Tag: 11. April 2022

Datum wählen
Ukraine Flagge
EXXECNEWS

Trotz Ukraine Krieg: Nachfrage nach Sachwertinvestments bleibt hoch

Die Stimmung sowohl unter den Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) als auch bei den Anbietern von Vermögensanlagen ist laut unserer aktuellen Quartalsumfrage (per 31. März 2022) unverändert positiv. Auch wenn der Krieg in der Ukraine den einen oder anderen Anleger etwas vorsichtiger werden lässt, insgesamt ist die Nachfrage nach Sachwerten ungebrochen hoch. Vor allem die Anbieter von Produkten der Assetklasse erneuerbarer Energien spüren den Rückenwind, der von den sehr hohen Energiepreisen ausgeht. Einen wichtigen Anreiz, in Sachwerte zu investieren, sind zudem die weiterhin niedrigen Zinsen. Trotz stark steigender Inflationsraten gilt es unter Experten als unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank noch in diesem Jahr die Zinsen anhebt (anders als in den USA). Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Anbieter von Sachwerten im Jahresverlauf neue Produkte an den Markt bringen wollen. Bevorzugte Assetklassen bleiben laut Umfrage Immobilien und erneuerbare Energien. Nachfolgend veröffentlichen wir die erhaltenen Antworten auf unsere Quartalsumfrage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Platzierungsverlauf im ersten Quartal?Marc Nagel, Geschäftsführer Buss-Capital-Invest: Das erste Quartal war sehr erfolgreich. Wir konnten die Hälfte unserer im Vertrieb befindlichen Vermögensanlage „Buss Container 79“ platzieren. Tibor von Wiedebach-Nostitz, geschäftsführender Gesellschafter der BVT Holding: Wir sehen auch für 2022 ein sehr gutes Umfeld für Sachwertinvestitionen, gerade vor dem Hintergrund niedriger Zinsen und deutlich gestiegener Inflation. Dies zeigt sich in den ordentlichen Platzierungszahlen im ersten Quartal. Sven Mückenheim, Geschäftsführer Vertrieb der Dr. Peters GroupWir sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Die Nachfrage nach unserem Publikums-AIF „Immobilienportfolio Deutschland 1“ (IPD 1), der in Supermärkte und Fachmarktzentren investiert, bekam noch einmal einen kräftigen Schub, nachdem wir Ende vergangenen Jahres die dritte hochkarätige Immobilie angekauft hatten. Das Interesse an Handelsimmobilien, die für die Grundversorgung der Bevölkerung wichtig sind, ist unverändert hoch und nimmt eher zu als ab. Bernhard Engl, Senior Key Account Manager ForestFinance: Die aktuelle Situation mit der andauernden Corona-Krise und dem Krieg in der Ukraine verstärkt die Unsicherheit bei den Investorinnen und Investoren. Vor diesem Hintergrund ist das erste Quartal für unsere Angebote gut verlaufen. Die momentan in den Schlagzeilen etwas in den Hintergrund gerückte Klimakrise führt aber dazu, dass immer mehr Menschen sich für Angebote aus dem Bereich der nachhaltigen Geldanlage interessieren. Mathias Feld, Beteiligungsmanager Luana Capital New Energy Concepts : Die hohen Energiepreise führen zu einer steigenden Nachfrage nach effizienten und klimafreundlichen Energiekonzepten. Daher verzeichnen wir einen deutlichen Auftragsanstieg auf der Projektseite. Damit hat die Vermögensanlage „Energieversorgung Deutschland“ Zugriff auf attraktive dezentrale Energieprojekte für Wohn- und Sozialimmobilien. Mit einem Platzierungsstand von rund 25 Prozent darf die Platzierungsgeschwindigkeit im Hinblick auf die attraktive Projektpipeline gerne zulegen. Clemens Mack, Geschäftsführer Ökorenta Finanz: Der Platzierungsverlauf im ersten Quartal ist im Rahmen unserer Erwartungen und Planungen gut verlaufen. Malte Thies, Geschäftsführender Gesellschafter der One GroupWir verzeichnen eine anhaltend hohe Nachfrage nach unseren Produkten und sind sehr zufrieden mit dem aktuellen Platzierungsverlauf. Im ersten Quartal 2022 konnten wir bislang Kapitalzusagen in Höhe von rund 75 Millionen Euro einsammeln, davon 37 Millionen aus Reinvestments des Anfang Januar zurückgezahlten „ProReal Deutschland 6“. Alexander Schlichting, Vorstandsvorsitzender Project Beteiligungen: Die Platzierungsphase verläuft zufriedenstellend. André