Tag: 22. Mai 2024

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Distributed-Ledger-Technologie Besonderheiten

Die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) revolutioniert den Finanzmarkt und bietet innovative Möglichkeiten zur Emission und Verwaltung von Finanzanlagen in Form von Token. Finanzunternehmen, die diese Technologie nutzen möchten, müssen jedoch eine Vielzahl technischer und rechtlicher Besonderheiten im Blick behalten und Anleger über damit verbundene Risiken aufklären. Hier sind die wichtigsten Aspekte aus anwaltlicher Sicht, die technikaffine Emittenten und Finanzintermediäre berücksichtigen sollten. Derzeitige technische Besonderheiten 1. Sicherheitslücken: DLT-Systeme sind attraktiv für Cyberangriffe. Schwachstellen im Code der Blockchain oder des Smart-Contracts können zu Hacks und dem Verlust von Token führen. Beispiel: DAO-Hack. Investitionen in erstklassige Sicherheitslösungen und regelmäßige Sicherheitsaudits sind unerlässlich. 2. Netzwerkstabilität: Netzwerkausfälle oder Überlastungen können die Stabilität des DLT-Netzwerks beeinträchtigen. Dies könnte den Zugang zu Token einschränken und die Handelbarkeit beeinträchtigen, also Notfallpläne und robuste Netzwerkarchitekturen essenziell. 3. Interoperabilität: Viele DLT-Plattformen sind nicht kompatibel, was die Integration und Übertragung von Token erschwert. 4. Forks: Änderungen im Protokoll einer Blockchain können zu einer Spaltung in zwei Ketten führen, was Unsicherheit und Instabilität verursacht. Die Nutzung von Blockchains, die klare Governance-Strukturen zur Vermeidung und Verwaltung von Forks haben, bringt Vorteile. Zukünftige technische Risiken 1. Technologische Entwicklung: Die rasante Entwicklung der Technologie könnte bestehende DLT-Systeme schnell veralten lassen. Investitionen in und die Bereitschaft auf neue Technologien zu migrieren, führen zu Folgekosten. 2. Quantencomputing: Fortschritte im Quantencomputing könnten aktuelle kryptografische Sicherheitsmechanismen bedrohen. Investitionen in quantensichere Algorithmen sind erforderlich. 3. Regulatorische Anpassungen: Neue regulatorische Anforderungen könnten technische Anpassungen und Investitionen notwendig machen. Flexibilität und proaktive Anpassung an regulatorische Änderungen sind wichtig, um Compliance sicherzustellen. Rechtliche Besonderheiten bei Distributed-Ledger-Technologie 1. Wahl des Aufsichtsregimes: Es gibt mindestens drei verschiedene Klassen von DLT-basierten Token mit unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen. Nicht optimale Ausgestaltung kann zu Mehrkosten führen, wie z.B. die Pflicht zur Vorhaltung von Eigenmitteln für Emittenten. Emittenten von vermögenswertreferenzierten Token (ART) müssen mindestens 350.000 Euro oder zwei Prozent ihres Reservevermögens als Eigenmittel vorhalten. 2. Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG): DLT-basierte Token in Form von Wertpapieren müssen den Vorschriften des eWpG entsprechen. Dies beinhaltet die Einhaltung der Anforderungen an das elektronische Wertpapierregister und die Pflicht zur Einbindung regulierter Finanzintermediäre. Transparenzvorgaben erfordern die Offenlegung relevanter Informationen, um Anleger zu schützen und Vertrauen zu stärken. 