Digital Assets als „Gamechanger“ in der professionellen Kapitalanlage?

Daniel Andemeskel in dunklem Anzug und Lila Krawatte

Der Markt für Digital Assets besteht aus mehr als nur Kryptowährungen, sondern umfasst auch tokenisierte Assets. Zunehmende Regulierung dieser Werte stärken den Verbraucher- und Anlegerschutz und damit die grundsätzliche Möglichkeit und Bereitschaft, Digital Assets in der Anlage zu nutzen. Sie erschließen sich damit nicht nur privaten Anlegern, sondern finden auch bei institutionellen Investoren zunehmend Akzeptanz. Mit der Etablierung digitaler Wertpapiere wird einer der zentralen Bausteine der Blockchainstrategie der Bundesregierung sowie des gemeinsamen Eckpunktepapiers des BMF und des BMJV zu elektronischen Wertpapieren umgesetzt. Nach der Einführung des Elektronischen Wertpapiergesetzes (eWpG) im Mai 2021 erwartet der Markt nun die Schaffung einer neuen Marktinfrastruktur zur Ermöglichung der Handelbarkeit von Kryptowertpapieren in Deutschland.

Die Universal Investment Gruppe ist eine der führenden Fonds-Service-Plattformen und Super ManCos in Europa. Mit UI Enlyte bietet die Gruppe eine eigens entwickelte, modular aufgebaute und auf Blockchain / Distributed Ledger Technologie basierte Investmentplattform an. Wir sprachen mit Daniel Ademeskel von UI Enlyte über Anspruch und erwartete Entwicklung.

ENI: Innovationsmanagement, Digitalisierung, Blockchain … Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Aufgabe als Head of Innovation Management bei Universal Investment und als CEO und Co-Founder von UI Enlyte?

Andemeskel: Innovationen zu schaffen, sie für die Finanzbranche zu transformieren und damit neue Services für unsere Kunden zu kreieren, darin besteht für mich die Faszination. Es ist für mich ein kreativer Prozess, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Innovationen fördert und diese mit dem zu begleiten, was Technik inzwischen möglich macht. Genau diese Verbindung ist es, die mich in meinen beiden Funktionen fasziniert: Innovation durch Kreation und Kultur in Kombination mit Technik. Innovation Management bedeutet auch, Bestehendes in Frage zu stellen. Also den Status quo routinemäßig auf den Prüfstand zu stellen, mögliche Ineffizienzen zu ermitteln und sichtbar zu machen. Weil Innovation Management eben auch ein Kulturthema ist, ist der Bereich transversal aufgebaut. Vom Vertrieb über Produkte bis hin zu operativen Themen zieht sich Innovation Management quer durch unser Unternehmen.

Ich traue mich gerne an Themen heran, die im Kontext mit der Finanzbranche zunächst unmöglich scheinen, dann doch funktionieren und für unsere Kunden einen Mehrwert darstellen. Das macht mir großen Spaß, setzt allerdings einen langen Atem voraus, besonders in der Finanzwelt.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Branche in Bezug auf Innovationen oder neue Denkstrukturen recht zögerlich verändert, auch wenn uns in der Zwischenzeit viele elektronische Mittel zur Verfügung stehen. Künstliche Intelligenz (KI) und die Blockchain-Technologie haben dagegen ihren Einzug längst gehalten. Interessanterweise hat der Gesetzgeber schneller auf daraus resultierende Anforderungen reagiert und einen ersten Rahmen geschaffen, als erwartet wurde. Deswegen haben wir UI Enlyte im Dezember 2020 geschaffen als eine der weltweit ersten End-to-End-Investmentplattformen für einen regulatorisch konformen Zugang zu digitalen Assets. UI Enlyte ist, wie Universal Investment auch, ein Enabler. Wir ermöglichen unseren Kunden, unsere Plattform als White-Label-Lösung zu nutzen und somit selbst innovative Services anzubieten und neue Investorengruppen zu erschließen, für die die Investition in digitale Assets eine Selbstverständlichkeit ist. Dieser Ansatz erfordert ein anderes Denken und auch technologisch eine andere Ebene. UI Enlyte kann das leisten. Kurz: Für Investoren, Asset Manager und Fondsinitiatoren ist UI Enlyte das Entree zum Finanzmarkt der Zukunft.

ENI: Was ist UI Enlyte, was ist das Besondere an UI Enlyte und für welche Marktteilnehmenden ist UI Enlyte interessant?

Andemeskel: UI Enlyte basiert auf Blockchain/Distributed Ledger Technology (DLT) und funktioniert als eine modular aufgebaute End-to-End-Investmentplattform für digitale Assets weltweit. Das Besondere ist, dass wir mit UI Enlyte ein ganzheitliches digitales Konzept anbieten. Alle Hauptphasen des Anlage- und Investmentprozesses können digital auf einer Plattform dargestellt werden. Vom Onboarding über die Emission und Transaktion digitaler Assets bis hin zur Administration und dem Reporting.