Wreth, Geschäftsführer Solvium Capital: Wir sind mit dem Platzierungsverlauf im ersten Quartal zufrieden. Die Platzierungen des alternativen Investmentfonds und der Vermögensanlage laufen planmäßig. Wie sind Ihre Pläne für die kommenden Monate? Sind neue Fonds in Vorbereitung? Welche Assetklasse? Welches Volumen?Buss: Wir werden im zweiten Quartal noch die Vermögensanlage „Buss Container 79“ weiter platzieren. Zudem planen wir ein Nachfolgeprodukt ab dem vierten Quartal 2022 im Containersegment.BVT: Die BVT plant für Immobilien Deutschland aktuell einen Spezial-AIF für institutionelle Investoren mit der Assetklasse Büro oder Ärztehaus. Zwei entsprechende Immobilien werden derzeit geprüft. Für den US-Bereich planen wir ein Luxemburger Produkt für institutionelle sowie semi-professionelle Anleger in der Assetklasse Class-A Multi-Family Residential. Dr. Peters: Wir konzentrieren uns weiterhin auf das Immobiliengeschäft und arbeiten in diesem Segment an Folgeprodukten. Momentan steht aber die Platzierung unseres Fonds „IPD 1“ im Vordergrund. Forest Finance: Das Thema Karbonisierung wird uns in den kommenden Jahren begleiten. Nach der erfolgreichen ersten Beteiligungsmöglichkeit von ClimateCarbon Eberswalde, die wir vorfristig im Januar schließen konnten, werden wir noch in diesem Jahr weitere Beteiligungsmöglichkeiten anbieten. Luana: Das Nachrangdarlehen „Energieversorgung Deutschland“ kann noch bis Ende Juli gezeichnet werden. Selbstverständlich planen wir aufgrund der erfreulichen Auftragslage auch zukünftig mit Finanzanlagen, die Anlegern ermöglichen in den attraktiven Markt der dezentralen Energieversorgung zu investieren. Unter welchem Regime die neue Finanzanlage aufgelegt wird, steht noch nicht abschließend fest. Ökorenta: Das aktuelle im Vertrieb befindliche Angebot „Ökorenta Infrastruktur 13E“ werden wir plangemäß bis Mitte des Jahres vertreiben. Im Anschluss daran planen wir die Fortführung unserer Portfoliofonds im Segment Erneuerbare Energien mit dem Schwerpunkt Wind- und Solarenergie in Deutschland. One Group: Wir planen, in den kommenden Monaten sowohl unseren „ProReal Private 3“ als auch unseren „ProReal Europa 10“ vollständig auszuplatzieren. Die erfolgreiche ProReal-Serie wollen wir zeitnah mit entsprechenden Nachfolgeprodukten fortführen. Aufgrund der sich veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen rechnen wir jedoch mit Verzögerungen. Zusätzlich beschäftigen wir uns derzeit intensiv mit neuen Investitionsansätzen für institutionelle und semiprofessionelle Anleger. Project: Zur Jahresmitte planen wir den Platzierungsstart eines Nachfolgeangebots für den Einmalzahlungsfonds „Metropolen 20“, der zum 30. Juni 2022 geschlossen wird. Dieser soll ein Eigenkapitalvolumen von 75 Millionen Euro umfassen. Damit setzen wir die auf Privatanleger ausgerichtete erfolgreiche Metropolen-Reihe mit Fokus auf Wohnimmobilienentwicklungen in führenden deutschen Metropolregionen fort. Zudem ist vorgesehen, dass wir im institutionellen Bereich in der zweiten Jahreshälfte einen weiteren Spezial-AIF mit „Develop and hold“-Strategie im Wohnungsbereich auflegen. Für unser neues institutionelles Angebot ist darüber hinaus geplant, dass es gemäß EU-Offenlegungsverordnung als Artikel 9-Fonds (Impact-Fonds) aufgelegt wird und als nachhaltiges Anlageziel Klimaschutz verfolgt. Solvium: Wir planen für das zweite Halbjahr bereits den zweiten AIF. Auch er wird sich wieder im Bereich von Investitionen in Logistikequipment bewegen. Das Zielvolumen beträgt mindestens 20 Millionen Euro, kann aber bei entsprechender Nachfrage bis auf 50 Millionen Euro erhöht werden. Wie sind Ihre Erwartungen bezüglich der Assetklasse für die kommenden Monate?Buss: Für den Bereich Containerleasing erwarten wir im Jahresverlauf eine gewisse Normalisierung des Markts. Mietraten und Containerpreise werden aber voraussichtlich spürbar über den Durchschnittswerten bleiben, die vor der Coronakrise bestanden. Kurzfristig beobachten wir weiterhin einen sehr hohen Containerbedarf. Die Ukraine-Krise reduziert zwar

