Tag: 11. März 2022

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Beratung & Vertrieb

Fragen an Verbände zur Zukunft des „freien Vertriebes“

Wir haben ermittelt, dass Kapitalverwaltungsgesellschaften, die Publikums-AIF emittieren in zunehmender Zahl Direkt-Zeichnungstechniken entwickeln, um digitale Zeichnungen (also beratungsfreie Anlageentscheidung) von Anlegern zu ermöglichen. Der Grund dafür könnte sein, dass Vertriebsprovisionen eingespart werden sollen. Wenn dieser Trend sich stark weiterentwickelt, dann könnte der „freie“ Vertrieb, der unabhängige Anlageberater, bald eine wesentliche Einkommensquelle verlieren. Wir haben die wichtigsten Branchenverbände um ihre Einschätzung gebeten. Frank Bock, Leiter Kommunikation des BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V Gemäß der Verwahrstellenstatistik des BVI verwahrten die Depotbanken in Deutschland zum 31. Dezember 2021 ein Netto-Vermögen von 33 Milliarden Euro in KAGB-konformen geschlossenen Sachwertefonds. Davon entfallen acht Milliarden Euro auf geschlossene Sachwerte-Publikumsfonds. Geschlossene Publikums-AIF sind grundsätzlich ein beratungsintensives Produkt. Aus unserem Mitgliederkreis haben wir keine Signale für eine Stärkung des beratungsfreien Vertriebs dieser Fonds erhalten. Gleichwohl schreitet die Digitalisierung in allen Bereichen der Wertschöpfung im Fondsgeschäft voran, und es ist nachvollziehbar, wenn Kapitalverwaltungsgesellschaften zusätzliche Wege des Vertriebs auf dem Schirm haben. Klaus Wolfermann, Vorstand des VKS Verband der Kapitalverwaltungsgesellschaften und Sachwertanbieter e.V Grundsätzlich bleibt seitens unserer Verbandsmitglieder festzuhalten, dass der Vertrieb von Sachwertanlagen wie Publikums-AIF, Vermögensanlagen und sachwertorientierten Wertpapieren, in erster Linie über etablierte Vertriebspartner erfolgt. Hier profitieren die Kapitalverwaltungsgesellschaften von jahrzehntelangen Verbindungen zu ihren Partnern, die von Vertrauen und guter Zusammenarbeit geprägt sind. Auch wir beobachten, dass im Zuge der Digitalisierung nach effizienten und verbesserter Einreichungswegen gesucht wird. Dabei steht insbesondere die fehlerfreie und vollständige Übersendung von Unterlagen im Fokus. Aufgrund der unverändert hohen Bedeutung des Vertriebspartnergeschäftes für diese Branche, wird es wichtig sein, die Modernisierung und Digitalisierung in enger Abstimmung mit den Partnern voranzutreiben. Erste anbieterübergreifende Plattformen und Lösungen sehen wir bereits im Markt. Hier werden wir uns bei der Weiterentwicklung mit unseren Verbandsmitgliedern einbringen und dabei stets den Kontakt zu unseren Vertriebspartner halten. Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Branchenverbands Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V. Das Thema hat einige Facetten. Bisher haben wir den Eindruck, dass die digitalen Zeichnungsstrecken von den AIF-Anbietern angeboten werden, um diejenigen Vermittler zu unterstützen, die über eine solche digitale Abschlussmöglichkeit noch nicht verfügen – etwa durch Anbindung an einen Vertrieb oder einen Pool. Ein solches Hilfsmittel kann nützlich sein, ist jedoch auch mit großer Vorsicht einzusetzen. Beratern, die eine langjährige Kundenbeziehung aufgebaut haben, kann es kaum gelingen, sich für zukünftige Abschlüsse auf die Position des bloßen Vermittlers zurückzuziehen. Sie müssen daher bei einer Anlageberatung eine Geeignetheitsprüfung mit Geeignetheitserklärung durchführen. Dies wird von den digitalen Tools häufig gar nicht erst angeboten und wenn doch, dann nicht in der von den Gerichten geforderten Qualität. Hier drohen daher bei leichtfertigem Einsatz Gefahren bis hin zum Verlust des Deckungsschutzes bei der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, wenn diese den Vorwurf erhebt, der Berater habe vorsätzlich gesetzliche Beratungspflichten nicht erfüllt. Der Wunsch, Anleger digital direkt zum Abschluss zu bewegen, ist aus Sicht eines AIF-Anbieters, gerade wenn er auf eine langjährig solide Leistungsbilanz verweisen kann, nachvollziehbar – das sollte jedoch die Ausnahme bleiben. Der Gesetzgeber hat deutlich gemacht, dass er den Direktvertrieb von Kapitalanlagen mit einem unternehmerischen Risiko nicht wünscht. Bei Vermögensanlagen wurde hier erst im Sommer 2021 mit dem Gesetz zur weiteren Stärkung des Anlegeschutzes ein Verbot des Direktvertriebs eingeführt (§ 5b Abs. 3 VermAnlG). Ein übertriebenes Angebot zum Direktabschluss ist daher ein Spiel mit dem Feuer, bei dem sich Finanzaufsicht und Gesetzgeber zum Eingreifen gezwungen sehen könnten. Das Direktzeichnungsangebot hat häufig Kunden im Fokus, die Mehrfach- oder Wiederholungszeichner sind. Auch diese Anleger wurden jedoch zunächst von einem Berater auf den Anbieter aufmerksam gemacht und diese Erstempfehlung war dann der entscheidende Impuls. Dies sollten die Anbieter auch weiter honorieren.  Wir raten daher den Beratungsunternehmen in unserem Mitgliederkreis, auf eine entsprechend absichernde Vertragsgestaltung für Folgegeschäfte zu achten. Bisher können wir jedoch nicht beobachten, dass sich Anbieter ihre bisher erfolgreichen Vertriebswege durch unlauteres Geschäftsgebaren verprellen, in der vagen Hoffnung beim Direktgeschäft höhere Margen zu erzielen. Wir erleben vielmehr ein großes Interesse an der Vertiefung der Kooperationen – was sich nicht zuletzt auch durch den Mitgliederzuwachs in unserem Verband zeigt. André Hentz, Pressesprecher Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) e.V. Wir haben keine Erkenntnisse, Belege oder Anzeichen dafür, dass digitale Zeichnungen bei Publikums-AIF tatsächlich zunehmend den Markt dominieren. Ferner gehören zu unseren Mitgliedern keine freien Vertriebe, sondern in erster Linie Kapitalverwaltungsgesellschaften. Daher gibt es keine Verbandsmeinung zu diesem Thema.