3. Kryptowerte nach MiCAR: MiCAR wird einheitliche Regeln für den EU-Kryptomarkt außerhalb des MiFID-Regimes einführen. Kryptowerte-Emittenten und Dienstleister für solche Token müssen die MiCAR-Zulassungsanforderungen erfüllen, einschließlich Registrierung bei zuständigen Behörden und Einhaltung spezifischer Anforderungen. MiCAR bringt umfassende Offenlegungspflichten mit sich, um Transparenz und Anlegerschutz zu gewährleisten. 4. Sonstige kryptografische Instrumente: Deutschland wird die Regulierung von Krypto-Dienstleistern und Emittenten außerhalb der MiFID- und künftigen MiCAR-Strukturen verschärfen. Handelsplattformen, Verwahrstellen und andere Dienstleister im nicht EU-rechtlich regulierten Krypto-Asset-Bereich müssen die Anforderungen des KWG erfüllen, einschließlich finanzieller Solidität und ordnungsgemäßer Geschäftsorganisation. Emittenten kryptografischer Instrumente benötigen möglicherweise eine Erlaubnis. Nichteinhaltung kann zu rechtlichen Konsequenzen führen. 5. Risiken bei der Nutzung von Permissioned Blockchains für Smart Contracts: Permissioned Blockchains bieten zwar mehr Kontrolle bei regulatorischen Vorgaben, aber auch weniger Transparenz als öffentliche Blockchains. Dies könnte das Vertrauen der Anleger beeinträchtigen, die eine offene und nachvollziehbare Transaktionshistorie erwarten. In einer permissioned Blockchain haben nur ausgewählte Teilnehmer Schreibrechte, was dem Gedanken der Dezentralisierung widerspricht und ein rechtlich relevantens Risiko darstellt. Smart Contracts auf permissioned Blockchains können komplex und schwer zu auditieren sein, was bei Fehlern im Code zu erheblichen finanziellen Verlusten führen kann. 6. Pflichten für Emittenten und Finanzunternehmen: Emittenten müssen sicherstellen, dass ihre Distributed-Ledger-Technologie basierten Token den geltenden Vorschriften zum Vertrieb entsprechen, insbesondere den Vorschriften des eWpG und der MiCAR. Umfassende Offenlegungspflichten dienen der Transparenz und dem Anlegerschutz. Neben MiCAR und den Wertpapier-Vorschriften müssen Finanzunternehmen die Vorgaben des Digital Operational Resilience Act (DORA) zur Stärkung ihrer digitalen operativen Resilienz umsetzen. Regelmäßige Updates und Audits der technologischen Infrastruktur sind unerlässlich. Fazit Durch die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften und die Berücksichtigung der technischen Besonderheiten können Emittenten und Finanzintermediäre das Potenzial von DLT-basierten Token ausschöpfen und gleichzeitig deren Akzeptanz bei Anlegern steigern. Eine enge Zusammenarbeit mit rechtlichen Beratern und technischen Experten ist erforderlich, um sicherzustellen, dass alle relevanten Anforderungen erfüllt werden und die Integrität der DLT-basierten Token gewährleistet ist. Rechtsanwalt Dr. Matthias Gündel ist Geschäftsführer der auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Kanzlei GK-law.de. Er berät sowohl Crowdfunding-Emittenten als auch Plattformen umfassend – von der Produkt-/Angebotsstrukturierung/Entwicklung der Geschäftsidee über Emission bis hin zu Vertrieb und Platzierung.

