Aktuelle Beiträge zur privaten Kapitalanlage

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Das Basisinformationsblatt

Das Basisinformationsblatt – kurz BIB – über Kapitalanlagen ist Standard und neben dem Verkaufsprospekt zwingend vorgeschrieben. Kurz und knapp und

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Ein Schritt Richtung klassischer Finanzindustrie

Mit 76 Millionen Euro investierten Kapitals in 233 Projekte ist sie nach eigenen Angaben „Österreichs Pionier im Crowdinvesting für Startups und KMU“, die österreichische Conda mit ihrer Münchner Tochtergesellschaft Conda Deutschland Crowdinvesting. Nachdem Conda nunmehr die europäische ECSP-Lizenz, die amtliche Zulassung als regulierter Schwarmfinanzierer erhalten hat, will sie ihre Geschäftsstrategie erweitern. EXXECNEWS sprach mit Conda-CEO Dirk Littig über die Pläne des Unternehmens. EXXECNEWS: Wie wirkt sich das veränderte Marktumfeld (Inflation, Zinsen etc.) auf den Markt für Unternehmens- und Venture-Capital-Finanzierungen aus? Dirk Littig: Insgesamt sehen wir, dass sich das veränderte Marktumfeld – und das sind ja nicht nur steigende Inflation und damit einhergehend steigende Zinsen – massiv auf Unternehmen jeden Alters auswirkt. Multiple Krisen wirken aus vielen Richtungen auf bestehende Geschäftsmodelle ein, meist leider nicht zu deren Vorteil. Unternehmen müssen sich mit vielfältigen Bedrohungen auseinandersetzen. Das geht von Lieferkettenproblemen über Fachkräftemangel bis hin zu Personalkostensteigerungen und natürlich gilt das auch für den Finanzierungsbereich. Erhöhte Kosten bringen zwingend auch erhöhten Finanzierungsbedarf mit sich. Zu diesem erhöhten Finanzierungsbedarf kommen die gestiegenen Zinsen – und damit die Steigerung der Finanzierungskosten aus zwei „Ecken“. Wenn man dann gleichzeitig eine zunehmende Risikoaversion bei klassischen Finanzierungsinstituten beobachtet, steigt massiv die Nachfrage nach alternativen Finanzierungs-lösungen. Dies sowohl in Hinblick auf die Finanzierungsquellen als auch in Hinblick auf die Finanzierungsinstrumente. Viele Unternehmen zeigen sich aktuell deutlich offener für eigenkapitalnahe Finanzierungsinstrumente als in der Vergangenheit. Im Venture Capital Segment sind die Auswirkungen im Grunde seit Beginn des Ukraine-Krieges noch viel dramatischer. Das Segment ist mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Chance auf Finanzierung haben fast nur noch die jungen Unternehmen, die bereits profitabel sind oder aber zumindest sehr kurz davor stehen. EXXECNEWS: Was bedeutet dies für Finanzierungsplattformen im Allgemeinen und für Conda im Besonderen? Littig: Für Finanzierungsplattformen beinhaltet dies die Chance, weit stärker als bislang im Mittelstandssegment Fuß zu fassen. Mittelständische Unternehmen diversifizieren ihre Finanzierungsquellen, stärken ihr Eigenkapital und wollen die Abhängigkeit von Banken verringern. Letztlich geht es ein Stück weit auch darum, ein Angebot auf Augenhöhe zu machen und nicht in der Rolle des Bittstellers zu sein. Diese Chance für alternative Finanzierungsplattformen geht natürlich auch einher mit Anforderungen an die Selektion. Alternative Finanzierungsplattformen werden sich nur dann dauerhaft etablieren, wenn sie sich nicht dazu hinreißen lassen, „schlechte“ Risiken zu nehmen. Es kommt hier also stark auf die Bonitätsanalyse an, um den Investoren auf diesen Plattformen attraktive Chance-Risiko-Profile bieten zu können. Wir bei Conda haben jahrelange Erfahrung in der Bonitätsanalyse von KMU und haben im Zuge unseres Wachstums das entsprechende Team nochmals verstärkt. CONDA ist damit sehr gut positioniert, um Investoren – sowohl retail als auch institutionell – in der Breite Zugang zu der Anlageklasse Mittelstand zu ermöglichen. EXXECNEWS: Wie hat sich die Conda-Plattform seit ihrem Markteintritt entwickelt? Littig: Conda ist mit über zehn Jahren Erfahrung eine der ersten Crowdinvesting-Plattformen im deutschsprachigen Raum. Mit über 50.000 InvestorInnen, mehr als 330 finanzierten Projekten und über 220 Millionen Euro investiertem Kapital ist Conda auch eine der bedeutendsten alternativen Finanzierungsplattformen. Lag