Weitelesen »
Frank Huether in blauem Anzug und Blauer Krawatte
Asset Management

Wachstumsmotor und Innovationstreiber der deutschen Wirtschaft

Frank Hüther, Vorstandssprecher des BVK Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, beschreibt die Bedeutung und Notwendigkeit von Private Equity als Garant für Wachstum, Stabilität und Fortschritt. Angesichts anhaltender Niedrigzins- phase sowie wirtschaftlicher Unsicherheiten im Zuge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges sind alternative Anlageklassen weiter in den Fokus von Investoren gerückt, meint Frank Hüther: Insbesondere Private Equity- und Venture Capital-Fonds meldeten den Zufluss von Rekordvolumina.Aufgrund der großen Kursschwankungen an den Aktienbörsen richtet sich der Blick vieler Investoren auf die sogenannten „Private Markets“. Die Bezeichnung „private“ versteht sich dabei im Gegensatz zu „public equity“, also zum börsennotierten Kapital. Private Equity Gesellschaften investieren fast ausschließlich in nicht börsennotierten Unternehmen. Beteiligungskapital bildet im Anlageportfolio von institutionellen Investoren einen meist kleinen, aber zunehmend wichtigen Baustein, der dazu beiträgt, Renditeziele zu erreichen und Diversifikationseffekte zu nutzen. Der deutsche Beteiligungskapitalmarkt Auch wenn Deutschland keine vergleichbare Historie wie etwa die USA oder Großbritannien aufweist, ist die Beteiligungskapitalbranche eine wichtige Säule für die deutsche Volkswirtschaft. Beteiligungskapital in seinen wichtigsten Ausprägungen Venture Capital, mittelständische Minderheitsbeteiligungen und Wachstumsfinanzierungen sowie Buy-Outs bildet eine wichtige Brücke zwischen den großen Kapitalsammelstellen und der Realwirtschaft. Es macht Kapital volkswirtschaftlich nutzbar und löst nicht nur auf Ebene der finanzierten Unternehmen substanzielle Wohlstandszuwächse aus. Im Jahr 2021 investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland 12,6 Milliarden Euro. Knapp 1.000 Unternehmen wurden in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld mit Beteiligungskapital finanziert. Nach den Rekordjahren 2019 und 2020 bleibt das Investitionsniveau in allen Marktsegmenten auf hohem Niveau, wobei das Wachstum bei Venture Capital besonders herausragt. Mit knapp vier Milliarden Euro investierten Beteiligungsgesellschaften 2021 so viel Venture Capital in Deutschland wie noch nie. Knapp 1,4 Millionen Beschäftigte arbeiten in durch Beteiligungskapital finanzierte Unternehmen und die Umsätze dieser Portfoliounternehmen betrug im Jahr 2021 insgesamt 274 Milliarden Euro.Beim Blick auf die Branchenschwerpunkte zeigt sich, dass 2021 die ITK-Branche, also Informationstechnologie und Telekommunikation, mit einem Anteil von 47 Prozent der Investitionen mit deutlichem Abstand an der Spitze lag. Dahinter folgen die Branchen Konsumgüter/-services mit 18 Prozent sowie Unternehmensprodukte/-dienstleistungen und Biotechnologie/ Gesundheitswesen mit jeweils knapp je zehn Prozent. Wirtschaft inmitten eines Transformationsprozesses Die Herausforderungen, denen sich die Wirtschaft gegenübersieht, sind vielfältig. Fortschreitende Digitalisierung, Dekarbonisierung, explodierende Energiepreise sowie instabile Lieferketten sind hier nur beispielhaft zu nennen. Um in diesem Umfeld erfolgreich bestehen zu können, bedarf es kluger Investitionen, Innovationskraft sowie verlässlicher und strategischer Finanzierungspartner. Wie kann es gelingen, den Transformationsprozess unserer Wirtschaft erfolgreich zu gestalten und zu finanzieren, ohne die im internationalen Vergleich soliden Staatsfinanzen zu riskieren? Beteiligungskapital kann hier ein Garant für Wachstum, Stabilität und Fortschritt sein. Die Unternehmen brauchen bei der Bewältigung dieser Prozesse auch eine adäquate Ausstattung mit Eigenkapital, und ohne eine solide Finanzierung wird es schwer werden, die ambitionierten Ziele zu erreichen. Frank Hüther ist der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Berlin, und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft abacus alpha GmbH, Frankenthal. Der BVK ist die Interessenvertretung der Private-Equity-Branche in Deutschland und vertritt insgesamt 300 Mitglieder, darunter 175 Beteiligungsgesellschaften. Im Verband organisiert sind Private-Equity-Gesellschaften – von Venture Capital über Wachstumsfinanzierung bis zum Buy-Out-Bereich – sowie institutionelle Investoren, die in Private Equity investieren.