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Was die Blockchain leisten soll

Blockchain Technologie verspricht Transparenz, Sicherheit und Effizienz bei der Art und Weise, wie Daten erfasst, gespeichert und übertragen werden. Die Blockchain bietet damit als digitale Infrastruktur eine hoch effiziente und sichere Methode zur Datenintegritätsprüfung – sollte dabei aber wirklich nachhaltig sein. Im Zeitalter der digitalen Transformation hat die Blockchain-Technologie einen besonderen Platz eingenommen. „Eine Blockchain ist eine spezielle Datenbank, in der Transaktionen von mehreren Benutzern verwaltet werden. Die Daten werden in einzelnen Blöcken aneinandergereiht – wobei neue Datenblöcke am Ende angehängt werden – und so auf den Rechnern im Netzwerk gespeichert. Durch den Einsatz kryptographischer Methoden bleibt diese chronologische Reihenfolge stets erhalten und jede nachträgliche Manipulation an den Daten kann sofort entdeckt werden“, heißt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Blockchain-Technologie bietet eine dezentralisierte Datenbank Oder anders gesagt: Die Blockchain ist ein dezentrales Register oder ein digitales Buch, in dem Transaktionen in einer sicheren, transparenten und unveränderlichen Weise aufgezeichnet werden. Jeder Block in der Kette enthält eine Anzahl von Transaktionen. Und jeder neue Block wird an die Kette angehängt, was eine fortlaufende Historie aller bisherigen Transaktionen bildet. Die Dezentralisierung spielt eine entscheidende Rolle, da sie bedeutet, dass die Daten nicht zentral gespeichert, sondern über ein Netzwerk von Computern verteilt werden. Dies macht die Daten nicht nur schwer zu manipulieren, sondern auch widerstandsfähig gegen Ausfälle oder Angriffe. Ein Kernbegriff ist das „Ledger“, das Transaktionen in einer sicheren, transparenten und unveränderlichen Weise aufzeichnet. Nutzer setzen bei der Blockchain auf die Sicherheit und Integrität Kryptowährungen wie Bitcoin sind übrigens die erste und bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie. Kryptowährungen nutzen die Blockchain für die Aufzeichnung aller Transaktionen in einem dezentralen und fälschungssicheren Ledger. Die Blockchain eröffnet damit Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Finanzprodukte, zum Beispiel digitale Assets und Tokenisierung von realen Vermögenswerten. Durch die Automatisierung von Prozessen mit Smart Contracts und die Reduzierung von Zwischenhändlern können Banken erhebliche Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen realisieren. Internationale Überweisungen, die traditionell Tage dauern und hohe Gebühren erfordern, können beispielsweise schneller und günstiger abgewickelt werden. Dabei spielt das Vertrauen eine besondere Rolle, allerdings in einem anderen Kontext als im traditionellen Bankwesen. Anstatt auf zentrale Autoritäten (wie Banken) zu vertrauen, setzen Nutzer bei der Blockchain auf die Sicherheit und Integrität der Technologie selbst – Vertrauen wird also durch mathematische Algorithmen und Konsensmechanismen erzeugt. Die öffentliche Einsicht in alle Transaktionen (bei öffentlichen Blockchains) erhöht die Transparenz und ermöglicht es jedem, die Integrität des Systems zu verifizieren. Einmal in die Blockchain eingetragene Daten können nicht nachträglich verändert oder gelöscht werden, was das Vertrauen in die Authentizität und Beständigkeit der Aufzeichnungen stärkt. Blockchain macht finanzielle Vorgänge mathematisch sicher und gerichtsfest Das gilt zum Beispiel im Spendenwesen. Durch eine spezielle Blockchain-Technologie können bei allen digitalen