der Schwerpunkt in den Anfangsjahren noch stark bei sehr jungen Unternehmen, hat sich Conda mittlerweile zusätzlich im KMU-Segment etabliert. Im Zuge der neu erhaltenen europäischen Lizenz wird Conda noch sehr viel stärker den Mittelstand fokussieren und zu einer ersten Anlaufstelle für Wertpapieremissionen von KMU werden. Ein ebenfalls sehr starkes Standbein stellen die Business Solutions dar – der Geschäftsbereich, der sich mit der Bereitstellung von White Label Lösungen als Platform-as-a-service befasst. Allein hier vertrauen derzeit über 50 Kunden auf die Lösungen von Conda. EXXECNEWS: Was unterscheidet die Plattform von den Wettbewerbern? Littig: Von Beginn an hat Conda im Start-up-Segment den Fokus auf solche Unternehmen gelegt, die zwar skalierbar sind, gleichzeitig aber auch eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Finanzierungsanforderungen aufweisen. Hintergrund dafür ist die Zielsetzung, möglichst wenige Ausfälle von Start-ups aufgrund von verzögerten oder ausgefallenen Finanzierungsrunden sehen zu müssen. Ferner haben wir von Anfang an auch mittelständische Unternehmen adressiert – das Segment, das jetzt klar im Fokus steht. Conda war von Beginn an aktiv in Deutschland, Österreich und der Schweiz und hat so nicht nur cross border Investments ermöglicht, sondern auch viele Unternehmen beim Schritt in einen weiteren Markt begleitet. Unser starkes Technologiestandbein ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Dies ist eine bedeutende Säule unseres Geschäftsmodells und ermöglicht unseren Kunden Zugang nicht nur zu aktueller Technologie, sondern auch zu unserem Marktplatz und unseren Communities. EXXECNEWS: Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich aus der kürzlich erteilten ECSP-Lizenz? Littig: Die kürzlich erteilte ECSP-Lizenz ermöglicht es uns, Wertpapiere bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr und Emittent im Rahmen der europäischen Regulierung zu vermitteln. Das bedeutet in der Praxis, dass wir von der Finanzmarktaufsichtsbehörde in einem EU-Land – in unserem Fall Österreich – beaufsichtigt werden und innerhalb der erwähnten Grenzen EU-weit öffentlich anbieten können. Es sind also vor allem folgende wesentliche Unterschiede festzuhalten: 1.           Regulierung im Wertpapierbereich (gegenüber der Regulierung im Vermögensanlagenbereich in der Vergangenheit) 2.           Regulatorische Harmonisierung (gegenüber national unterschiedlichen Regelungen in der Vergangenheit) 3.           Erhöhte Glaubwürdigkeit (Aufsicht stellt Standards und Anlegerschutz sicher) Diese europäische Regulierung dient dem Ziel, mittelständischen Unternehmen EU-weit vereinfacht Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Umgekehrt ermöglicht sie Investoren EU-weit Zugang zu der Anlageklasse Mittelstand. EXXECNEWS: Sind bereits entsprechende Kapitalanlage-Angebote in Vorbereitung? Littig: Die neue Plattform Conda Capital Market ist Anfang des Jahres unter www.Conda-capital.com gestartet. Die ersten Anleiheemissionen sind bereits in der Zeichnungsphase. In Kürze wird die erste Aktienemission öffentlich zugänglich sein. Aktuell sind wir außerdem dabei, Angebote für interessierte institutionelle Anleger zu entwickeln.  Einen enormen Schub für die Anlageklasse erwarten wir durch „ELTIF 2.0“, die neue ELTIF (European Long Term Investment Fund) Verordnung, die Privatkunden deutlich erleichterten Zugang zu dieser Art Fonds erlaubt. EXXECNEWS: Welche organisatorischen Anpassungen an die ECSP-Regulierung waren auf Seiten von Conda erforderlich? Littig: Der wesentliche regulatorische Unterschied aufgrund der ECSP-Lizenz ist, dass wir nun von der Finanzmarktaufsicht beaufsichtigt werden. Damit einher gehen erhöhte regulatorische Anforderungen und Standards, die vor allem den Anlagerschutz gewährleisten sollen. Wir haben also in gewisser Weise einen Schritt in Richtung der klassischen Finanzindustrie gemacht. Das erhöht einerseits den internen organisatorischen Aufwand, bietet aber andererseits auch sowohl Investoren als auch Emittenten die Gewähr dafür, dass wir

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Anlageberater – Beruf mit Zukunft?

