Alternative Investmentfonds und Vermögensanlagen – Teil 3

Zum Jahresanfang befragt EXXECNEWS die Anbieter von alternativen Investmentfonds und Vermögensanlagen nach ihrem Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und den Plänen für das kommende Jahr. Zudem werden aktuelle Entwicklungen des Marktgeschehens thematisiert und die Ansichten der Produktanbieter eingeholt. In diesem Jahr nahmen 18 Unternehmen an unserer Umfrage teil.

Fragen an Produktanbieter

3 ELTIF (European Long Term Investment Funds) hatten bislang eine eher untergeordnete Bedeutung am Kapitalmarkt. Mit der jetzt in Kraft getretenen Neuregulierung („ELTIF 2.0“) sind sie für international tätige Anbieter attraktiv geworden und werden in diesem Jahr auch verstärkt privaten Anlegern angeboten werden. Sehen Sie in ELTIF eine Alternative, eine Ergänzung oder eine Konkurrenz zu den zwischenzeitlich etablierten AIF? Wie wird sich deren verstärktes Angebot von „private market investments“ insgesamt auf den Markt der Sachwert-Investments auswirken? Gibt es in Ihrem Haus Planungen/Überlegungen hinsichtlich der Auflage von ELTIF?

Alpha Ordinatum: Wir betrachten das Vehikel „ELTIF“ als äußerst interessante Ergänzung zu unserer bisherigen Fonds- beziehungsweise AIF-Reihe. Unsere bisherige Anlagestrategie würde in Form eines ELTIFs einen wesentlich größeren Kreis an Interessenten und Investoren erreichen, gleichzeitig würden bisher ungenutzte Vertriebskanäle erschlossen werden können. Es gibt eine Vielzahl an Vermittlern, deren Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler die Beratung und Vermittlung eines ELTIFs zulässt, jedoch nicht die eines AIF. Entsprechend proaktiv setzen wir uns mit diesem Thema auseinander.

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Buss: Wir prüfen derzeit noch, ob ein ELTIF eine geeignete Strukturierungsform für Containerinvestitionen darstellen kann. Konkrete Überlegungen für eine Umsetzung dazu gibt es aktuell bei uns noch nicht.

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BVT: Wir beobachten die Entwicklung rund um das Thema ELTIF, insbesondere unter dem Aspekt einer ergänzenden Anlagealternative für Privatanleger. Die Auflage eines ELTIF ist bei der BVT Unternehmensgruppe allerdings derzeit nicht geplant. Für institutionelle Investoren sehen wir den Bedarf bei uns nicht. Durch die Änderung der Regelungen für den ELTIF, die ab Januar 2024 gelten, insbesondere durch die Erweiterung des Anlagespektrums und des Wegfalls vieler Hürden für den Vertrieb an Privatanleger kann sich der ELTIF durchaus zu einer attraktiven Anlageform entwickeln. Allerdings sehen wir die Bedeutung von AIF, die sich über die letzten zehn Jahre seit Einführen des Kapitalanlagegesetzbuches gut am Markt etabliert haben, durch ELTIF nicht in Frage gestellt. Hier ergeben sich eher Chancen, ergänzende Zugangsmöglichkeiten zu Sachwertanlagen insbesondere für Privatanleger schaffen zu können. Interessant ist das Thema nach unserer Beobachtung in erster Linie für Bank-Platzierungspartner. Durch die Zunahme digitaler Zeichnungsmöglichkeiten, gerade in jüngerer Zeit, wurde allerdings auch die Zeichnung von AIF mittlerweile deutlich einfacher. Im freien Vertrieb sehen wir die Nachfrage nach ELTIF derzeit nicht.

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DFI: Wir sehen im ELTIF keine Alternative zu unseren klassischen Fonds, dementsprechend keine Überlegungen betreffs Auflegen eines ELTIF.

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Dr. Peters: Wir sehen im ELTIF eine nachvollziehbare Produktergänzung. Vor allem für die Häuser, die sehr großvolumige Investitionslösungen auflegen und diese grenzüberschreitend anbieten wollen. Für unser derzeitiges Geschäftsmodell ist und bleibt der AIF die optimale Verpackungsform. Daher schauen wir uns erstmal in Ruhe an, wie andere Marktteilnehmer mit dem ELTIF umgehen. Letztlich wird es maßgeblich vom Vertrieb abhängen, ob sich der ELTIF als Anlagevehikel in unserer Branche etabliert.

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Euramco: Der ELTIF ist aktuell keine Alternative für uns. Wir bleiben beim geschlossenen AIF.

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Hahn: Wir freuen uns über jede Produktinnovation und eine Belebung des Angebots im Segment der Sachwertinvestments. Jede regulatorische Änderung prüfen wir intensiv. Aufgrund unseres Investmentfokus auf in Deutschland gelegene Immobilien und unserer überwiegend inländischen Kundschaft können wir aktuell noch nicht von den Vorzügen dieser Investmentform profitieren.

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Hep: Wir sehen den ELTIF aktuell als Ergänzung zu den bestehenden AIF. Das Thema ELTIF ist für Anleger aber auch für Vertriebe spannend, denn der Kapitalbedarf für den Ausbau Erneuerbarer Energien ist enorm. Auch wir beschäftigen uns mit ELTIFs und schließen das Thema für uns nicht aus.