Weitelesen »
Corona Impfstoff von Biontech
Asset Management

Private Equity: Investieren à la BioNTech

Wenn Banken bei der Finanzierung von Unternehmen zögern und die Kapitalbeschaffung über einen Börsengang in weiter Ferne ist, dann kommt privates Beteiligungskapital ins Spiel – Private Equity, angeboten von professionellen Investoren, von „Business Angels, von spezialisierten Beteiligungsunternehmen, Family Offices und von Private-Equity-Fonds: unternehmerisches Kapital für die technologische Weiterentwicklung der Volkswirtschaft. „Private Equity“ ist als Gegensatz zum „Public Equity“ zu sehen, dem börsennotierten Kapital, wie Frank Hüther, BVK-Vorstandssprecher, in dieser Ausgabe erläutert. Das Besondere bei Private Equity: Es handelt sich um Wagniskapital, Venture Capital, vom Seed Capital, der Anfangsfinanzierung von Start-ups, bis hin zum Buy-Out etablierter Unternehmen, wie Michael B. Obermeier von BVF Early Invest in seinem Artikel beschreibt. Gerade junge Unternehmen mit innovativen und zukunftsträchtigen Geschäftsideen sind auf Private Equity, auf Venture Capital angewiesen. Letztes Jahr flossen in Deutschland knapp vier Milliarden Euro als Venture Capital in Unternehmen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Insgesamt rund 600 Start-ups und junge Unternehmen und damit 61 Prozent aller im Jahresverlauf mit Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen erhielten damit Venture Capital. Investitionen in unternehmerische Start-ups sind Risiko-Investments, tragbar für kapitalkräftige Investoren, nicht aber unbedingt für private Kapitalanleger. Privatanleger können über Private-Equity-Fonds auch mit nur geringem Kapitaleinsatz durchaus zweistellige Renditen erzielen –risikogestreut durch indirekte Investments in Zielfonds und damit in hunderte Unternehmen verschiedener Branchen und Länder, wie Nico Auel von der Münchner RWB-Gruppe betont. „Fonds bieten neben professionellen und semiprofessionellen Anlegern gute Anlagemöglichkeiten gerade auch für Privatanleger. Sie machen es möglich, dass privates Kapital für Investitionen mobilisiert wird“, betonte letztes Jahr der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler, als im Bundestag über das Fondsstandortgesetz beraten wurde. Nicht jedes Private-Equity-Investment kann so erfolgreich werden wie das in BioNTech, dem Hersteller des Corona-Impfstoffes: 2008 gründete Uğur Şahin das Unternehmen mit Venture Capital von Andreas und Thomas Strüngmann, den Gründern des Pharmaunternehmens Hexal, Helmut Jeggle, heute BioNTech-Aufsichtsratsvorsitzender, und Michael Motschmann mit seinen MIG-Private-Equity-Fonds. Diese MIG-Fonds schütteten zwischenzeitlich rund 600 Millionen Euro an ihre Privatanleger aus. Und das ehemalige Start-up BioNTech berichtet für 2021 einen Umsatz von knapp 19 Milliarden Euro und einen Gewinn von knapp 10,3 Milliarden Euro.Sicherlich ein Einzelfall. Insgesamt können sich aber Private-Equity-Fonds über die letzten Jahre mit Renditen von durchschnittlich 20 Prozent durchaus sehen lassen. Das ermittelte der europäische Private-Equity-Branchenverband Invest Europe.