Spendenvorgängen eindeutige Identifikationsnummern als papierlose Belege zugewiesen werden. Eine wesentliche Funktion der Blockchain ist, die Existenz bestimmter Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beweisen, um eine unveränderliche und überprüfbare Aufzeichnung zu gewährleisten. Durch diese Art von Stempel werden alle digitalen Spendenvorgänge revisionssicher, also mathematisch sicher und gerichtsfest. Es erlaubt auch die Prüfung und Kontrolle von Blockchains und ist ideal für revisionssichere Dokumentation, Plausibilitätsprüfungen, Datensicherung sowie Filesharing-Systeme. Das macht die Blockchain-Technologie, speziell in diesem Bereich eingesetzt, auch sehr interessant für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, da zudem sichergestellt ist, dass alle Transaktionen tatsächlich auch durchgeführt werden und sämtliche Dokumentations- und Compliancepflichten, auch hinsichtlich des Geldwäschegesetzes, erfüllt werden – Stichwort Vertrauen! Nutzer erhalten somit eine digitale Infrastruktur als hoch effiziente und sichere Methode zur Datenintegritätsprüfung. Diese ermöglicht es, die Authentizität einzelner Datenelemente schnell, offlinefähig und dezentral zu verifizieren, ohne den gesamten Datensatz transportieren und prüfen zu müssen. Das spart Speicherplatz und Rechenressourcen, während gleichzeitig Datenschutz und chronologische Datenaufzeichnung gewährleistet werden. Übergang zu energieeffizienteren Konsensmechanismen entscheidend Das Geniale an der Blockchain ist gleichzeitig ihre größte Schwäche. Die zugrundeliegende Proof-of-Work-Technologie ermöglichte zum ersten Mal ein wirklich dezentrales System, in dem die einzelnen Teilnehmer nicht von einer obersten Autorität zugelassen werden müssen. Jede und jeder kann jederzeit teilnehmen. Statt einer obersten Aufsichtsbehörde ist die Einlasshürde physisch greifbar: Stromverbrauch. Je mehr Strom man verbrennt, desto mehr kann man teilnehmen. Die große Kehrseite ist, dass das zu einem enormen Energieverbrauch führt. Bitcoin zum Beispiel verwendet zurzeit ungefähr 170 Terawattstunden Strom pro Jahr, das entspricht etwa dem Gesamtenergieverbrauch von Polen. Eigentlich wäre das gar nicht nötig. Wirklich dezentrale Systeme gibt es außerhalb der theoretischen Informatik kaum. Jede real existierende Anwendung hat irgendeine Art von Leitungsgremium, Kontrollinstanz, oder Mitgliederversammlung. Der Übergang zu energieeffizienteren Konsensmechanismen bietet sich daher an. Viele neue Blockchain-Projekte konzentrieren sich auf die beste Eigenschaft, nämlich die nachweisbar unverfälschbare Aufzeichnung der Vergangenheit, und bieten diese dediziert an. Damit wird ein deutlich geringerer Energiebedarf möglich, um so den CO2-Fußabdruck aller Operationen zu reduzieren. Hannah Jo Wolff ist Geschäftsführerin der digital! Wolff, Plötz & Co GmbH und verantwortlich für die Marke „FinanceForFuture“. Das Unternehmen hat mit „Blocktree“ eine ESG-kompatible, klimaneutrale und revisionssichere Blockchain-Technologie entwickelt. Sauber, einfach, grün.

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Vorteile und Aussichten der Tokenisierung

