Alternative Investmentfonds und Vermögensanlagen – Teil 4

Zum Jahresanfang befragt EXXECNEWS die Anbieter von alternativen Investmentfonds und Vermögensanlagen nach ihrem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und den Plänen für das kommende Jahr. Zudem werden aktuelle Entwicklungen des Marktgeschehens thematisiert und die Ansichten der Produktanbieter eingeholt. In diesem Jahr nahmen 18 Unternehmen an unserer Umfrage teil.

Fragen an Produktanbieter

4 In den vergangenen Wochen wurde von Sachverständigen öffentlich immer wieder ins Gespräch gebracht, dass die durch das Gerichtsurteil blockierten Finanzmittel des Staates zur Förderung von Zukunfts-Investitionen durch Publikums-Investitionen darzustellen wären. Beispielsweise durch steuerbegünstigte Privatinvestitionen. Wie beurteilen Sie diese Vorschläge? Ist das ein Weg aus der Finanz-Krise des Staates, der gleichzeitig Rendite-Chancen für das Publikum eröffnet?

Alpha Ordinatum: Rein theoretisch könnte dieser Ansatz ein Weg sein, um aus der finanziellen Krise des Staates herauszukommen, während er gleichzeitig Investitionschancen für die Öffentlichkeit bietet. Allerdings hängt der Erfolg stark von der genauen Ausgestaltung der Programme, der Auswahl der Projekte und der effektiven Überwachung ab.

—————————————–

Buss: Grundsätzlich ist jeder Ansatz, der private Investitionen fördert, zu begrüßen. Ob Steuerbegünstigungen hierfür der richtige Weg sind, können wir nicht beurteilen. Noch wichtiger könnte in jedem Fall eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Publikumsinvestitionen sein, gegebenenfalls durch Aufstockung der personellen Kapazitäten.

—————————————–

BVT: Angesichts der historischen Herausforderungen im Bereich Infrastruktur bei gleichzeitig begrenzten finanziellen Ressourcen des Staates ist zu erwarten, dass zukünftig vermehrt privates Kapital zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten eingesetzt wird.

—————————————–

DFI: Wäre theoretisch eine Möglichkeit, man muss abwarten, wie die konkrete Ausgestaltung aussieht. Grundsatzproblem ist aber, dass man dieser Regierung nicht trauen kann, weil sie sprunghaft Entscheidungen fällt, die von heute auf morgen gelten sollen, viel Vertrauen ist hier zerstört (KfW-Förderung Neubau, Erster Entwurf Heizungsgesetz mit Belastung von älteren Mitbürgern unter Ausblendung jahrzehntelang geltender Zusagen, Förderung Elektro-autos), im Ergebnis also eher nein.

—————————————–

Dr. Peters: Wir sind sehr vorsichtig geworden, wenn es um Vorschläge der amtierenden Regierungskoalition geht oder um die Rolle der Politik als verlässlichen Partner der Wirtschaft. Fakt ist, dass private Hände bereits in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Milliarden in wichtige Wirtschaftssektoren wie Immobilien, Transport, Logistik und Erneuerbare Energien investiert haben, obwohl die regulatorischen Anforderungen immer höher wurden. Die Sachwert-investitionen sowohl von institutioneller Seite als auch von Privatanlegern tragen also volkswirtschaftlich betrachtet zum Erhalt unserer Infrastruktur und unseres Wohlstands bei. Über steuerliche Anreize für Investoren lässt sich trefflich diskutieren. Skeptisch sehen wir Steuermodelle, die dahingehend Intransparenz schaffen, ob eine Investition kaufmännisch rentabel und sinnvoll ist. Ebenfalls skeptisch wären wir dann, wenn steuerbegünstigt realisierte Investitionen nach dem Auslaufen von Förderungen nicht mehr finanzierbar wären.

—————————————–

Euramco: Je nachdem wie die Vorschläge letztlich aussehen, könnten sich daraus zusätzliche Investitionschancen ergeben. Dies würden wir nach eingehender Prüfung entsprechend berücksichtigen. 

—————————————–

Hahn: Das sind vielversprechende Ansätze, die weiterverfolgt werden sollten. Auch wir tätigen mit dem großflächigen Einsatz von Photovoltaikanlagen und E-Ladesäulen eine Reihe von nachhaltigen Investitionen, die sich als Zukunftsinvestitionen klassifizieren würden. Eine stärkere Förderung könnte die Investitionstätigkeit weiter anregen.

—————————————–

Hep: Grundsätzlich können Steuerbegünstigungen auf private Investitionen im Bereich Erneuerbare Energien einen Anreiz für Anleger bieten, vermehrt in diese Bereiche zu investieren. Die Akzeptanz der Photovoltaik-Technologie in der Bevölkerung ist mittlerweile sehr hoch. Wesentliche Widerstände gibt es nicht. Inwiefern dies für uns als internationaler Photovoltaik-Projektentwickler, -Bauer und -Betreiber von Vorteil sein könnte, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Unsere Herausforderungen liegen hierbei eher im Bereich der Kommunalpolitik. Wenn wir uns auf die Ebene der Gemeinderäte begeben, wo Projekte abgesegnet werden müssen, dann befinden wir uns zwischen den politischen Fronten: Die eine Seite stimmt grundsätzlich gegen alles, was die andere auf den Weg bringen möchte. Dies hat sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert, aber wir sprechen weiterhin von einer Gesamtentwicklungsdauer bis zur Baureife von zwei bis fünf Jahren. Die deutschen Verfahren sind sehr aufwendig und zeitraubend, obwohl genügend Geld für die Umsetzung dieser Projekte vorhanden ist.