Weitelesen »
Sonnenblumen auf einem Feld vor blauem Himmel
EXXECNEWS

Aktienmärkte dürften im Frühjahr und Sommer ein temporäres Comeback feiern

An den Finanzmärkten gab es seit Jahresanfang wenig Grund zur Freude, liegen doch nahezu alle Assetklassen im Minus. Ausnahmen sind neben Gold (plus sieben Prozent) inflationsgeschützte Staatsanleihen und Rohstoffe. Letztere legten gemessen am Goldman Sachs-Rohstoffpreisindex seit Jahresbeginn um gut 26 Prozent zu. Besonders hart traf es die globalen Aktienmärkte: Zunächst gab es Gegenwind von der angekündigten Zinswende der Fed. Dann traten immer stärker die geopolitischen Risiken in den Fokus, die im russischen Überfall auf die Ukraine gipfelten. Der damit verbundene Schock schickte speziell die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt. Mittlerweile machen sich erste Hoffnungen auf ein Kriegsende breit. Das Minus (im Vergleich zum diesjährigen Hochpunkt) hat sich entsprechend bei DAX und Eurostoxx50 auf rund zwölf Prozent halbiert. Auch High-Yield-Unternehmensanleihen kamen unter die Räder. Kurzzeitiges Comeback der Aktienmärkte wahrscheinlich Aber Anleger können auf ein baldiges Zwischenhoch hoffen: Tritt unser Basisszenario ein, das ein zeitnahes Kriegsende in der Ukraine und nur gedämpftes Störfeuer aus China unterstellt, wird sich die weltweite Konjunktur im Frühjahr und Sommer kräftig erholen. Speziell im dritten Quartal dürfte das Wachstum in der Eurozone und den USA nochmals weit überdurchschnittlich ausfallen. Parallel dazu werden die Konjunktur- und Sentimentbarometer nach oben drehen. An den Aktienmärkten dürfte das Umfeld zunächst volatil bleiben. Jede Nachricht über das Kriegsgeschehen oder mögliche Friedensverhandlungen besitzt das Potenzial, die Kurse heftig nach oben oder unten zu treiben. Sollte sich indes spätestens im Mai ein Waffenstillstand abzeichnen, ist ein Euphorieschub programmiert. Mit der konjunkturellen Erholung wäre auch der Weg für wieder anziehende Unternehmensgewinne geebnet. Die prominenten Börsenindizes sollten in Anbetracht dessen nicht nur die Vorkrisenniveaus, sondern zur Jahresmitte sogar neue Höchststände ins Visier nehmen. Im ersten Moment hätte sich wieder einmal bewahrheitet, dass politische Börsen nur kurze Beine haben.Die Freude darüber wird jedoch unserer Einschätzung nach nicht lange währen. Wie zu Jahresbeginn dürften schon bald wieder die Sorgen über den anhaltenden Inflationsdruck und die steigenden Zinsen die Oberhand gewinnen. Mithin werden die Notenbanken die aufhellenden Konjunkturperspektiven zum Anlass nehmen, noch stärker die geldpolitischen Zügel zu straffen. Auch konjunkturell werden die Bäume im zweiten Halbjahr nicht in den Himmel wachsen. Zum Jahresende dürfte daher von den zwischenzeitlichen Kursgewinnen an den Aktienmärkten nicht mehr viel übrigbleiben. Bereits eine schwarze Null wäre an den europäischen Börsen als Erfolg zu werten. Umso wichtiger ist es in diesem Jahr, die richtige Sektorauswahl zu treffen. Unser Zins- und Inflationsausblick spricht noch mehr als Anfang 2022 für eine Outperformance von Value- gegenüber Growth-Titeln. Ebbt der Ukraine-Konflikt ab, sollten allen voran Bank- und Versicherungsaktien wieder in die Poleposition rücken, die wie kein anderer Sektor von steigenden Zinsen profitieren. Gegenwind für Anleihen und Rohstoffe Den bisherigen Jahresgewinnern – inflationsindexierte Staatsanleihen und Rohstoffe – droht in den nächsten Monaten Gegenwind. Sollten die Waffen in der Ukraine schweigen, dürfte sich die Lage an den Rohstoffmärkten entspannen. Unter anderem ist dann ein Importstopp für russisches Erdgas nicht mehr so dringend. Ein Rücksetzer bei den Rohstoffpreisen und Inflationserwartungen ist die logische Konsequenz. Allerdings dürfte die Durststrecke nicht lange anhalten. Die Argumente, die für ein strukturelles Angebotsdefizit an den Rohstoffmärkten sprechen, bestehen fort. Für Investment-Grade-Unternehmensanleihen bleibt 2022 ein diffiziles Jahr. Zwar sollten sie in den nächsten Monaten von temporär sinkenden Risikoprämien profitieren. Gleichzeitig belastet jedoch der Renditeanstieg. Dank der höheren Coupons und des größeren Potenzials für sinkende Risikoprämien dürften Anleger mit High-Yield-Anleihen und Nachranganleihen von Industrieunternehmen (Corporate Hybrids) besser fahren.Passend zum Risk-off-Umfeld standen an den Devisenmärkten im bisherigen Jahresverlauf die klassischen sicheren Häfen (US-Dollar, Schweizer Franken) unter Aufwärtsdruck. Mit der möglichen Entspannung der Ukraine-Krise wird sich dies umkehren. Tritt unser Basisszenario ein, wird allen voran der US-Dollar gegenüber dem Euro Federn lassen müssen. Dazu dürfte auch die absehbare restriktivere Ausrichtung der EZB beitragen. Fazit: Ohne aktives Management ist 2022 kaum etwas zu holen Alles in allem rechnen wir in unserem Basisszenario nochmals mit einer Risk-on-Welle zur Jahresmitte. Der Risikoappetit dürfte allerdings bald wieder abnehmen. Im zweiten Halbjahr sollte das Thema Inflationsdruck und Zinsanstieg erneut dominieren. Die Aktienmärkte werden somit abermals in schweres Fahrwasser geraten. Insgesamt bleibt 2022 auch bei einem zeitnahen Kriegsende ein herausforderndes Jahr für Anleger, in dem mit kaum einer Assetklasse ohne aktives Management ein Blumentopf zu gewinnen ist.