UI Enlyte ist für institutionelle Investoren, Fondsinitiatoren und Asset Manager gemacht. Diese Investorengruppen profitieren auf unterschiedliche Art und Weise von UI Enlyte. Für institutionelle Investoren steht hier zunächst im Vordergrund, dass sie direkt in Kryptowährungen über einen inländischen Spezial-AIF nach § 284 KAGB investieren und so weiter ihr Portfolio diversifizieren können. Neben der Investition zum Beispiel von Security Token Offerings (STOs) wird mehr und mehr auch die Emission von STOs umgesetzt. Sobald die Verordnung über die Kryptofondsanteile (KryptoFAV) in Kraft getreten ist, ist auch der Erwerb und die Emission von tokenisierten Fondsanteilen für OGAWs und AIFs möglich.

ENI: Digital Assets. Ein Begriff mit vielen Ausprägungen. Was bedeutet „digitale Assets“ im Kontext von UI Enlyte?

Andemeskel: Digitale Assets sind weit mehr als Kryptowährungen. Das Phänomenale an digitalen Assets ist die dahinterliegende Blockchain-Technologie: Diese ist vom Konzept nichts Neues, denn die kryptografische Verschlüsselung gibt es schon seit tausenden von Jahren. Auch Eigentumsrechte wurden früher verbrieft, also beispielsweise mit Füller unterschrieben, gestempelt und dann sorgfältig aufbewahrt. Was sich geändert hat, ist die Art der Verbriefung der Rechte, die Schnelligkeit und die Transparenz aller Handlungen und Schritte der im Prozess Beteiligten – für alle eben sichtbar in der Blockchain.

Mit der Blockchain-Technologie kann Inhaberschaft mit Smart Contracts, also Codierungen, die sämtliche Informationen des Vertrags enthalten, dargestellt werden. Mit diesen Codes kann dokumentiert werden, wie Eigentum übertragen wird. Das gilt für alle Güter, denen man einen Wert zuweisen kann. Losgrößen spielen keine Rolle mehr, und das Universum an Investitionsmöglichkeiten wächst enorm.

ENI: Durch die Einführung des Kryptowertpapiers im Zuge des eWpG wird der Aufbau einer professionellen und performanten Marktinfrastruktur für digitale Assets schon im Jahr 2022 zunehmend relevant. Welche Herausforderungen sehen Sie für UI Enlyte und Ihre Kunden?

Andemeskel: Die DNA von Universal Investment ist der professionelle Umgang mit regulatorischen Anforderungen. Und das seit mehr als 50 Jahren. Unsere Investoren schätzen dieses Know-how sehr und wir tragen es auch mit UI Enlyte weiter. Wir arbeiten mit Gremien, um den regulatorischen Rahmen für die digitale Welt zu transformieren. Die Herausforderung: Manche Aspekte werden schnell seitens der Gesetzgebung ermöglicht, manche brauchen Zeit. Auch in Fragen beispielsweise der Besteuerung von digitalen Assets gilt es Vieles zu berücksichtigen.

Universal Investment agiert als Ökosystem. Mit der zielgerichteten und kontinuierlichen Erweiterung unserer Services, zum Beispiel mit UI Enlyte, UI labs, CAPinside oder ganz neu die Unterzeichnung für die European Fund Administration (EFA) schaffen wir einen „Stoffkreislauf“ für unsere Investoren, Fondsinitiatoren und Asset Manager.

ENI: Digitale Assets, aber auch ESG-Anlagen spielen für Asset Manager und Fondsinitiatoren schon heute eine wichtige Rolle. Für institutionelle Investoren gewinnt beides zunehmend an Relevanz. Diese Investorengruppe wird sich vermutlich ganz neu mit dem Thema Diversifizierung und strategische Asset-Allokation auseinandersetzen müssen. Wie kann UI Enlyte institutionelle Investoren dabei unterstützen?

Andemeskel: Institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Pensionskassen und Versorgungswerke, sind regulierte Unternehmen, für die es besonders wichtig ist, zum einen konforme Angebote anzubieten und zum anderen Möglichkeiten aufzuzeigen, sich auch im regulatorischen Rahmen zu bewegen.

Auch ESG treibt die gesamte Finanzbranche um, und das wird auch so bleiben. Die Asset-Klasse Immobilien spielt bei der Diversifizierung eines Portfolios eine wichtige Rolle und ebenso bei digitalen Assets. Die Beteiligung an ESG-konformen digitalen Immobilienfonds, um so die ESG-konforme Ausrichtung eines Portfolios weiter voranzutreiben, könnte ein Baustein sein, der sich zudem schnell umsetzen lässt. Es gibt also Möglichkeiten für institutionelle Investoren, in digitale Assets zu investieren.