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ESG-Qualität von Investments innerhalb von Fondspolicen ist ausbaufähig

Die Fondspolice spielt seit Jahrzehnten eine große Rolle innerhalb der Renten- und Lebensversicherung. Viele Millionen Verträge sind auf diese Weise gestaltet worden und erfreuen sich im Umfeld von Niedrig- und Strafzins immer größerer Beliebtheit. Nun stehen die Anbieter der Produkte für Vermögensaufbau und Altersvorsorge vor einer nächsten großen Herausforderung: Taxonomie und EU-Offenlegungsverordnung, die sogenannte Sustainable Finance Disclosure Regulation. Welche Qualität bietet das aktuelle ESG-Investmentangebot von Fondspolicen? Mit der Antwort auf diese Frage beschäftigt sich der „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ bereits zum zweiten Mal. Die Hamburger Beratungsboutique für die Analyse fondsgebundener Versicherungspolicen und Investmentdepots Smart Asset Management Service und das Institut für Vermögensaufbau (IVA), ein Analysehaus aus München mit den Schwerpunkten Portfolioanalysen, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsanalysen, führen dazu ausführliche Analysen zu den insgesamt derzeit 600 angebotenen Einzelfonds und ETF der wichtigsten Anbieter durch. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der angebotenen Produkte sich innerhalb des letzten Jahres mehr als verdoppelt hat, sich allerdings die Qualität zur Erstellung breit diversifizierter Portfolios nicht entsprechend entwickelt hat. Gerade die Hälfte der untersuchten Tarife bietet die Möglichkeit für die individuelle Erstellung robuster und gut diversifizierter Portfolios. Welche Fonds in welcher Gewichtung im Portfolio? Das entscheidende Kriterium für den Erfolg von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen ist die Fondsauswahl an sich und das Risiko, das damit einhergeht. Welche Fonds aus dem Anlagespektrum werden vom Berater in welcher Gewichtung ausgewählt – und wie passen sie zu den tatsächlichen Anforderungen des Kunden hinsichtlich Rendite und Risiko? Genau diese Aufgabe ist für die meisten Berater eine Herausforderung. Viele Versicherungsmakler sind keine Investment-Experten und mit der großen Auswahl der Fonds bisweilen überfordert. Der Hintergrund: Die Versicherungsunternehmen stellen zwar größtenteils umfangreiche Fondspaletten zur Verfügung, die Bewertung und Auswahl von Einzelfonds obliegen aber dem Berater. Das fällt vielen Beratern aber schwer, denn sie erhalten aus Haftungsgründen keine individuellen und konkreten Anlageempfehlungen der Gesellschaften für die Zusammensetzung der Police. Strategische Asset Allokation ist entscheidend Der professionelle Ansatz für den Bau von individuellen und auf den Kunden ausgerichteten Portfolios ist die Strategische Asset Allokation. Sie ist die langfristige Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen und hat den stärksten Einfluss auf Rendite und Risiko eines Portfolios. Die Strategische Asset Allokation ist für mindestens achtzig Prozent der Rendite und des Risikos verantwortlich und bildet damit das Fundament für den Bau eines langfristig angelegten Portfolios. Dafür wird jedoch ein ausgewogenes Angebot an Einzelfonds und ETF benötigt – sowohl für die Kernanlageklassen wie auch für die Beimischungen von beispielsweise Nebenwerten, die als zusätzliche Renditequelle benötigt werden. Aktuell bildet das unausgewogene Angebot vieler Versicherer die Achillesferse in den Fondspaletten. Während es in den Kernanlageklassen ein Überangebot an Fonds in den Anlageklassen zum Beispiel bei globalen Aktien und Aktien Europa gibt, sind beispielsweise die Bereiche globale Unternehmensanleihen oder Aktien Japan oft besetzt. Die neue Dimension: ESG Mit der zusätzlichen Dimension Nachhaltigkeit wird die Aufgabe insbesondere für die Vermittler nicht einfacher. Viele Kunden und Anleger wollen Gutes durch ihr Geld bewirken. Außerdem treibt die Politik das nachhaltige Investieren voran, unter anderem durch die Taxonomie und der EU-Offenlegungsverordnung, der sogenannten Sustainable Finance Disclosure Regulation. Andererseits sind die Anleger durch die aktuellen Nachrichten zum Thema „Greenwashing“ verunsichert und stellen zu Recht Fragen. Fragen, die die Berater und Vermittler auch nur begrenzt beantworten können. Dabei helfen auch die Selbsteinstufungen der Fondsgesellschaften für ihre Fonds nach Artikel 6, 8 und 9 der Offenlegungsverordnung nicht wirklich weiter. ESG-Konsens-Rating als Basis für die Bewertung Für den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ und die Bestimmung der ESG-Ratings der angebotenen Investmentfonds und ETF, fand das ESG-Konsensrating des Instituts für Vermögensaufbau Anwendung. Die Bestimmung eines ESG-Ratings für einen Fonds erfordert die Bestimmung eines ESG-Ratings für jedes einzelne darin enthaltene Wertpapier. Das wiederum erfordert die Bewertung der Nachhaltigkeit aller Aktiengesellschaften und Anleiheemittenten, denen durch den Fonds Kapital zufließt. Die dafür notwendige Datenerhebung und -verarbeitung ist so ressourcenintensiv, dass selbst große Finanzkonzerne dabei auf die Hilfe externer ESG-Ratingagenturen angewiesen sind. Es handelt sich dabei um hochspezialisierte Unternehmen, die die dafür nötigen fachlichen, personellen und technischen Anforderungen besitzen. Das IVA bildet aus den ESG-Ratings von drei renommierten Agenturen, ISS ESG, Refinitv sowie CSRHub ein Konsensrating und hat daraus ein „5 Stufen Nachhaltigkeitsrating“ entwickelt. Diese fünf Stufen, illustriert durch Bäume, machen es dem Berater wie auch dem Kunden einfacher zu beurteilen, wie nachhaltig die entsprechenden Investmentfonds beziehungsweise die dahinterstehenden Wertpapiere und Unternehmen sind. Denn auch bei einer Anlageentscheidung unter der Prämisse Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG innerhalb einer Fondspolice stehen zwei Aspekte im Vordergrund: die Investmentqualität und die Beratungsqualität. Denn sie entscheidet, ob und wie die Anlage- und Sparziele der Kunden erreicht werden oder nicht. Dazu gehört allerdings neben Transparenz auch die Möglichkeit, Qualität einfach zu erkennen – wie durch den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ mit dem IVA ESG-Konsensrating.

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