Attraktive Rendite und hohe gesellschaftliche Wirkung – ist das überhaupt möglich?

Bild des Autors

Die Portfolio-Management- und Anlageberatungsgesellschaft EBG Investment Solutions AG (EBG) beschäftigt sich seit 2010 ausschließlich mit dem Aufbau und dem Management von nachhaltigen, renditeorientierten Privatmarktanlagen für institutionelle Anleger. Doch wie lassen sich mit wirkungsorientierten Investments marktgängige finanzielle Renditen erzielen? Darüber sprach unser Co-Herausgeber Hans-Jürgen Dannheisig mit Ralph Kretschmer, dem Gründer und Managing Partner von EBG.

ENI: Lange galt die Devise, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung führten zu Renditeeinbußen oder höheren Risiken. Jetzt sind auf einmal fast alle Produktanbieter ESG-kompatibel und nachhaltig. Wie geht das?

Kretschmer: Attraktive Rendite mit substantieller gesellschaftlicher Wirkung – bei moderatem Risiko – ist möglich, jedoch anspruchsvoll. ESG (Environment, Social, Governance) bedeutet ja einzig, dass diese drei Dimensionen in irgendeiner Weise berücksichtigt werden und eine Berichterstattung erfolgt. Auch Nachhaltigkeit ist ein sehr dehnbarer Begriff. Beide konnten bisher fast uneingeschränkt verwendet werden. Marketingpräsentationen zu entwerfen, um Anlagekunden zufrieden zu stellen, ist einfacher, als Geschäftsmodelle umzustellen. Das beginnt sich nun mit der Sustainable Finance Disclosure Regulation der EU zu ändern. Auch andere Initiativen wie beispielsweise das Impact Management Project sind hilfreich. Damit rückt der Inhalt vermehrt in den Vordergrund. Mit der Zeit werden sich Spreu und Weizen trennen.

ENI: Wo finden Anleger attraktive Inhalte, wenn sie nach zumindest marktkonformer Rendite und Impact suchen?

Kretschmer: Die Welt im Wandel mit dem Megatrend Nachhaltigkeit bietet enorme Anlagechancen mit guten Renditen. Sie erstrecken sich mittlerweile über ein breites Spektrum von Industrien und finden sich in denjenigen Marktsegmenten, die dank nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen mit hohem Impact diesen Wandel ermöglichen und beschleunigen. Gleichzeitig profitieren sie davon finanziell. Nachhaltigkeit wird damit zu einem zusätzlichen, wichtigen Wachstums- und Renditetreiber. Diese Sicht geht weit über den herkömmlichen ESG-Ansatz hinaus, der vorwiegend gewisse Risiken ausschließt und/oder Werthaltungen der Anleger widerspiegelt. Die attraktivsten Anlagen finden sich nach unserer Erfahrung eindeutig im internationalen Privatmarkt, insbesondere im Mittelstand/KMU-Segment und dort verankerten, differenzierten Zielfonds-Strategien. In Private Equity ist das Wachstumssegment am interessantesten. Bereits das erste von EBG zwischen 2011 und 2014 aufgebaute Portfolio weist per Ende 2020 einen Netto-IRR (nach allen Kosten) von über zehn Prozent aus. Bei Realwerten wie Infrastruktur, Immobilien, Wald und Landwirtschaft stehen durchdachte Nischenstrategien im Vordergrund, deren Cashflows stark auf Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wirkung basieren.

ENI: Wandel klingt auch nach erhöhtem Risiko?

Kretschmer: Wenn sich die Welt ändert, wird verharren und abwarten zunehmend riskanter, auch für die Anleger. Denken wir an die Kinderarbeit, Atomindustrie, fossile Energien, Verbrennungsmotoren oder den sich immer stärker abzeichnenden Trend weg von traditionellem tierischen zu alternativem Protein. Regelmäßig Anlagechancen zu verpassen ist zudem auch ein Risiko. Während die alten Industrien viel Ballast mittragen, profitieren die moderneren Anbieter von hohen Wachstumsraten, sind agiler und geniessen viel Sympathie auf dem Absatz- und auf dem Arbeitsmarkt. Auch aus der Perspektive des Risikomanagements drängt sich die Überlegung auf, mittels einer entsprechenden Satellitenstrategie zumindest einen Fuß in die Zukunft zu setzen. Das stärkt die Widerstandsfähigkeit des Gesamtportfolios.

Echte Integration von Nachhaltigkeit im Anlageportfolio ist ja nichts anderes als eine sophistizierte Weiterentwicklung des traditionellen Investierens um eben diese Dimension. Die Umsetzung ist anspruchsvoll. Daran führt jedoch unseres Erachtens nichts vorbei, wenn die treuhänderische Pflicht professionellen Anlegens erfüllt werden soll. Die Fakten unserer Anlagehistorie stehen dazu nicht im Widerspruch: Sogar beim schlechtesten der bisher von EBG selektierten rund 30 Zielfonds im Bereich Private Equity und Realwerte können wir aus heutiger Sicht annehmen, dass zumindest der investierte Betrag (nach Fondskosten) zurückfließt. Mit einem gut diversifizierten Portfolio sorgfältig selektierter, solider Zielfonds bewegen wir uns im Bereich moderater Risiken.

ENI: Worauf kommt es beim Sourcing dieser Zielfonds und Einzelanlagen an?