Zum 01. Januar 2024 gab es 40.469 nach § 34f GewO registrierte Finanzanlagenvermittler sowie 315 Honorarfinanzanlagenberater, womit sie insgesamt einen historischen Höchststand erreicht haben. Dennoch mehren sich die Fragen, ob dem Anlageberater weiterhin eine goldene Zukunft bevorsteht. Fragt man Marktteilnehmer, woher diese Bedenken kommen, werden zumeist zwei Schlagworte genannt: 1. Regulierung 2. Digitalisierung und KI. Ich möchte beiden Bedrohungspotenzialen auf den Grund gehen. 1. Überregulierung Anlageberater befinden sich heute bereits in einem durchregulierten Berufsfeld. Jeder Anlageempfehlung gegenüber einem Kunden geht ein engmaschiger Katalog aus Informations-, Aufklärungs-, Frage- und Prüfungspflichten voraus. Die Einhaltung dieser Pflichten gilt es zu dokumentieren und jeweils auf dem aktuellen Stand zu halten. Diese heute schon engmaschige Regulierung hält den Gesetzgeber nicht davon ab, weiter an der Bürokratieschraube zu drehen, wobei wir im Bereich der Finanzmarktregulierung nahezu ausschließlich von dem Europäischen Gesetzgeber sprechen. Geht man von der Begründung aus, die die Europäische Kommission ihrer neusten Gesetzgebungsinitiative im Rahmen der Retail Investment Strategy zum vermeintlichen Schutz des Kleinanlegers angeführt hat, müsste man eigentlich von einem idealen Marktumfeld für qualitativ hochwertige Anlageberatung ausgehen. Die EU-Kommission gelangt zu dem Ergebnis, dass das Finanzwissen der Kleinanleger unzureichend ist und sie sich bisher lediglich im geringen Maß am Finanzmarkt beteiligt haben – lediglich 17 Prozent der Europäer halten Wertpapiere im Vergleich zu 41 Prozent der Amerikaner. Hätte die Kommission eine positive Einstellung zu Anlageberatung, wäre dies jetzt der Moment, eine flächendeckende, stattliche Werbekampagne auszurollen und die europäischen Bürger aufzufordern, sich an ihre registrierten Berater zu wenden, um die Chance der Kapitalmärkte zu nutzen. Wohlwissend, dass es auch das Geld der Kleinanleger bedarf, um die anstehende, gewünschte Nachhaltigkeitstransformation zu finanzieren. Solche Werbekampagnen werden wir wohl jedoch weiterhin lediglich fürs Impfen erleben, oder nur dann, wenn es der Finanzierung des Staatshaushaltes dient. Die Älteren unter den Lesern werden sich noch an die Telekom-Werbekampagne der Bundesregierung mit dem Schauspieler Manfred Krug im Rahmen des Börsengangs erinnern. Der Absturz dieser „Volksaktie“ im Rahmen des Platzens der dot.com-Blase auf Werte von unter zehn Prozent des Einstandskurses ist im Übrigen heute noch ein Grund dafür, warum so viele Kleinanleger in Deutschland den Finanzmarkt weiterhin scheuen.   Damit sind wir beim vermeintlich begründeten Anlass der Retail Investment Strategy – fehlendes Vertrauen in die Finanzmarktintermediäre. Bei einem Großteil der Kleinanleger sieht die Kommission durch eine mehr als fragwürdige Studie dies als Grund der Kaufzurückhaltung bestätigt. Hieraus folgt aus dem paternalistischen Ansatz der Kommission zwingend, dass die Kleinanleger noch stärker vor Anlageberatung zu schützen sind. Am besten sollen sie zu auf Internetplattformen agierenden Selbstentscheidern werden. Da dies aufgrund fehlenden Wissens nicht möglich ist und auch die EU keine Ideen hat, dies mittelfristig zu ändern, soll die staatliche Aufsicht nochmals potenziert werden. Die Schlagworte sind: Europäische Kostenreferenzwerte und behördlich überprüfbare Produktgenehmigungsverfahren, verbunden mit der Pflicht des Beraters, dass „kosteneffizienteste“ Anlageprodukt sowie ein noch günstigeres Alternativprodukt zu empfehlen, welches nicht nur in das vom Berater verantwortete Portfolio passt, sondern eine Portfoliodiversifizierung sämtlicher Anlagen des Kunden berücksichtigt. Kombiniert mit der Drohung, dass in drei Jahren nach Umsetzung dieser Maßnahmen bei Misserfolg doch noch ein