Weitelesen »
ESMA Logo
Beratung & Vertrieb

Das sagen Insider zu der ESMA-Marketing-Richtlinie

EXXECNEWS bat Produktanbieter, Vertriebe, Anwälte und Wirtschaftsberater um eine Einschätzung der ESMA-Leitlinien. Nachfolgend die Antworten: Dr. Christian Reibis, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner Baker TillyGerne möchte ich Ihre Fragen zu den ESMA-Leitlinien beantworten. Da wir seit vielen Jahren Werbemitteilungen von KVGen auf Konformität mit dem WpHG prüfen, haben wir hier in diesem Bereich sehr umfangreiche Erfahrungen. Nach meiner Einschätzung werden sich durch die ESMA-Leitlinien keine großen Veränderungen bei der Werbung für AIF und OGAW ergeben. Die ESMA-Leitlinien stellen eher eine Konkretisierung der bereits in Deutschland seit Längerem bestehenden strengen Anforderungen dar. Viel Neues ist darin nicht enthalten. Ähnliche Anforderungen sind etwa bereits in dem Rundschreiben der BaFin 05/2018 – MaComp (Abschnitt BT3) und Artikel 44 der MiFID II Delegierten VO 2017-565, die jeweils eine Konkretisierung von § 63 Abs. 6 WphG darstellen und auch in § 302 KAGB enthalten. Die in den ESMA-Leitlinien geforderten Risikohinweise sind daher nach unseren Erfahrungen überwiegend bereits länger Marktstandard bei Werbemitteilungen oder Produktinformationen von seriösen Anbietern. Daher erwarten wir auch keine wesentlichen Änderungen bei Werbung für AIF oder OGAW.Für kurze Online-Marketing-Anzeigen könnten die geforderten Risikohinweise eventuell problematisch sein. Hier sehen die ESMA-Leitlinien in Tz. 8 aber vor, dass der Hinweis auf den Haftungsausschluss auch durch eine kürzere Kenntlichmachung des Marketingzwecks der Anzeige ersetzt werden kann, wie etwa das Wort „Marketing-Anzeige“. Tibor von Wiedebach-Nostitz, Geschäftsführer derigoDie Umsetzung der neuen ESMA-Vorgaben zum Februar war vor allem unter zeitlichem Aspekt herausfordernd, denn sie bedeutete für uns als Kapitalverwaltungsgesellschaft eine Komplettüberarbeitung sämtlicher Marketingunterlagen auf Produkt- und auf Unternehmensebene, sowohl im analogen als auch digitalen Bereich. Die Neuregelung zielt darauf ab, mehr Transparenz für Anleger zu schaffen und sicherzustellen, dass Marketing-Anzeigen als solche erkennbar sind und fair, eindeutig und nicht irreführend gestaltet werden. Diese Zielsetzung war für uns natürlich auch schon zuvor eine klare Auflage – nun galt es, alle Aspekte in die neu definierte Form zu bringen. Das erfordert tatsächlich bei einigen Werbeformate nun neue Wege, um den Erfordernissen gerecht zu werden. Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender Jung, DMS & Cie.Es wurde ja bereits sehr viel über die möglichen negativen Auswirkungen berichtet, aber vielleicht muss man auch einmal das Positive sehen. Es ist durchaus sinnvoll, Privatanleger schon in Marketing-Informationen nicht nur über die wesentlichen Anlagechancen, sondern auch über mögliche Risiken zu informieren. Bei jedem Beratungsgespräch haben Berater ja auch diese Hinweispflichten und müssen diese auch entsprechend protokollieren. Auch in den gesetzlichen Verkaufsinformationen sind diese Informationen enthalten. Der Kunde erhält die Hinweise also jetzt nur ein bisschen früher als vorher. Das kann für den Berater den Vorteil haben, dass der Kunde aufgrund der neuen Informationspflichten in der Werbung bereits gut informiert ist, bevor er mit ihm spricht. Die Leitlinien geben den Anbietern meines Erachtens noch genug Spielraum für Produktwerbung. Sie legen ja nur grobe Rahmenbedingungen zur Gestaltung fest, die übrigens größtenteils bereits seit vielen Jahren in der MaComp der BaFin verankert sind. Verhindert werden soll doch lediglich, dass beim Kunden durch einseitig-positive Werbung unrealistische Erwartungen an ein Investment geweckt werden, die einfach nicht erfüllt werden können und zwangsläufig zu Enttäuschungen führen müssen. Außerdem bleiben ja auch weiterhin reine Imageanzeigen möglich, in denen etwa die Erfahrungen oder Leistungen eines Investmenthauses dargestellt werden. Und der deutlich darzustellende Hinweis, dass es sich bei einer Produktanzeige um ein Werbemittel handelt, ist meines Erachtens durchaus machbar. Wir sehen das ja heute bereits beispielhaft bei den Anzeigen, die in unserem JDC-Magazin geschaltet werden. Alexander Schlichting, Vorstandsvorsitzender Project Beteiligungen:Wie wir als Unternehmen mit den ESMA-Leitlinien zum Marketing in Anzeigenwerbung umgehen, können Sie gerne in unserer Anzeige sehen, die wir auch in der kürzlichen EXXECNEWS-Sonderbeilage zum Wohnimmobilienmarkt geschaltet haben und die ich Ihnen beigefügt habe. Michael Denk, Geschäftsführer der Quadoro InvestmentWährend Im Zusammenhang mit der Anwendung der ESMA-Leitlinien zu Marketing-Anzeigen viele Fragen aufgeworfen werden, sehen wir unsere Betroffenheit als begrenzt an. So verwenden wir keine Werbemedien wie Radio, Zeitung oder Social-Media-Plattformen für die von uns verwalteten Investmentvermögen.Dort den geforderten Ausweispflichten nachzukommen, stellt die Produktgeber sicherlich vor Herausforderungen, die gegenwärtig aufgrund der Haftungsdimension vermehrt zu Vermeidungsverhalten führen.Unsere Internetauftritte und Werbedokumente enthalten seit jeher jedoch eine ausgewogene Darstellung der mit einem Produkt verbundenen Chancen und Risiken und sind natürlich in ihrer weiteren Darstellung und ihrem Inhalt fair, eindeutig und nicht irreführend.Von besonderem Interesse wird für uns im Rahmen der weiteren Entwicklungen sein, in welchem Verhältnis die investmentrechtlichen Vorgaben (d. h. § 302 KAGB, die MarketingVO und die ESMA-Guidelines) zu den MiFID-Vorgaben (insbesondere Art. 44 der Delegierten VO (EU) 2017/565 und der MaComp) stehen werden und wie in der Praxis den Anforderungen zu Informationen über nachhaltigkeitsrelevante Aspekte in Marketing-Anzeigen nachgekommen werden kann.