Kretschmer: Es hat sich ganz klar ausgezahlt, pro-aktiv und wählerisch zu sein und in die Zukunft zu blicken. Die Historie ist auch wichtig, aber beim Megatrend Nachhaltigkeit nicht ausreichend. Wir sehen viele Strategien, Management-Teams und Fonds und erhalten viele Angebote. Die überwiegende Mehrzahl der getätigten Investments haben wir bisher jedoch durch aktive Suche gefunden. Wir fokussieren auf die Besten, mit denen wir auf einer soliden Grundlage und differenziert in den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft investieren können. Es versteht sich von selbst, dass es dazu eines internationalen Radars bedarf, denn die Anlagethemen sind ja zumindest regionaler, wenn nicht sogar globaler Natur. Zudem wollen wir Zeit mit dem jeweiligen Investment-Team verbringen, denn am Ende müssen Kopf und Bauch überzeugt sein, sonst investieren wir nicht. Oft verfolgen wir ein Investment-Team und seine Strategie über mehrere Jahre bevor wir eine volle Due Diligence starten.

ENI: Wie stellt sich die Integration von Nachhaltigkeit und Impact bei EBG dar?

Kretschmer: Nachhaltigkeit und Impact sind seit Beginn der Tätigkeit von EBG ein zentraler Pfeiler und ein wichtiges Differenzierungsmerkmal in der Anlagetätigkeit. Die Integration beginnt bereits beim Recruiting von Mitarbeitern. Im Investmentprozess erfolgt das aktive Sourcing vor dem Hintergrund des Wandels und dem Fokus auf nachhaltige Wachstumssegmente und darauf ausgelegter Investment-Strategien. Zusätzlich vertiefen wir unser Research in gewissen Themenbereichen kontinuierlich, auch mit Bezug auf Co-Investments. In der Commercial und Investment Due Diligence ist Nachhaltigkeit natürlicherweise ein zentrales Element der Diskussion vergangener Transaktionen, der Deal Pipeline, des Engagements des Fondsmanagers mit den Portfolio-Anlagen, des Risikomanagements und des Reportings. In der Legal Due Diligence werden im Side Letter primär Ausschlusskriterien definiert. Beim Monitoring und Engagement mit den Fondsmanagern sind die entsprechenden Nachhaltigkeitsthemen auf der Stufe Sektor/Strategie und Portfolio-Unternehmen ebenso selbstverständlich Bestandteil der Agenda. Schließlich suchen wir die kontinuierliche Verbesserung des Reporting auch hinsichtlich Verfügbarkeit, Relevanz, Vergleichbarkeit und Aggregation der Impact-Daten.

ENI: Was sind häufige Fehler, die Anleger machen? Was lässt sich daraus lernen?

Kretschmer: Insgesamt werden die Bedeutung des Megatrend Nachhaltigkeit – ich meine hier 2.0, also Substanz und Renditetreiber und nicht Greenwashing – und das überdurchschnittliche Potenzial im mittelständischen Privatmarkt stark unterschätzt. Ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor ist Zeit: die besten Opportunitäten erhalten diejenigen Anleger, die früh aufstehen, gezielt vorgehen und effiziente Entscheidungsprozesse aufweisen.

Viele Anleger wählen oft den einfachsten Weg, anstatt systematisch ein gut diversifiziertes Portfolio mit den am besten positionierten Anlagen aufzubauen. Auch sehen wir immer wieder, dass die Due Diligence zu oberflächlich gemacht wird. Mit dem Investment-Team muss man genügend Zeit verbringen, zudem sind auch Legal, Tax und Operations wichtige Aspekte.

ENI: Sie sind nun seit über zehn Jahren am Markt. Was hat sich in der jüngeren Zeit geändert?

Kretschmer: Die Zahl von qualitativ guten, nachhaltigen Privatmarktfonds mit Impact ist deutlich gewachsen und eine solide Diversifikation dadurch einfacher geworden. Jedoch hat gleichzeitig die Gesamtzahl von Zielfonds in diesem Segment noch viel stärker zugenommen und die Auswahl entsprechend anspruchsvoller gemacht. Ab etwa 2018 werden nachhaltige Privatmarkt-Anlagen im Mittelstand von einem sophistizierten Kreis von institutionellen und großen Privatanlegern als interessanter Investment-Ansatz wahrgenommen. Seither erleben wir immer häufiger Situationen mit überzeichneten Fonds. Damit sind frühzeitige Planung und das Relationship-Management mit den Investment-Teams zusehends wichtiger geworden. Teilweise werden heute die Nachfolgefonds erfolgreicher Strategien nur noch den bestehenden Anlegern und einem kleinen Kreis von neuen Investoren angeboten. So profitieren unsere Kunden nun von der über lange Zeit aufgebauten Market Intelligence, dem breiten internationalen Netzwerk und unserem Mission Alignment mit diesen Spezialisten-Teams.

Picture of Ralph Kretschner

Ralph Kretschner

Ralph Kretschmer lic.oec. HSG, CFA, ist Gründer und Managing Partner der EBG Investment Solutions AG (EBG), einer international tätigen Portfolio-Management und Anlageberatungsgesellschaft mit Sitz in Zürich (Schweiz). Er beschäftigt sich seit seiner Diplomarbeit im Jahr 1990 mit nachhaltigem Investieren. Daneben war er rund zwölf Jahre im Bereich Unternehmensfinanzierung und M&A für eine internationale Großbank in London und Zürich tätig. Ralph Kretschmer ist Vizepräsident des Aufsichtsrats und des Anlagekomitees einer Fondsleitungs- und Asset-Management-Gesellschaft mit Fokus auf nachhaltige Immobilien in der Schweiz.

Weitere interessante Artikel