Provisionsverbot folgt. Ergebnis: Ja, Überregulierung kann den Beruf des Anlageberaters nachhaltig beeinträchtigen und muss daher auch von jeder verantwortlichen nationalen Regierung als Bedrohung dieses wichtigen Berufsstandes erkannt werden. Es gilt den Wert der Beratung zu erkennen und den Berater als denjenigen zu schätzen, der Finanzwissen der breiten Bevölkerung im Rahmen seiner Tätigkeit vermittelt. Die europäischen Aufsichtsbehörden geben heute schon diese Aufgabe an Berater weiter. Sie fordern von ihm unverblümt, den Anlegern in einfachen Worten die verkorkste Nachhaltigkeitspräferenzabfrage mit ihrem Verweis auf Taxonomie- und Offenlegungsverordnung zu erklären.  Wenn wir eine Transformation der Wirtschaft und der Kapitalanlage zur Nachhaltigkeit wollen, wird dies ohne Anlageberater nicht funktionieren. Deshalb muss die Retail Investment Strategy im Interesse Europas gestoppt werden. Anleger haben heute die Möglichkeit, Berateraussagen viel leichter zu prüfen als noch vor zehn Jahren. Sie hinterfragen Auskünfte und werden auch im Verlauf einer Anlageberatung zunehmend mündiger. Die jederzeit zugänglichen digitalen Informationsmedien geben ihnen hierzu die Chance. Die EU muss die Anleger daher nicht weiter entmündigen. 2. Wird der Anlageberater digital ausgetauscht? Ist Künstliche Intelligenz (KI) Werkzeug oder Wettbewerber? Das sind Fragen, die sich aktuell viele beratende Berufe stellen müssen, nicht nur die Anlageberater, sondern beispielsweise auch Rechtsanwälte und Steuerberater. Hier wird bald zu beobachten sein, dass sich zu standardisierende Vorgänge einfacher und schneller von der KI erledigen lassen. Es ist daher selbstverständlich damit zu rechnen, dass wir von KI optimierte Vorschläge für Investmentfondsdepots sehen werden, die über Robo-Adviser Verbreitung finden. Dieses Angebot wird jedoch vor allem diejenigen ansprechen, die heute bereits zu der Gruppe der sogenannten Selbstentscheider zu zählen sind und ein solches Angebot als nützliche Ergänzung in Anspruch nehmen. Die Gruppe der sogenannten „high net worth individuals“ wird weiterhin eine persönliche Dienstleistung in Anspruch nehmen wollen, weil sie ihrer eigenen herausfordernden Berufs- oder Freizeitaktivität nachgehen. Sie erwarten jedoch in diesem Fall von ihrem Berater, dass er mit dem Werkzeug KI umgehen kann, sei es, dass er damit Anlageempfehlungen überprüft oder aber mittels idealer Visualisierung eine Vermögensberichterstattung erarbeitet. Moderne Berater kommen daher nicht drum herum, sich mit der Entwicklung der Technik auseinanderzusetzen und ihre sinnvollen Angebote auch zu nutzen. Neben den beiden genannten Gruppen, wird es darüber hinaus weiterhin eine breite Personengruppe ganz normaler nachdenklicher Anleger geben, die es bevorzugen, im persönlichen Gespräch das Für und Wider einzelner Entscheidungen zu erörtern und die auch dann, wenn Märkte nicht immer nur positiv verlaufen, die Möglichkeit schätzen, sich mit ihrem Berater über getroffene Entscheidungen rückzuversichern. Auch diese Gruppe wird jedoch zusehends anspruchsvoller und es als selbstverständlich empfinden, dass sie die Möglichkeit haben, ihren Berater auch im Videocall zu erreichen und von diesem inhaltlich und optisch ansprechende Informationen zu bekommen. Die Konkurrenz wird hier nicht schlafen, daher gilt es zwar nicht jedem Trend hinterher zu laufen, aber den Blick für das offen zu behalten, was heute schon geht. Dies kann auch die Arbeit des Anlageberaters deutlich entlasten. Ein heute bereits sehr einfach zu produzierendes Erklärvideo über die aktuelle Marktlage, welches an viele Bestandskunden versendet wird, erspart dem Berater zig gleichartige Telefonate, in denen ein Neugeschäft zumeist nicht

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EU-Kapitalmarkt-Regulierung – Wird dieser Wahnsinn irgendwann aufhören?