Weitelesen »
Prof. Dr. Thomas Zacher in grauem Anzug und blauer Krawatte
Beratung & Vertrieb

ESMA-Leitlinien zu Marketing-Anzeigen – nichts Neues, aber Verschärftes

In unserer letzten Ausgabe habe ich die nunmehr „inthronisierte“ ESMA-Marketing-Richtlinie, die die Inhalte von Produktwerbe-Anzeigen präzisiert, thematisiert und gefragt, ob diese Richtlinie das Aus für Produktwerbung bedeutet. Wir haben Experten und Betroffene um ihre Meinung dazu befragt. Bitte lesen Sie die Antworten. Besonders empfehlenswert ist die Kommentierung von Rechtsanwalt Professor Zacher. Sein Fazit  „Nichts Neues, aber Verschärftes“ wird von Wirtschaftsprüfer Dr. Reibis weiter entschärft: Gar nichts Neues… Dennoch möchte ich meine Ausgangsfrage („Bedeutet die Richtlinie das Aus für Produktwerbung?“) klar fixieren: Ich denke, das ist so.  Allein die Bedrohung, dass bis zu 200.000 Euro Bußgelder bei Verstößen angedroht sind, wird Produktanbieter von Produktwerbung abhalten. Zumal die ESMA-Anregung doch eine zweispaltige Tabelle, die Chancen und Risiken einander in einer Anzeige gegenüberstellen soll, die erhoffte Werbewirkung ad absurdum führt. Wer riskiert schon solche Pönale? Michael Denk, Quadoro, hat entsprechende Konsequenzen gezogen: Vermeidungsverhalten ist angesagt. Aber es gibt viel Licht am Ende dieses Tunnels:  Siehe Alexander Schlichting, Project. Dort wurde eine hervorragende Anzeigenform entwickelt, die zur Assetklasse, die der Initiator anbietet, Informationen liefert und dazu die diesbezügliche Performance, die der Initiator belegen kann, vorstellt. Dorthin geht der Weg der Produktwerbung. Der König ist tot – es lebe der neue König. (Dr. Dieter E. Jansen, Herausgeber) Anforderungen an die „Werbung“ für Produkte nach dem KAGB sind bisher schon in § 302 KAGB geregelt (vgl. hierzu auch Zacher, in Pro Berater 2021, S.73). Danach muss die entsprechende Werbung zwar nicht alle Anforderungen an einen „kleinen Prospekt“ erfüllen; Werbung für das jeweilige Produkt soll jedoch einerseits eindeutig als solche erkennbar sein und andererseits nicht zu einseitig positiv beziehungsweise vollmundig in ihren Versprechungen sein, insbesondere auch im Vergleich mit den jeweiligen Pflichtveröffentlichungen. Für den Bereich der Produkte nach dem (deutschen) KAGB hat die ESMA nun, gestützt auf den Artikel 4 Abs. 6 der Verordnung über den grenzüberschreitenden Vertrieb von Fonds (Verordnung (EU) 2019/1156), die „Leitlinien zum Marketing-Anzeigen gemäß der Verordnung über den grenzüberschreitenden Vertrieb von Fonds“ veröffentlicht. Anders als es die etwas einengende Bezeichnung suggeriert, geht es dabei nicht nur um den grenzüberschreitenden Vertrieb, sondern um jegliches Marketing für OGAW oder AIF. Produkte, die (nur) unter das deutsche Vermögenanlagengesetz fallen, sind hierdurch nicht unmittelbar betroffen. Schon am 27.09.2021 hatte die BaFin verkündet, diese Leitlinien anzuwenden. Da sie am 02.08.2021 auf der Webseite der ESMA veröffentlicht wurden, sind sie nun unter Berücksichtigung der Frist von sechs Monaten nach ihrer Veröffentlichung in Kraft getreten. Schaut man sich das neue, 13 Seiten umfassende Regelwerk näher an, so enthält es zwar nichts grundsätzlich Neues, aber doch zu vielen Einzelpunkten Verschärfungen, die oft mit unklaren Begriffen verbunden sind. Dies hat den Markt verunsichert. Einige der wichtigsten Anforderungen sollen daher beschrieben werden. Was sind „Marketing-Anzeigen“ im Sinne der Leitlinien? Hierunter fallen alle Mitteilungen für einen OGAW oder einen AIF, unabhängig vom Medium (also neben Print-Fassungen jegliche elektronische Form) und der formalen Betitelung. So gehören nicht nur ausdrückliche Presseinformationen des Fonds dazu, sondern auch Pressemitteilungen, Interviews, online gestellte Dokumente oder Webseiten, Video- oder Lifepräsentationen, Radionachrichten. Auch Mitteilungen, die auf einer Social-Media-Plattform verbreitet werden, sind hierunter zu fassen, wenn sie sich auf die Eigenschaften eines entsprechenden