ENI: „Volumen lockt Volumen“ heißt es – die Bereitstellung von Liquidität auf relevanten Handelsplätzen und -plattformen ist eine wichtige Determinante, die die Marktentwicklung der Kryptowertpapiere beeinflusst. Welche Einflüsse sehen Sie noch?

Andemeskel: Schon sehr gut ist, dass wir uns nun im rechtlichen Rahmen bewegen können. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin und das Bundesfinanzministerium haben dafür die Weichen gestellt. Die Nachfrage hatte den Rahmen erfordert, und dieser erfordert die praktische Anwendung. Je mehr etablierte Investoren in den Markt der digitalen Assets einsteigen, desto präziser und klarer gestaltet sich der Markt selbst. Wir sprechen mit vielen institutionellen Investoren über die Vorteile und Risiken, die Anwendbarkeit und die Effizienz von digitalen Prozessen, gerade auch in Bezug auf große Transaktionen oder eben zur weiteren Diversifizierung von Portfolios. Wir bekommen positive Resonanz, wissen aber auch, dass das Thema insgesamt noch einen Moment braucht.

ENI: Der deutsche Gesetzgeber möchte in Europa eine Vorreiterrolle übernehmen. Dadurch werden digitale Assets in Deutschland auch für ausländische FinTechs sowie etablierte Finanzinstitute interessant, die an diesem wachsenden Markt teilhaben wollen. Welche Marktstellung möchte Universal Investment in diesem veränderten Marktumfeld einnehmen?

Andemeskel: Richtig. Die Bundesregierung möchte den Finanzplatz Deutschland weiter stärken, gerade auch im Bereich der digitalen Assets. Und als Teil von Europa ein Asset für Europa schaffen. Das passt auch zur Strategie von Universal Investment, die führende europäische Fonds-Service-Plattform zu werden.

Wir verstehen uns als Europäer und denken Europa. Europa bedeutet ebenso Internationalisierung. Mit einer Idee in Deutschland gestartet, nun international aufgestellt, und mit UI Enlyte und den digitalen Prozessen bieten wir die Möglichkeit, recht unkompliziert auf der ganzen Welt investiert zu sein. Und umgekehrt. Asset Manager und Fondsinitiatoren aus der Welt haben die Möglichkeit, ihre Produkte anzubieten. Wir sind offen für die Welt und treiben das Thema digitale Assets für unsere Kunden und damit sicher auch für Europa ausgehend von Deutschland voran. 

ENI: Welche Akteure werden aus Ihrer Sicht das Finanzmarktumfeld für digitale Assets beeinflussen, und wo steht UI Enlyte?

Andemeskel: Auf der Seite der Investoren gibt es sicherlich die, die sich im Markt für digitale Assets bewegen werden. Je mehr das sind, desto stärker wird sich der Markt verändern und anpassen – wenn der regulatorische Rahmen dies für zum Beispiel institutionelle Investoren ermöglicht. Bei den Fondsinitiatoren und Asset Managern werden es diejenigen sein, die Marktteilnehmer und deren Anforderungen verstehen und entsprechende Fonds entwickeln. Auf Seiten der Techies sind es solche, die die Branche verstehen. Viele FinTech-Start-ups sind sehr von der Technologie getrieben, kommen nicht aus der Finanzwelt und tun sich oftmals schwer mit Themen wie Regulatorik und Verbraucherschutz.

Universal Investment bietet mit UI Enlyte eine End-to-End-Investmentplattform für digitale Assets als Software-as-a-Service-Lösung für Investoren, Asset Manager oder Fondsinitiatoren. Das nächste Ziel ist der digitale Fonds mit einer vollständigen Darstellung über die Blockchain.

ENI: Welche Überschrift würden Sie unserem Gespräch geben?

Andemeskel: Digitale Assets sind in der Finanzwelt angekommen – es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen.

Daniel Andemeskel in dunklem Anzug und Lila Krawatte
Die Universal Investment Gruppe ist eine der führenden europäischen Fonds-Service-Plattformen und Super ManCos  mit über 750 Milliarden Euro administriertem Vermögen, über 2.000 Publikums- und Spezialfondsmandaten und mehr als 1.000 Mitarbeitenden an den Standorten Frankfurt am Main, Luxemburg, Dublin, London, Hamburg und Krakau. Das 1968 gegründete Unternehmen bietet als unabhängige Plattform Fondsinitiatoren und institutionellen Investoren Strukturierungs- und Administrationslösungen sowie Risikomanagement für Wertpapiere, Immobilien und Alternative Investments.
Die Gesellschaften UI Enlyte, UI labs und CAPinside runden das innovative Service-Angebot der Gruppe ab. Das Unternehmen ist Unterzeichner der UN Principles of Responsible Investment und Mitglied im Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. (Stand: 31. März 2022)
www.universal-investment.com

Weitere interessante Artikel