EXXECNEWS sprach mit Tim Janssen, CTO von Finexity, unter anderem über Vorteile und Aussichten der Tokenisierung. „Die größten rechtlichen Hürden hat die Branche bereits genommen“ Welche Investitionsmöglichkeit ist auf dem Finexity-Marktplatz am beliebtesten? Tim Janssen: Wir sehen eine konstant hohe Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten im Bereich der sogenannten Collectibles und insbesondere in Kunst. Hier spielt sicherlich die Tatsache eine Rolle, dass es bei Kunstwerken immer wieder die Möglichkeit gibt diese auch auf Ausstellungen zu erleben, wie zuletzt zwei Banksy Kunstwerke im NRW Forum in Düsseldorf. Bei einem unserer letzten Kunstprojekte, einer Serie des spanischen Künstlers José Maria Yturralde, konnten die Investoren bis zu vier exklusiv für dieses Projekt produzierte, limitierte und signierte Drucke für die eigene Sammlung erwerben. Natürlich ist auch die Beteiligung an Immobilien-Projekten immer sehr beliebt, ob für Bestandsimmobilien oder Immobilien, die bestimmt sind für den Verkauf. Im Bereich Luxusvillen sehen wir eine steigende Nachfrage nach unseren Projekten auf Mallorca. Dort arbeiten wir bereits an unserem fünften Projekt. Welche Vorteile ergeben sich bei der Tokenisierung von Assets? Janssen: Die Tokenisierung von Assets bietet für Unternehmen, Investitionsplattformen oder Vermögensverwalter eine Vielzahl von Vorteilen: schnellere Prozesse, weniger Intermediäre, geringere Kosten, effizientere Kapitalbeschaffung und Verbriefung und zum Beispiel schnellere Emissionen für Emittenten. Für Anleger liegt der Vorteil darin, dass durch die Aufteilung eines Assets in kleinere Einheiten die Einstiegsbarrieren in unterschiedliche Anlageklassen gesenkt werden und sie bereits mit kleinen Investitionsbeträgen ihre Portfolios diversifizieren und von potenziellen Renditen profitieren können. Die Vermögenswerte werden digital repräsentiert und sind zum Beispiel auf dem Smartphone einsehbar und ganz oder in Teilen übertragbar. Worin liegen die größten rechtlichen Hürden? Janssen: Die größten rechtlichen Hürden hat die Branche bereits genommen. Das WpPG (Wertpapierprospektgesetz) und das WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) haben klar definiert wie Security Token zu definieren und zu handhaben sind. Mit dem eWPG (elektronische Wertpapiergesetzt) und dem EU DLT-Regime wurden weitere rechtliche Grundlagen geschaffen, die für einheitliche Rahmenbedingungen sorgen. Trotz zunehmend höherer Sicherheitsstandards bei der Tokenisierung haben viele Anleger noch Bedenken. Wie wollen Sie diese Bedenken ausräumen? Janssen: Die genannten Gesetze und Verordnungen sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit für Anlegerinnen und Anleger. Sicherheitsstandards sind in der digitalen Welt essentielle Leitplanken. Neben der ESMA und der BaFin werden die Regeln für den Einsatz und das Angebot von tokenisierten Assets gestellt. Zudem stellt auch das BSI technische Richtlinien für den Einsatz von m Beispiel digitalem Zentralbankgeld auf. Wie lange wird es Ihrer Einschätzung nach noch dauern, bis sich die Asset-Tokenisierung auf dem privaten Kapitalmarkt komplett durchgesetzt hat? Janssen: Mit dem DLT-Pilot Regime hat die EU einen rechtlichen Rahmen gesetzt, der im Zusammenspiel mit dem eWpG einen Handlungsspielraum für die nächsten Jahre setzt. Das ermöglicht der Branche neue Wege bezüglich Asset-Tokenisierung und -Handel zu gehen. Laut EZB wird der digitale Euro kommen (CBDC), auch hier entwickeln sich weitere Möglichkeiten in der Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette. Die Finexity AG vereint unterschiedliche Geschäftsbereiche der DLT-basierten Finanzbranche. Neben dem Aufbau eines DLT-basierten Börsenplatzes für tokenisierte Privatmarkt-investitionen (Private Markets) betreibt die Gruppe einen regulierten Investment-Brokerage-Marktplatz, der es sowohl privaten als auch professionellen Investoren ermöglicht, in tokenisierte Private Markets zu investieren. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg wurde im Jahr 2018 gegründet.