Überregulierung und Digitalisierung – das sind die Schlüsselworte, die den Kapitalmarkt, Anbieter und Vertriebe gleichermaßen im Jahr 2024 umtreiben. Immer mehr Vorschriften, immer mehr Bürokratie „made in Brüssel“. Gleichzeitig revolutioniert die zunehmende Digitalisierung bei Finanzprodukten den Finanzvertrieb – Konkurrenz und Chance für die Finanzberatung gleichzeitig. Wie sich Finanzdienstleister bei diesen massiven Herausforderungen positionieren und wie sie die Zukunft des Finanzvertriebes sehen, präsentiert EXXECNEWS in dieser und den kommenden Ausgaben. Die Europäische Kommission beschäftigt rund 32.000 Personen. Diese arbeiten daran, die Lebensbedingungen in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union anzugleichen – unter anderem im Interesse des Klimaschutzes oder des Verbraucherschutzes. Und das bis ins Kleinste: So müssen die Verschlusskappen bei PET-Einwegflaschen fest mit den Flaschen verbunden sein, um eine bessere Plastikmüll-Entsorgung zu gewährleisten. Was ganz wichtig ist! Geschaffen wurde ein komplexes System von Rechtsvorschriften, das nicht nur aus sogenannten Level-1-Regeln wie Richtlinien und Verordnungen besteht, sondern noch ergänzt wird durch Level-2- und Level-3-Vorschriften, die detaillierte inhaltliche und technische Ausführungsbestimmungen enthalten. Eine riesige Bürde, die Finanzdienstleister – einerlei, ob große Organisationen oder Einzelkämpfer – stemmen müssen. Finanzdienstleister haben keine Traktoren, mit denen sie gegen den Regulierungswahn der EU-Kommission protestieren könnten. Regulierungs-Monster „Green Deal“ Ein Beispiel ist der europäische „Green Deal“, mit dem die Wirtschaft hin zu einem umweltbewussten System entwickelt werden soll: Um privaten Kapitalanlegern zu ermöglichen, ihre Investments nach sozialen und ökologischen Kriterien auszurichten, hat die EU-Kommission die Offenlegungsverordnung und die Taxonomieverordnung plus technische Vorschriften erlassen und die Finanzdienstleister verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abzufragen. Nur: Eine Umfrage des AfW Bundesverbandes Finanzdienstleistung, Berlin, bei Vermittlern ergab, dass das Thema 62 Prozent der Anleger egal ist und 16 Prozent es sogar ablehne, über Nachhaltigkeitspräferenzen überhaupt zu sprechen. „Ein Finanzdienstleister muss bei seiner Tätigkeit mittlerweile so viele regulatorische Aspekte, Auflagen, EU-Richtlinien, Prüfverfahren und Dokumentationspflichten berücksichtigen, dass dies letztlich zu Zeitverlusten in der Kundenberatung und zu Kostennachteilen führt“, kritisiert Dr. Frank Ulbricht, Vorstand der BCA AG und Vorstandsvorsitzender BfV Bank für Vermögen AG, Oberursel: „Zudem sind die überbordenden administrativen Prozesse oft ineffizient und unnötig kompliziert. Wird dieser Wahnsinn irgendwann aufhören?“ Seinen Geschäftspartnern stellt er alles an technischer und fachlicher Unterstützung zur Verfügung, damit die Finanzdienstleister dennoch effizient und erfolgreich arbeiten können. Ähnlich sieht es auch Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender der Jung, DMS & Cie. AG, München: „Als Einzelkämpfer hat man es sicherlich immer schwerer, alle regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, ohne die eigene Beratungsleistung und Kundennähe einzuschränken. Insofern ist der Anschluss an einen Pool ein probates Mittel, um die wachsende Regulierungsflut zu bewältigen.“ „Die ständig wachsenden Ansprüche hinsichtlich der Regulatorik sind für freie Vertriebe eine enorme Herausforderung, die nur mit Spezialisierung zu bewältigen ist. Darüber hinaus müssen die Produktanbieter Unterstützung leisten, sowohl im Hinblick auf die Thematik als auch die Abwicklung“, sagt Jörg Busboom, geschäftsführender Gesellschafter der Ökorenta Invest GmbH, Aurich. „Über einen Mangel an regulatorischen Maßnahmen kann man sich nicht beklagen. Grundsätzlich kann niemand gegen eine sinnvolle Regulierung sein, wenn sie dem Schutz des Verbrauchers wirklich dient“, meint Bernhard Stern, Geschäftsführer der Stern Capital GmbH, Villingen-Schwenningen. Aber: „Es geht um die Sinnhaftigkeit regulatorischer Maßnahmen. Wenn Regulierung dem Verbraucher nützt, ist sie sinnvoll. Wenn diese nicht nützt, sondern verwirrt und dennoch vertrieblich umgesetzt werden muss, fehlt das Verständnis und dann fällt auch Schritthalten schwer.“ Freie Vertriebe könnten nur sehr schwer mit der beständig wachsenden Finanzmarktregulierung Schritt halten, urteilt Jörg Kintzel, Vorstandsvorsitzender der Valuniq AG, Hilpoltstein: „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite ist es gut, dass der Markt einer Regulierung unterliegt. So müssen sich Berater wirklich um das Geld der Mandate kümmern, um entsprechend aktiv zu beraten. Auf der anderen Seite gibt es viele bürokratische Hürden, die das Geschäft behindern. Das hält die Vermittler letztlich von dem ab, was sie tun sollen: den Mandanten gut beraten. Bürokratie bewirkt also häufig genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll.“ Regulierungs-Monster „Kleinanlegerstrategie“ Mit der „Retail Investment Strategy“, im Deutschen als Kleinanlegerstrategie bezeichnet, will die federführende EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness die Kapitalmärkte für Privatanleger attraktiver machen. Europäer würden fleißig sparen, aber wenig investieren, meint sie. Womit sie recht hat, was auch eine kürzlich veröffentlichte Erhebung der Commerzbank bestätigt: Gerade 19 Prozent der befragten Sparer legen in Wertpapieren an. Tagesgeld und Sparbuch sind nach wie vor die Anlagefavoriten. McGuinness zieht auch den internationalen Vergleich: Während europäische Privathaushalte nur zu 17 Prozent in Wertpapiere investiert, sind es in den USA 43 Prozent. Ob der eingeschlagene Weg aber der richtige ist, dass wird zumindest von der deutschen Finanzdienstleistung bezweifelt: So würde unter anderem das Informationsblatt, das Finanzkunden vor Vertragsabschluss zwingend auszuhändigen ist, noch komplizierter werden. Anlageberater müssen ein breites Spektrum an Produkten – darunter auch verbindlich ein deutlich kostengünstigeres – anbieten. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA European Securities and Markets Authority und die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA European Insurance and Occupational Pensions Authority sollen „benchmarks“, Kennziffern, entwickeln, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis definieren sollen. „Mit der Retail Investment Strategy hat sich die EU-Kommission bedauerlicherweise erneut auf einen bürokratischen Irrweg begeben“, meint Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa, Berlin, in einem Positionspapier zur Kleinanlegerstrategie: „Die beabsichtigten Maßnahmen sind weder geeignet das Ziel der größeren Beteiligung von Kleinanlegern am Kapitalmarkt zu fördern und deren finanzielle Bildung zu steigern, noch stärken sie die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf den globalen Finanzmärkten. Dies kann nicht mit ausufernder Regulierungswut erreicht werden – im Gegenteil könnte die Kapitalmarktunion durch die Bürokratieflut seine Akzeptanz bei Bürgern und Unternehmen verlieren.“ Scharf auch seine Kritik an den neuen Beraterpflichten: „Die vorgesehene Verpflichtung der Berater, dem Interessenten nicht nur ein geeignetes Produkt, sondern ergänzend ein weiteres vermeintlich ebenfalls geeignetes kostengünstigeres Produkt mit einem abgesenkten Leistungsspektrum anzubieten, ist eine realitätsferne Illusion von Theoretikern ohne Praxisbezug. Sie führt in ihrer Umsetzung automatisch zu einer Verdoppelung der dem Kunden auszuhändigenden und zu erläuternden Produktinformationen.“ Klar ablehnend auch die Meinung von Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung, Berlin: „Bei Umsetzung des Kommissionsvorschlages würden die Kleinanleger und mit ihnen ein ganzer kundenorientierter und qualifizierter Berufsstand – die Versicherungsmaklerinnen und -makler geschädigt. Das muss verhindert werden!“ Die Kleinanlegerstrategie war auch kürzlich Gegenstand einer öffentlichen Anhörung des

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Social Investment

Die Herausforderungen für Stiftungen als institutionelle Anleger sind vielfältig. Zunehmende gesetzliche Regularien, Reportingpflichten und dazu noch die eigenen Werte, nach denen die Stiftung anlegen möchte. Unser leitender Redakteur Achim Griesel sprach mit Achim Lange, Vorstand Finanzen, Verwaltung und Personal bei der Zeit Stiftung Bucerius, über seine Erwartungen an 2024. Nach welchen Kriterien treffen Sie und Ihr Team Anlageentscheidungen? Achim Lange: Wir streben eine möglichst große Streuung an – sowohl bei den Assetklassen als auch bei der regionalen Aufteilung. Unsere Asset Manager erhalten die Aufgabe, in den einzelnen Segmenten die zuvor definierte Benchmark zu schlagen und Alpha zu generieren. Unsere Asset Manager setzen dies in einzelnen Spezialfonds um. Dabei nehmen wir eine CO2-Reduktion im Portfolio durch die Eliminierung der Co2-intensivsten Unternehmen vor. Bei der Zeit Stiftung Bucerius vermeiden wir zusätzlich Investitionen in – nach unseren Grundsätzen – moralisch bedenkliche Staatsanleihen beziehungsweise Staatsnahen Unternehmen, wie aktuell zum Beispiel Polen, Ungarn und Russland. Wie wählen Sie neue, interessante Produktangebote aus? Lange: Für mich gibt es da einen Unterschied zwischen Trend