—————————————–

HTB: Die Diskussion über die Nutzung der durch das Gerichtsurteil blockierten Finanzmittel des Staates zur Förderung von Zukunfts-Investitionen durch steuerbegünstigte Privatinvestitionen ist äußerst relevant und vielversprechend. Die Freigabe solcher Investitionen hat das Potenzial, einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen.

Eine strategische Ausrichtung auf Projekte, die sich eigenständig rechnen, würde langfristige Rentabilität gewährleisten. Um diesen Weg effektiv zu gestalten, wäre eine Anpassung der Rahmenbedingungen von Vorteil, beispielsweise durch erleichterte Kreditvergabe und erhöhte Abschreibungen. Diese Maßnahmen könnten nicht nur dazu beitragen, die aktuelle Krise zu mildern, sondern auch Anreize für Investitionen schaffen.

Die Kombination aus steuerbegünstigten Privatinvestitionen und einer optimierten Investitionslandschaft könnte somit nicht nur dem Staat helfen, sich aus der Krise zu erholen, sondern auch renditestarke Chancen für das Publikum schaffen. Dieser Ansatz könnte eine Win-Win-Situation darstellen, bei der sowohl der Staat als auch die Investoren langfristig profitieren.

—————————————–

INP: Die finanziellen Mittel zur Sicherstellung einer funktionierenden, nachhaltigen Gesellschaft können schon lange nicht mehr allein vom Staat gestellt werden. Von privaten und institutionellen Anlegern sind zunehmend Investitionen beispielsweise in den Bereichen Infrastruktur, Energie und – mit Blick auf die für INP maßgebliche Assetklasse – Sozial- und Gesundheitsimmobilien zwingend erforderlich, um die gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Daraus kann eine Win-Win-Situation entstehen; für den einzelnen Investor und für das gemeinschaftliche Wohl aller.

—————————————–

MyHouse: Die getroffene höchstrichterliche Entscheidung ist nachvollziehbar und insgesamt natürlich ein herber Rückschlag für den Standort Deutschland. Privatinvestitionen haben schon in der Vergangenheit geholfen und werden auch weiterhin ein großer Baustein der Investmentlandschaft bleiben. Sobald die konkreten Ausgestaltungen dort vorliegen, werden wir für unsere Investoren und Partner entsprechende Lösungen prüfen, sofern sie unseren Fokus der wohnwirtschaftlichen Bestandsimmobilien betreffen.

—————————————–

Ökorenta: Ganz klar, solche Steuerbegünstigungen wären ein zusätzlicher Treiber für private Investitionen und sicherlich eine weitere Chance für den Sektor. Grundsätzlich muss man konstatieren – und dieser Meinung sind wir schon immer – dass die Transformationsprozesse in denen wir uns befinden, ein riesiges Unterfangen sind, das unmöglich vom Staat finanziert werden kann. Die erforderlichen Hunderte an Milliarden Euro müssen im Wesentlichen aus der privaten Wirtschaft kommen, anders kann dies nicht funktionieren. Wir als Ökorenta leisten gemeinsam mit unseren Anlegern und Investoren einen kleinen Beitrag und können durch unser Beispiel nur bestätigen, dass dies für alle Seiten ausgesprochen vorteilhaft ist. 

—————————————–

Reconcept: Steuern schaffen bekanntlich Anreize für Märkte, Unternehmen wie Investoren, um umzusteuern. Und dass wir in Wirtschaft und Gesellschaft umsteuern müssen, angesichts des Klimawandels wird von Jahr zu Jahr deutlicher und dringender. Die grüne Transformation wird teuer, sie benötigt Investitionen in nahezu beispiellosem Umfang. Doch nicht zu handeln, wird noch teurer – und zwar sowohl für den globalen Süden als auch für den globalen Norden. Insofern – ja, wir halten Steuervorteile für private Investments in grüne Innovation und grüne Projekte für sinnvoll. Denn letztendlich führen sie dazu, dass die Aufnahme von Eigenkapital für Unternehmen, die die Transformation antreiben, erleichtert wird.

—————————————–

US Treuhand: Grundsätzlich sind privat-wirtschaftliche Investitionen öffentlichen Investitionen vorzuziehen, da in der Regel eine höhere Kompetenz bei privat-wirtschaftlichen Maßnahmen vorhanden ist. Ob das allerdings ein Weg aus der Finanz-Krise des Staates ist, wie Sie schreiben, wage ich zu bezweifeln.

—————————————–

Wealthcap: Privates Kapital spielt seit jeher eine Rolle bei wichtigen Investitionen, von der Energiewende und der energetischen Sanierung bis zu nachhaltigen Büroarbeitsplätzen. Das gilt für die Assetklassen Immobilien, Infrastruktur wie auch Private Equity. Solche Sachwerte-Investments bieten das Potenzial, einen positiven Impact und zugleich eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Angesichts des steigenden Investitionsbedarfs im Bereich der Energiewende und anderer Megatrends wie der Digitalisierung, Urbanisierung und anderen wird privates Kapital künftig noch wichtiger werden. Hier sehen wir aber kein „Entweder-oder“, sondern ein „Sowohl als auch“ aus öffentlichen und privaten Investments.

Schreibe einen Kommentar

Weitere interessante Artikel