Produktes beziehen. Dass deren Inhalte oft kollaborativ erstellt oder entwickelt werden, wie etwa in Blogs oder sozialen Netzwerken, spielt ebenso wie die Erreichbarkeit keine Rolle. Dies gilt auch dann, wenn das entsprechende Marketingmarterial beziehungsweise die Beiträge von einem Dritten stammen, soweit die OGAW-Verwaltungsgesellschaft oder der AIF-Manager diese verwendet. Online-Mitteilungen, insbesondere auf Social-Media-Plattformen, die lediglich einen Link auf eine anderweitige Marketing-Anzeige enthalten, fallen jedoch nicht hierunter. Ebenso sind allgemeinen Unternehmensmitteilungen des Fonds-Managers, in denen seine Aktivität oder eine allgemeine Marktentwicklung berichtet wird, nicht betroffen wenn nicht zugleich der Bezug auf ein bestimmtes Anlageprodukt oder implizit auf eine lediglich kleine Gruppe in Betracht kommender Produkte besteht. Kenntlichmachung Stets muss ein auffälliger Hinweis erfolgen, der auf den Charakter als „Marketing-Anzeige“ verweist, auch wenn der genannte Begriff als solcher nicht zwingend erscheint. Flankierend ist ein Haftungsausschluss vorgesehen, der von einem Investment ohne Lektüre des „echten“ Verkaufsprospektes abrät. Auch in Videopräsentationen ist dies erforderlich. Lediglich dann, wenn er nicht zum Format oder zur Länge einer Online-Marketing-Anzeige passt, kann er durch eine kürzere Kenntlichmachung ersetzt werden. Keine dispositive Beschreibung von Chancen und Risiken. Obwohl Marketing-Anzeigen nicht das „volle Aufklärungsprogramm“ erfüllen müssen, darf keine – als solche dispositive – Darstellung der Chancen erfolgen, ohne gleichzeitig vergleichbar deutlich auf die Risiken hinzuweisen. Die Darstellung der Risiken darf auch nicht lediglich in einer Fußnote, einem Verweis oder mit kleinerer Schriftgröße erfolgen. Auch inhaltlich muss ein „ausgewogenes“ Verhältnis bestehen, wobei die ESMA zum Beispiel eine zweispaltige Tabelle oder eine eindeutige Liste der Chancen und Risiken mit entsprechender Gegenüberstellung empfiehlt. Darstellung der Kosten Wenn die Kosten überhaupt in einer Marketing-Anzeige zur Sprache kommen, muss auch hier eine vollständige und richtige Erläuterung erfolgen, wie sich diese auf den Anlagebetrag und die Rendite auswirken. Fallen diese ganz oder teilweise in Fremdwährung an, ist zusätzlich ein Wahnhinweis erforderlich, dass die Kosten aufgrund von Währungs- und Wechselkursschwankungen steigen oder sinken können. Darstellung zu prognostizierten Wertentwicklungen Wenn auf frühere Wertentwicklungen Bezug genommen wird, sind Bezugszeitraum und Datenquelle anzugeben sowie gegebenenfalls eine Synchronisation mit einer entsprechenden Darstellung in den Pflichtunterlagen herzustellen. Der Bezug zu den erhofften zukünftigen Renditen ist zu relativieren: „Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen“. Bei Angaben über die erwartete zukünftige Wertentwicklung sind zum Zeithorizont, der mit dem empfohlenen Anlagehorizont übereinstimmen muss, Angaben zu machen und ein ausdrücklicher Haftungsausschluss für den Eintritt der erwarteten Wertentwicklung aufzunehmen. Nachhaltigkeitskriterien Wird in der Marketing-Anzeige auf nachhaltigkeitsrelevante Aspekte hingewiesen, ist grundsätzlich ein Link zur sogenannte Offenlegungsverordnung über die nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte (Verordnung (EU) 2019/2088) erforderlich. Die Informationen über die nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte sollen über dies mit den Angaben in den Pflichtdokumenten übereinstimmen und „nicht das Maß überschreiten, indem die nachhaltigkeitsrelevanten Eigenschaften oder Ziele zur Anlagestrategie des Produktes gehören“. Auch hier findet sich also ein – wenn auch schwergreifbares – Ausgewogenheitsgebot. Bewertung Die neuen Regelungen sollen die Vorgaben des bestehenden § 302 KAGB zur Werbung nicht ersetzen, sondern „konkretisieren“. Diese Konkretisierung gerät de facto zu einer Verschärfung. Allerdings greift auch diese nicht so weit, wie es in

Weitelesen »