und Opportunität:  Die Asset Manager sind frei in ihren Entscheidungen, aber als Zeit Stiftung Buceriusmüssen wir bei Trends nicht die ersten sein, die einsteigen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für institutionelle Kapitalanleger im Jahr 2024? Lange: Die Frage ist aus meiner Sicht nicht so eindeutig zu beantworten, da ich die langfristige Asset-Allokation im Blick habe. Daher schaue ich langfristiger auf Entwicklungen und nicht so sehr auf kurzfristige Veränderungen innerhalb eines Jahres. So gesehen denke ich, dass der Aktienmarkt zwar volatil, aber stabil bleibt. Beim Immobilieninvestment rechne ich mit einer schwarzen Null: auf der einen Seite steigende Mieten (zum Teil durch indexierte Mieten), dagegen wirken dann leichte Abwertungen im Bestand. Wie sehen Sie die regulatorischen Anforderungen an ESG und Nachhaltigkeit? Lange: Bei zu großer Konzentration ESG-konformer Titel und Produkte kann die Rendite in der Gesamtperformance und Streuung fehlen. Einer der Gründe, warum eine zu hohe Regulierung aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist. Ich hoffe, dass die Regulatorik unser Handeln in Zukunft möglichst wenig beeinflusst, denn die Frage sollte dabei immer sein, wie sich dadurch die Welt verändert. Beispiel RWE/Kohleverstromung: Keine Aktien von RWE im Portfolio zu haben, bedeutet nicht gleich weniger CO2 Ausstoß durch RWE. Hier stellt sich für mich auch die Frage der Effizienz:  Investiere ich mein Geld, um Gutes zu tun, oder lege ich mein Geld an, um mit der Rendite Gutes zu tun. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Zukunft der drei Komplexe E(nviromental), S(ocial) und G(overnance)? Wie geht Ihre Stiftung, die sich aktuell sehr prominent mit dem Manifest „Bildung ist Bürgerrecht“ für die Umsetzung des Grundrechts auf Bildung einsetzt, mit der Gewichtung der Bereiche um? Lange: Aus meiner Sicht wird das „Social“ zunehmend wichtiger – und gute Bildung ist die Grundlage unserer Zukunft, daher liegt uns dieses Thema so am Herzen. Was können die größten Chancen für Investoren im Jahr 2024 sein? Lange: Entweder sind Aktien zu teuer oder die Welt zu unsicher, daher sehe ich auch immer die Langfristigkeit und nicht die Begrenzung auf das Kalenderjahr. Wir haben Aktien in unserem Portfolio mit bis zu 50 Prozent gewichtet. Damit sind Aktien unsere größte Assetklasse und bilden unser langfristiges Fundament im Portfolio. Stiftungen, Vereine, gGmbHs und alle anderen Non-Profit-Organisationen eint bei der Vermögensanlage meist ein Prinzip: Das Geld soll rentierlich und sicher angelegt werden, ohne dass große Kosten entstehen, die die Rendite wieder schmälern. Auf welche Assetklassen greifen Sie bei Ihren Anlageentscheidungen zurück, Herr Lange? Lange: Wir streuen breit über alle Assetklassen, darunter Aktien, Anleihen, Private Equity, Infrastruktur und Immobilien, im Direktbestand oder in Immobilienfonds. Allerdings hat auch die Zeit Stiftung Bucerius, wie andere große Stiftungen, illiquide Blöcke, mit denen am Markt nicht gearbeitet werden kann, die zum Teil nur eine soziale Rendite erzielen. Was ist Ihnen persönlich für den Jahresstart sonst noch wichtig? Lange: Mich bewegen die Landtagswahlen in Ost-Deutschland und die möglichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen daraus. Darüber hinaus schaue ich mit großer Besorgnis auf die Entwicklung des Kriegs in Osteuropa und die Stabilität der Demokratie in den Vereinigten Staat nach der US-Wahl im Herbst 2024. Hier wünsche ich mir wieder mehr Stabilität und Verlässlichkeit, um wieder besser planen zu können. Unser Interviewpartner: Achim Lange ist seit 2021 Vorstand Finanzen, Verwaltung, Personal der Zeit Stiftung Bucerius. Zuvor leitete Lange unter anderem das Portfoliomanagement im Bereich Private Banking der Hamburger Sparkasse (HASPA).

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Fremdkapitallücke erhöht den Druck auf die Immobilienbranche

Für den Zeitraum von 2024 bis 2030 prognostiziert Colliers eine Fremdkapitallücke von 25,3 Milliarden Euro zur Refinanzierung von Gewerbeimmobilien in Deutschland. Davon entfallen rund 70 Prozent auf Büroimmobilien und rund 60 Prozent der aufklaffenden Finanzierungslücke müssen bereits bis 2026 gedeckt werden. Damit nimmt der Restrukturierungs- beziehungsweise Verkaufsdruck am deutschen Markt spürbar zu. Das durch Verkäufe freigesetzte Eigenkapital wird allerdings nicht in gleicher Höhe wieder in den Ankauf von Gewerbeimmobilien investiert werden können, weil es ganz oder teilweise bei der Refinanzierung von anderen Bestandsimmobilien eingesetzt werden muss oder an Eigenkapitalgeber ausgeschüttet wird. Fremdkapitallücke wächst weiter an Eine erste Analyse