ESG-Qualität von Investments innerhalb von Fondspolicen ist ausbaufähig

Die Fondspolice spielt seit Jahrzehnten eine große Rolle innerhalb der Renten- und Lebensversicherung. Viele Millionen Verträge sind auf diese Weise gestaltet worden und erfreuen sich im Umfeld von Niedrig- und Strafzins immer größerer Beliebtheit. Nun stehen die Anbieter der Produkte für Vermögensaufbau und Altersvorsorge vor einer nächsten großen Herausforderung: Taxonomie und EU-Offenlegungsverordnung, die sogenannte Sustainable Finance Disclosure Regulation.

Welche Qualität bietet das aktuelle ESG-Investmentangebot von Fondspolicen?

Mit der Antwort auf diese Frage beschäftigt sich der „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ bereits zum zweiten Mal. Die Hamburger Beratungsboutique für die Analyse fondsgebundener Versicherungspolicen und Investmentdepots Smart Asset Management Service und das Institut für Vermögensaufbau (IVA), ein Analysehaus aus München mit den Schwerpunkten Portfolioanalysen, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsanalysen, führen dazu ausführliche Analysen zu den insgesamt derzeit 600 angebotenen Einzelfonds und ETF der wichtigsten Anbieter durch. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der angebotenen Produkte sich innerhalb des letzten Jahres mehr als verdoppelt hat, sich allerdings die Qualität zur Erstellung breit diversifizierter Portfolios nicht entsprechend entwickelt hat. Gerade die Hälfte der untersuchten Tarife bietet die Möglichkeit für die individuelle Erstellung robuster und gut diversifizierter Portfolios.

Welche Fonds in welcher Gewichtung im Portfolio?

Das entscheidende Kriterium für den Erfolg von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen ist die Fondsauswahl an sich und das Risiko, das damit einhergeht. Welche Fonds aus dem Anlagespektrum werden vom Berater in welcher Gewichtung ausgewählt – und wie passen sie zu den tatsächlichen Anforderungen des Kunden hinsichtlich Rendite und Risiko? Genau diese Aufgabe ist für die meisten Berater eine Herausforderung. Viele Versicherungsmakler sind keine Investment-Experten und mit der großen Auswahl der Fonds bisweilen überfordert. Der Hintergrund: Die Versicherungsunternehmen stellen zwar größtenteils umfangreiche Fondspaletten zur Verfügung, die Bewertung und Auswahl von Einzelfonds obliegen aber dem Berater. Das fällt vielen Beratern aber schwer, denn sie erhalten aus Haftungsgründen keine individuellen und konkreten Anlageempfehlungen der Gesellschaften für die Zusammensetzung der Police.

Strategische Asset Allokation ist entscheidend

Der professionelle Ansatz für den Bau von individuellen und auf den Kunden ausgerichteten Portfolios ist die Strategische Asset Allokation. Sie ist die langfristige Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen und hat den stärksten Einfluss auf Rendite und Risiko eines Portfolios. Die Strategische Asset Allokation ist für mindestens achtzig Prozent der Rendite und des Risikos verantwortlich und bildet damit das Fundament für den Bau eines langfristig angelegten Portfolios. Dafür wird jedoch ein ausgewogenes Angebot an Einzelfonds und ETF benötigt – sowohl für die Kernanlageklassen wie auch für die Beimischungen von beispielsweise Nebenwerten, die als zusätzliche Renditequelle benötigt werden.

Aktuell bildet das unausgewogene Angebot vieler Versicherer die Achillesferse in den Fondspaletten. Während es in den Kernanlageklassen ein Überangebot an Fonds in den Anlageklassen zum Beispiel bei globalen Aktien und Aktien Europa gibt, sind beispielsweise die Bereiche globale Unternehmensanleihen oder Aktien Japan oft besetzt.

Die neue Dimension: ESG

Mit der zusätzlichen Dimension Nachhaltigkeit wird die Aufgabe insbesondere für die Vermittler nicht einfacher. Viele Kunden und Anleger wollen Gutes durch ihr Geld bewirken. Außerdem treibt die Politik das nachhaltige Investieren voran, unter anderem durch die Taxonomie und der EU-Offenlegungsverordnung, der sogenannten Sustainable Finance Disclosure Regulation. Andererseits sind die Anleger durch die aktuellen Nachrichten zum Thema „Greenwashing“ verunsichert und stellen zu Recht Fragen. Fragen, die die Berater und Vermittler auch nur begrenzt beantworten können. Dabei helfen auch die Selbsteinstufungen der Fondsgesellschaften für ihre Fonds nach Artikel 6, 8 und 9 der Offenlegungsverordnung nicht wirklich weiter.

ESG-Konsens-Rating als Basis für die Bewertung

Für den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ und die Bestimmung der ESG-Ratings der angebotenen Investmentfonds und ETF, fand das ESG-Konsensrating des Instituts für Vermögensaufbau Anwendung. Die Bestimmung eines ESG-Ratings für einen Fonds erfordert die Bestimmung eines ESG-Ratings für jedes einzelne darin enthaltene Wertpapier. Das wiederum erfordert die Bewertung der Nachhaltigkeit aller Aktiengesellschaften und Anleiheemittenten, denen durch den Fonds Kapital zufließt. Die dafür notwendige Datenerhebung und -verarbeitung ist so ressourcenintensiv, dass selbst große Finanzkonzerne dabei auf die Hilfe externer ESG-Ratingagenturen angewiesen sind. Es handelt sich dabei um hochspezialisierte Unternehmen, die die dafür nötigen fachlichen, personellen und technischen Anforderungen besitzen.

Das IVA bildet aus den ESG-Ratings von drei renommierten Agenturen, ISS ESG, Refinitv sowie CSRHub ein Konsensrating und hat daraus ein „5 Stufen Nachhaltigkeitsrating“ entwickelt. Diese fünf Stufen, illustriert durch Bäume, machen es dem Berater wie auch dem Kunden einfacher zu beurteilen, wie nachhaltig die entsprechenden Investmentfonds beziehungsweise die dahinterstehenden Wertpapiere und Unternehmen sind. Denn auch bei einer Anlageentscheidung unter der Prämisse Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG innerhalb einer Fondspolice stehen zwei Aspekte im Vordergrund: die Investmentqualität und die Beratungsqualität. Denn sie entscheidet, ob und wie die Anlage- und Sparziele der Kunden erreicht werden oder nicht. Dazu gehört allerdings neben Transparenz auch die Möglichkeit, Qualität einfach zu erkennen – wie durch den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ mit dem IVA ESG-Konsensrating.

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