Zusammenhang zwischen nachhaltiger Infrastruktur und Umweltschutz her: „Nachhaltige Infrastrukturprojekte, die Erneuerbare Energien nutzen und auf Energieeffizienz achten, unterstützen SDG 7 für bezahlbare und saubere Energie und SDG 13 als Maßnahmen zum Klimaschutz. Sie tragen dazu bei, die Treibhausgasemissionen zu senken und den Klimawandel zu bekämpfen.“ Auch die soziale Inklusion und Gerechtigkeit würden erhöht. Nachhaltige Infrastruktur habe grundsätzlich eine soziale Dimension, die im Einklang mit SDG 10 für weniger Ungleichheiten und SDG 11 für nachhaltige Städte und Gemeinden kämpfe. Durch den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie sauberem Wasser im Sinne von SDG 6, angemessenem und bezahlbarem Wohnraum und nachhaltigem Transportwesen würden die Lebensbedingungen verbessert und soziale Ungleichheiten verringert. Aktienauswahl auf Basis der Sustainable Development Goals Aus Nachhaltigkeitssicht begründet auch Marcus Björkstén, Portfoliomanager bei der finnischen Investmentboutique Fondita, die Allokation von Vermögen in börsennotierte Infrastrukturunternehmen. Der „Fondita Sustainable Europe“ (klassifiziert nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung) orientiert sich fest an den Sustainable Development Goals 7, 11, 12 (nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion) und 13. „Das sind unsere Top-4-SDG bei der Ausrichtung der Fondsbestände auf Produkte oder Dienstleistungen. Der ‚Fondita Sustainable Europe’ ist ein aktiv verwalteter Aktienfonds, der in Aktien börsennotierter europäischer Unternehmen jeder Größe investiert, die durch ihre Aktivitäten eine nachhaltige Entwicklung fördern. Der Fonds investiert in Unternehmen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen optimal positioniert sind, um eine Welt mit geringeren CO2-Emissionen und einer effizienteren Nutzung unserer begrenzten natürlichen Ressourcen zu erreichen“, erklärt Marcus Björkstén. Small und Mid Cap-Unternehmen häufig interessant Die Anlagephilosophie basiert auf einer Aktienauswahl mit langfristigem Anlagehorizont und lässt sich auch mit Small und Mid Cap-Unternehmen aus dem Infrastrukturbereich umsetzen. Diese stehen häufig für innovative Lösungen beispielsweise im Rahmen der nachhaltigen Transformation, die sie dann auch schnell und erfolgreich vorantrieben. Ein Beispiel dafür ist laut Marcus Björkstén OX2 aus Schweden. „OX2 entwickelt und vertreibt groß angelegte Lösungen für Erneuerbare Energien und ist heute einer der größten Entwickler von Onshore-Windenergie in Europa. Der Bedarf an Erneuerbaren Energien nimmt mit der Elektrifizierung der Gesellschaft stetig zu.“ Ein weiteres Beispiel ist Alfen aus den Niederlanden. Das Unternehmen arbeitet am Stromnetz der Zukunft und entwickelt in dem Rahmen Transformatoren, Energiespeichern und Ladestationen für Elektroautos als End-to-End-Energielösungen.  Prof. Dr. Patrick Peters ist Professor für PR, Kommunikation und digitale Medien an der Allensbach Hochschule, Wirtschaftspublizist und Kommunikationsberater. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der Finanzindustrie und berät vor allem Vermögensverwalter, Finanzdienstleister und Unternehmen, die sich dezidiert mit dem Thema der Nachhaltigkeit befassen. Er ist Co-Herausgeber von EXXECNEWS INSTITUTIONAL.

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Biodiversität – Notwendige Investition in die Zukunft