nach demselben Verfahren hatte Colliers bereits im Mai 2023 vorgelegt. Damals wurde für den gleichen Analysezeitraum 2024 bis 2030 eine Fremdkapitallücke von 24 Millliarden vorhergesagt. Weil der EZB-Zyklus zur Zinserhöhung länger lief und höher ausfiel als im Mai 2023 angenommen und weil die Nettoanfangsrenditen in den meisten Gewerbeimmobiliensektoren stärker angestiegen sind als unter den damaligen Bedingungen ermittelt, hat Colliers seine Prognose angepasst und weist inzwischen eine um 1,3 Milliarden Euro höhere Fremdkapitallücke zur Refinanzierung aus. Das entspricht einem Anstieg um fünf Prozent. Zunahme der Verkaufsaktivitäten zu erwarten Der zunehmende Eigenkapitaldruck bei der (Re-)Finanzierung von Gewerbeimmobilien ist in Gesprächen mit Investoren und Bestandshaltern zurzeit deutlich spürbar. Die Wahrscheinlichkeit der deutlichen Zunahme von Verkaufsaktivitäten ist aktuell vor allem deswegen hoch, weil 15 von 25,3 Milliarden Euro der aufgezeigten Finanzierungslücke bereits bis 2026 geschlossen werden müssen. Nicht jeder Verkauf wird dabei aber gleich auch ein Notverkauf sein, weil die Immobilien nach wie vor ihren Verkehrswert haben und stille Reserven vor allem bei besonders attraktiven Immobilien vorhanden sind. Top 7 erwartungsgemäß besonders betroffen Besonders attraktiv waren und sind für Investoren Immobilien in zentralen Lagen und an den deutschen Top-7-Standorten. Genau diese Metropolen stehen am stärksten vor der Herausforderung der Fremdkapitallücke. 67 Prozent der 25 Milliarden Euro entfallen alleine auf Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Der Marktanteil am gesamtdeutschen Transaktionsvolumen dieser Städte liegt bei 61 Prozent. Insofern ist es wenig überraschend, dass an diesen Investmentdestinationen auch der Großteil der Refinanzierungslücke aufklafft. Große Herausforderung für Büroimmobilien Büroimmobilien weisen mit einer Fremdkapitallücke von rund 18 Milliarden Euro daher den höchsten Anteil an der Fremdkapitallücke auf. Das ist auf den hohen Beitrag am Transaktionsvolumen in den analysierten Jahren sowie stärkere Wertkorrekturen in den vergangenen Monaten zurückzuführen. In den weiteren Sektoren bewegen sich die Fremdkapitallücken auf einem moderaten Niveau und sollten keinen starken Einfluss auf den Transaktionsmarkt haben. Im Logistiksektor summiert sich die Lücke bis 2030 auf gerade einmal rund 0,9 Milliarden Euro. Auch bei Hotel (1,2 Milliarden Euro) sowie im Bereich Fachmärkte und Supermärkte (1,1 Milliarden Euro) liegen die Werte relativ niedrig. Jedoch ist auch in diesen Sektoren von Risiken in Einzelfällen auszugehen, wenn mit sehr hohen Fremdkapitalvolumina investiert wurde oder Annahmen im Business Plan nicht wie erwartet erfüllt werden. Markt bietet weiter gute Opportunitäten Wie aber wird sich die entstandene Fremdkapitallücke auf den Markt der Immobilieninvestments auswirken? Für 2024 ist mit einer leicht positiven Entwicklung der Wert- und Mietpreisentwicklungen zu rechnen. Somit wird auch die Finanzierungslücke wieder etwas kleiner werden. Diese Entwicklung wird zusätzlich begünstigt durch voraussichtlich wieder sinkende Fremdkapitalkosten im Verlauf des Jahres und leichte Rückgänge bei den Bankmargen, wovon die Colliers Prognose ausgeht. Dennoch ist auf Basis der Ergebnisse mit einem spürbaren Gegenwind für den Transaktionsmarkt zu rechnen, da Eigenkapital zu größeren Teilen zur Refinanzierung eingesetzt werden muss und weniger für neue Transak-tionen genutzt werden kann. Trotz der Herausforderungen – und in Teilen sogar gerade deshalb – bieten sich aber für Investoren weiterhin sehr spannende Opportunitäten am Markt. Der entstehende Verkaufsdruck kann dies vor allem in den Jahren bis 2026 begünstigen und für Anleger passende Objekte auf den Markt bringen. Zeitraum von 2018 bis 2023 betrachtet Methodisch hat Colliers die Investmentjahrgänge 2018 bis 2023 am deutschen Gewerbeimmobilienmarkt analysiert. Zur Berechnung wurden die Kapitalwerte im Ankaufsjahr sowie die damals geltenden Finanzierungskonditionen zugrunde gelegt. Bei der Kalkulation der Laufzeit von Finanzierungen hat das Market Intelligence & Foresight Team des Unternehmens eine historisch marktübliche Verteilung angesetzt: 40 Prozent aller Finanzierungen laufen über fünf Jahre, 30 Prozent über sieben Jahre und weitere 30 Prozent der Finanzierungen sind über zehn Jahre fixiert. Unser Autor: Andreas Trumpp FRICS, CREA, ist Head of Market Intelligence & Foresight bei Colliers Germany. Mit rund 18.000 Mitarbeitern in 66 Ländern ist Colliers einer der weltweit führenden Dienstleister für Gewerbeimmobilien sowie Wohn- und Geschäftshäuser.

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