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HTB: Ja, der ELTIF kann als äußerst interessante Alternative beziehungsweise Ergänzung zu bestehenden Anlagevehikeln betrachtet werden, insbesondere im Bereich der Sachwerte. Ein faszinierender Aspekt ist unserer Ansicht nach die Möglichkeit, durch ELTIF neue Zielgruppen, wie zum Beispiel professionelle Anleger, für unsere Anlagethemen zu begeistern und zu erreichen.

Obwohl es noch Zeit brauchen wird, dürften die ersten ELTIF dem Markt der Sachwert-Investments neue Impulse verleihen und das Interesse verstärken. Dies bietet Anlegern die Chance, ihr Portfolio zu diversifizieren. Wir beobachten den Markt daher intensiv und prüfen, welche Investmentstrategien in Verbindung mit Immobilien sich sinnvoll mit einem ELTIF umsetzen lassen.

Durch diese Überlegungen ermöglichen wir unseren Anlegern nicht nur eine breitere Streuung ihres Portfolios, sondern bieten auch die Aussicht auf innovative Investmentmöglichkeiten. Wir sind gespannt darauf, wie sich der ELTIF-Markt entwickelt und planen, diese Entwicklungen aktiv in unsere Investmentstrategien einzubeziehen.

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INP: Neue attraktive Anlegemöglichkeiten sowohl für private als auch für institutionelle Investoren sind grundsätzlich zu begrüßen und bereichern den Markt für Kapitalanlagen. Mit ELTIF 2.0 eröffnet sich nunmehr vor allem für Privatinvestoren ein erleichterter Zugang zu verschiedenen Assetklassen. Wir sehen darin weniger eine Konkurrenz zu den „klassischen“ Alternativen Investmentfonds, für die unser Haus steht, sondern ein ergänzendes Anlagevehikel. Konkrete Überlegungen zur Auflage eines ELTIF gibt es bei INP aktuell nicht.

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MyHouse: Nach der Anpassung der Regulatorik sehen wir den ELTIF für Anbieter als herausragende Möglichkeit, um das Angebot für Anleger mit einer attraktiven Produktlösung zu erweitern. Wir begrüßen die vorgenommenen Anpassungen und sehen den ELTIF als Lösung neben den klassischen AIF. Unsere Analysen für einen ELTIF laufen bereits und wir werden kurzfristig in die Detailplanung gehen.

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Ökorenta: Ich sehe in ELTIF keine Konkurrenz zu Alternativen Investmentfonds, eher sind sie eine Ergänzung und eine weitere Möglichkeit für Anleger, ihr Portfolio zu diversifizieren. Konkret haben wir in unserem Haus für 2024 keinen ELTIF in der Planung, das Thema aber auf unserer längerfristigen Agenda. Auf jeden Fall werden wir einen ELTIF nur in Kooperation mit einem Partner auflegen, dessen Expertise im Bereich der liquiden Assets liegt. Aktuell führen wir Gespräche mit entsprechenden Häusern.

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Paribus: Wir sehen die diversen Verbesserungen bei ELTIFs im Rahmen der Neuregulierungen sehr positiv. Wir erwarten diesbezügliche eine marktstimulierende Wirkung. Wir verstehen den ELTIF aufgrund seiner Anlagegrenzen als komplementäres Produkt zum AIF, da Einzelobjektfonds im ELTIF nicht darstellbar sind. Wir prüfen derzeit die Möglichkeiten der Auflage von ELTIFs durch Paribus.

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Reconcept: Nein.

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RWB: Wir empfinden die ELTIF-Novelle als positive Entwicklung, weil sie den Private Markets in der Breite zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen kann. Wichtig ist allerdings, dass der ELTIF eine Ergänzung und aufgrund seiner Anlagebeschränkungen keine echte Alternative zum AIF ist. Ein Großteil unseres US-Exposures etwa lässt sich aktuell mit einem ELTIF nicht umsetzen. Insofern müssen sich Anleger bewusst sein, dass dieser Aspekt der geografischen Diversifikation eingeschränkt ist.

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US Treuhand: Ein ELTIF ist nichts anderes als ein AIF mit bestimmten Merkmalen und der Zulassung im EU-Raum. Da wir auf den deutschen Markt fokussiert sind, ist der ELTIF zunächst keine Option für uns.

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Wealthcap: Der ELTIF ist eine sinnvolle Ergänzung bestehender Fondsvehikel und -instrumente. Er punktet insbesondere durch sein Potenzial für länderübergreifende Platzierung und die damit einhergehende Erschließung neuer Märkte und Kunden. Allerdings kann der ELTIF bestimmte Anlagestrategien nicht abbilden, dazu gehören beispielsweise Geschlossene Fonds mit weniger als fünf Objekten. Er hat damit eine ergänzende, aber keine ersetzende Funktion.

Die Reform (ELTIF 2.0) dürfte dafür sorgen, dass Sachwerte und Alternatives in der Beratung von Privatkunden deutlich präsenter werden und ihre relative Nische verlassen könnten. Für den Real-Assets-Investitionsmarkt ist das durchaus eine gute Perspektive, besonders Alternative Investments oder Infrastrukturprodukte könnten aus unserer Sicht profitieren.

Die Prüfung einer ELTIF-Struktur ist Teil unserer Produktentwicklungsstrategie; daher beobachten und analysieren wir die regulatorischen Änderungen sowie den Markt sehr genau.

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