Das Thema Biodiversität steht immer mehr im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und gleichzeitig auch der nachhaltigen Finanzwirtschaft. Ein Überblick von Antje Biber, Head of SDG Office bei der Feri AG. Das Momentum ist enorm Spätestens seit des im Dezember 2022 von der UN verabschiedeten Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF), welches den Schutz von einem Drittel der Land- und Meeresgebiete sowie das Ende von umweltschädlichen Subventionen in Höhe von 500 Milliarden Dollar beinhaltet, diskutiert die Weltgemeinschaft über Maßnahmen und vor allem über die Finanzierung zur Erhaltung und Förderung von Biodiversität.Gleichzeitig spielt die Finanzwirtschaft im Rahmen der Umsetzung der wohlbekannten EU-Taxonomie eine Hauptrolle. Das Ziel ist es, Kapital in Aktivitäten zu lenken, die wesentlich zur Erreichung der Ziele des Europäischen Green Deals beitragen, wie Klimaneutralität und Resilienz, Nullverschmutzung, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft und die nachhaltige Nutzung von Wasser- und Meeresressourcen sowie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.Aktuell werden die Definitionen und Berichtsvorgaben zum Thema Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen abgestimmt, daher verstärkt sich das Interesse sowohl der Industrie als auch der Großinvestoren an Lösungen und Bewertungsstandards, die eine Förderung und Messbarkeit der Biodiversität gewährleisten können. Ein weiterer Meilenstein in der politischen Landkarte ist das gerade vom EU-Parlament verabschiedete Gesetz zu Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Law, 12. Juli 2023). Dieses Gesetz verpflichtet alle EU-Mitgliedsstaaten, zerstörte Natur wieder in einen guten ökologischen Zustand zu bringen und so den Bestand von Bestäubern, natürlichen Ressourcen, sauberer Luft und sauberem Wasser zu sichern.Alle oben genannten Beschlüsse und Gesetze zeigen heute schon ihren Einfluss auf die Finanzwirtschaft und sie werden sicher in der Zukunft zu richtungsweisenden Veränderungen und zur Transformation von ganzen Industrien führen. Ökonomische Risiken und Einfluss der politischen AgendaDie Wirtschaft und der Wohlstand der Menschen sind eng mit der Erhaltung und dem Schutz der Ökosysteme verbunden. 50 Prozent des globalen BIPs (ungefähr 42 Billionen USD) hängen mit den Ökosystemdienstleistungen unserer Umwelt zusammen. Der weitere Verlust an Biodiversität könnte in der Zukunft schlimmstenfalls ein Kollabieren dieser enormen Wirtschaftsquelle bedeuten, was verheerende Folgen für viele Industrien, Nationen und Gesellschaften hätte. Der Verlust der Biologischen Vielfalt wird sich in den nächsten Jahren zudem schneller entwickeln und könnte binnen Jahrzehnten ganze Ökosysteme und auch Wirtschaftsräume zu Fall bringen.Gerade die Produktion von Lebensmitteln und Futtermitteln für die Zuchttierhaltung weltweit und der damit einhergehende Ressourcenverbrauch einer Weltbevölkerung führt zu einschneidenden Rückkopplungseffekten für die Natur, die Gesellschaft und die Wirtschaft.Die regulatorischen Veränderungen werden insbesondere die Landwirtschaft und alle entsprechenden Bereiche der sogenannten „Food Systems“ betreffen (der Begriff „Food Systems“ umfasst alle Prozesse und Infrastrukturen, die an der Wertschöpfungskette der Ernährung beteiligt sind). Hieraus resultieren neue und signifikante finanzielle Risiken bestimmter Unternehmen und Industrien, die in der langfristigen Anlagestrategie von Investoren berücksichtigt werden sollten. Positives Potenzial und Anlagechancen mit Wirkung Die politischen Veränderungen generieren jedoch auch neue Opportunitäten. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums besteht ein positives Wirtschaftspotential von über zehnBillionen US-Dollar in den nächsten zehn Jahren an Geschäfts- und Anlagemöglichkeiten im Bereich der Erhaltung, Wiederaufbau und des Schutzes von Natur und Ökosystemen.Die Anlagemöglichkeiten, gerade auch für institutionelle Anleger, sind vielfältig und lassen sich in fast allen Anlageklassen finden. Besonders hervorzuheben sind Investitionsstrukturen, die den öffentlichen und privaten Kapitalmarkt verbinden, da gerade der Schutz von Ökosystemen bislang fast ausschließlich öffentlich finanziert wurde. Der London School of Economics (LSE) zufolge stammen weltweit zwischen 80 und 85 Prozent der Investitionen, die in die Erhaltung der biologischen Vielfalt fließen, bislang aus staatlichen Kassen. Bereits etabliert sind Blended-Finance Investments, in denen staatliche und private Investoren gemeinsam in Beteiligungsstrukturen insbesondere in Entwicklungsländern investieren. Gleichzeitig wächst der Markt der sogenannten Labelled Bonds mit hoher Geschwindigkeit. „Sustainable/nachhaltige“-, „Labelled“-, „Green“-, „Blue“- oder „Impact“-Bonds sind Fremdfinanzierungsinstrumente, die von Regierungen, Entwicklungsbanken oder sogar Unternehmen ausgegeben werden, um Kapital von privaten Anlegern zur Finanzierung von umwelt- oder klimabezogenen Projekten wie Erneuerbare Energien oder große Umweltinfrastrukturprojekte zu beschaffen.Alle „Labelled“-Bonds haben den Vorteil, dass im Emissionsprospekt immer genau und explizit beschrieben werden muss, was der Finanzierungszweck ist. Gleichzeitig bieten diese Bonds marktübliche Renditen und Laufzeiten sowie die Bonitäten entsprechend ihres Emittenten. Dies ermöglicht es gerade institutionellen Kapitalgebern, gezielt und gemäß ihrer Risiko-Renditevorgaben in Technologien und Projekte, die der Erhaltung oder Wiederherstellung der Biodiversität dienen, zielgerichtet zu investieren. Infrastruktur-Projekte und Real-Asset Investitionen (Land/Forstwirtschaft), die zur Erhaltung und Wiederherstellung von natürlichen Ökosystemen beitragen, wie natürliche Küstenschutzprojekte (Mangroven), spezielle erneuerbare Energieprojekte aber auch alternative Agrarmethoden, bieten skalierbare und langfristige Anlagechancen. Sicher stellen Datenbeschaffung, die Messung, die Effizienz und die langfristige Wirkung der Umsetzung noch weitere Herausforderungen dar, dennoch zeigt die Dringlichkeit und die Signifikanz der Bedeutung natürlicher Ökosysteme für den Menschen und die Wirtschaft, dass nur mit der Transformation vieler Industrien und einer Neuausrichtung von öffentlichen als auch privaten Kapitalströmen Lösungen entstehen können.

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