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Tokenisierung der Finanzmärkte

Kaum ein Thema beschäftigt die Finanzwirtschaft derzeit so stark wie die Tokenisierung von Vermögenswerten. Dieser Prozess der Umwandlung von Finanzanlagen wie Aktien, Immobilien und Rohstoffen in Token auf einer Blockchain (engl. für Blockkette, eine erweiterbare Liste von Datensätzen in einzelnen Blöcken) in einen digitalen Vermögenswert ruft eine Vielzahl von Akteuren und Lösungen auf den Plan – kaum eine Woche vergeht ohne Meldungen zu neuen Anbietern, Projekten und Produkten. Wenig verwunderlich bei den Marktaussichten: Die Strategieberatung Boston Consulting Group prognostiziert, dass bis zum Jahr 2030 Werte von bis zu 16 Billionen US-Dollar tokenisiert werden könnten. Und die Großbank HSBC und das Finanzunternehmen Northern Trust schätzen, dass bis 2030 fünf bis zehn Prozent aller Assets in Token umgewandelt worden sind. Warum? Weil die Vorteile für die Finanzbranche nicht von der Hand zu weisen sind. Die Blockchain-Technologie vereinfacht – auch wenn es für einige immer noch kompliziert klingen mag – viele der traditionell angewandten Prozesse. Die Distributed-Ledger-Technologie (DLT), deren Unterform die Blockchain-Technologie ist, bezeichnet eine IT-Infrastruktur sowie ein Protokoll zur sicheren und vor allem dezentralen Validierung, Speicherung und Aktualisierung von Daten. Eine Eigenschaft der Blockchain: Sie kommt ohne zentrale Administratoren aus – Informationen beziehungsweise Werte werden direkt zwischen den Akteuren übertragen. Einige der Vorteile: Kostenreduktion (die Transaktionen laufen ohne manuelle Tätigkeiten ab), Effizienzsteigerung (eine schnellere Abwicklung von Transaktionen im Vergleich zu traditionellen Systemen), Liquiditätserhöhung (Assets können in kleinere Anteile zerlegt werden, Anleger können somit auch mit geringen Beträgen diversifiziert investieren) und eine automatisierte Compliance. Denn der sogenannte Smart Contract, das digitale Programm, das zur Anwendung kommt, wird mit dem Vermögenswert verknüpft und bildet so die Rechte und Pflichten des gesetzlichen Vertrages ab. Auch viele rechtliche Hürden sind mittlerweile genommen: Das im Juni 2021 in Kraft getretene Gesetz zur Einführung von elektronischen Wertpapieren (eWpG) sieht als Kernstück die Öffnung des deutschen Rechts für elektronische Wertpapiere vor. Und die Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR Markets in Crypto-Assets Regulation, in Kraft getreten im Juni 2023) soll einen harmonisierten europäischen Regulierungsrahmen für Kryptowerte schaffen. Die Rahmenbedingungen für die Finanzwirtschaft liegen also vor. Dass speziell der Finanzbereich von der Blockchain-Technologie profitieren könnte, ergibt auch die Studie „W3NOW“ des Hanseatic Blockchain Institute. Die Studie, erschienen im März 2024 und durchgeführt in Zusammenarbeit mit Statista und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, beleuchtet die Einführung und Nutzung der Blockchain-Technologie in der deutschen Wirtschaft und macht den Finanzsektor als Spitzenreiter aus. Tom Haverland, Projektleiter der „W3NOW“-Studie, liefert dafür auf Anfrage von EXXECNEWS Erklärungen: „Es gibt zwei integrale Gründe für die Spitzenreiter-Position des Finanzsektors in der Blockchain Adoption, die sich gegenseitig bedingen: Die Blockchain funktioniert als eine zuverlässige Datenbank, in der Transaktionen sicher gespeichert werden können. Diese Kernfunktion der Technologie passt besonders gut zum Finanzsektor, wo Transaktionen eine fundamentale Rolle spielen. Die Blockchain kann nahezu die gesamte Infrastruktur für Kontenführung und den Handel automatisieren, was sie zu einem integralen Bestandteil dieses Sektors macht. Im Gegensatz dazu dient die Blockchain in anderen Industrien, wie dem produzierenden Gewerbe, eher als Ergänzung zu bestehenden Technologien, wodurch die Anwendungsintegration komplexer und der Entwicklungsfortschritt langsamer ist“. Der zweite Grund: Dadurch, dass die Blockchain-Technologie in sich geschlossen die integralen Mechanismen der Kontoführung und des Handels im Finanzsektor abbilden kann und dabei aufgrund der Automatisierung erhebliche Kosten einspart, haben sich viele Akteure am Markt intensiv mit der Technologie auseinandergesetzt und die Anwendungen weiterentwickelt. „Daraus hat sich bereits heute eine fruchtbare Ökonomie gebildet, in der traditionelle Größen des Finanzsektors mit jungen und innovativen Start-ups zusammenarbeiten und einen Wissensaustausch herstellen. Aus diesem Aktionismus heraus resultiert wiederum die intensivere Entwicklung neuer Lösungen für die Blockchain Adoption im Finanzsektor“, so erklärt Haverland. Die größten Herausforderungen liegen vor allem in der Einhaltung gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen. Ein weiteres Hindernis stelle die mangelnde Integration von traditionellen Finanzprodukten und -infrastrukturen mit der Blockchain dar. Dies beschränke die breitere Anwendung der Technologie. Allerdings sei zu erwarten, dass sich mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung auch die Integrationstiefe und somit die Nutzungsvielfalt im Finanzsektor erhöhen wird. An der Nutzungsvielfalt arbeitet beispielsweise die V-Bank: Das Münchner Unternehmen befasst sich intensiv mit Anwendungsmöglichkeiten rund um die Tokenisierung von Assets sowie Blockchain-basierten Handelsstrukturen und tokenisiertem Geld. Als erste reine Depotbank und als zweite Bank in Deutschland (nach der Commerzbank im November 2023) hat sie die Lizenz für das Kryptoverwahrgeschäft von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilt bekommen. Die Kryptoverwahrung sei für die V-Bank die Grundlage für zahlreiche Anwendungsbereiche rund um digitale Assets, die sie ihren Geschäftspartnern als Services anbietet. Hierzu zählen unter anderem der bereits seit Sommer 2023 mögliche Kommissionshandel von Kryptowerten wie Bitcoin und Ether sowie der Handel von Kryptowertpapieren. Stefan Lettmeier, Produktionsvorstand der V-Bank, sagt: „Wir stehen erst am Anfang eines Technologiezyklus, der das Potenzial hat, die Art wie in Zukunft Vermögenswerte emittiert, gehandelt und verwahrt werden, grundlegend zu verändern. Wir sind stolz darauf, dass uns BaFin und EZB als einer der ersten Banken in Deutschland das Kryptoverwahrgeschäft anvertrauen.“ Mit dem Lizenzerhalt könne die V-Bank nun alle Dienstleistungen der Verwahrung selbst erbringen und so ihre Unabhängigkeit stärken. Lettmeier: „Die Kryptoverwahrlizenz verschafft uns die Flexibilität, die wir als Dienstleister benötigen. Wir investieren bereits jetzt in die Technologien, die morgen Alltag sein werden. Die Tokenisierung von Vermögenswerten wird unseren Geschäftspartnern neue Effizienz- und Ertragspotenziale erschließen. Wir unterstützen sie, indem wir das nötige Wissen aufbauen und mit Ihnen gemeinsam ausgewählte Anwendungsmöglichkeiten prüfen und umsetzen.“ Derzeit liege ein Schwerpunkt der Anwendungsfälle auf der Tokenisierung sogenannter „Real World Assets“, also zum Beispiel Immobilien, Infrastruktur, Windparks oder Kunst, und deren Handel über Kryptowertpapiere. Über einen Investment-Brokerage-Marktplatz ermöglicht auch das Hamburger Fintech Finexity privaten und professionellen Investoren, in tokenisierte Private Markets zu investieren. Mit einer Mindestanlagegröße von 500 Euro lässt sich mit Hilfe der Blockchain-Technologie in Immobilien, Diamanten, Oldtimer oder Kunstwerke investieren (siehe dazu Interview mit Finexity-CTO Tim Janssen). Kürzlich ist das Fintech, das laut eigener Angabe rund 10.000 Nutzer auf der Plattform aufweist, mit Cashlink Technologies eine strategische Partnerschaft eingegangen, um den DLT-basierten Kapitalmarkt weiterzuentwickeln. Bisher gab es laut Unternehmen vor allem Insellösungen für den Vertrieb tokenisierter Finanzprodukte und keine Lösung für einen funktionierenden Sekundärmarkt. Dies begrenzte Vertriebskraft, Asset-Angebot

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